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Samstag, 3. April 2021

Die Regel: Bete und arbeite

“Die Bedeutung der Regel brachte ein Autor des 10. Jahrhunderts in der Formulierung zum Ausdruck, daß Gott nach der ‘Offenbarung des natürlichen, des mosaischen und des Gesetzes Christi eine vierte Offenbarungsstufe hinzufügte, durch die das vollkommene Gesetz bekräftigt werden sollte, nämlich die Regel des hl. Benedikt’. In der Byzantinischen Kirche oder in einer anderen der östlichen Christenheit wäre eine solche Bewertung völlig undenkbar gewesen.” (Mitterauer, Warum Europa? S. 193) 

Johannes Fried kommt zum Ergebnis, daß es Benedikt von Nursia nicht gegeben habe. Dann ist auch die Namensgebung eine fragliche. Wie diese Regel nun immer benannt sei - nennen wir sie ARBEITSREGEL -  entscheidend ist die Tatsache, daß sie die zentrale Regel eines Reformmönchstums wurde und den westlichen europäischen Sozialraum beeinflußte oder doch bei der Hervorbringung nicht im Wege stand. Die Arbeitsverachtung im katholischen Südamerika deutet darauf hin, daß eine Arbeitsregel noch keine ausgreifende Arbeitsgesinnung bewirkt. 


Sonntag, 24. Dezember 2017

Vom Mythos zu Logos?












Johannes Fried resümiert seinen Abschnitt 9.2 “Wer war Benedikt von Nursia?”:

“Auch der Blick auf Benedikts Leben läßt durch erinnerungskritische Textanalyse anderes hervortreten, als bisher gesehen wurde: Wie nämlich eine ideale Mönchs- und Abtsgestalt entstand, … wie sie dann von Fremden literarisch aufgenommen wurde und dabei historisch zu wirken begann, indem ihre Fiktionalität nicht mehr erkannt und für Wirklichkeit gehalten wurde, und wie diese irreale Realität endlich an ihren Ursprungsort zurückkehrte, um dort verspätet ins Leben zu treten. Auch dieser Weg läßt - nicht anders als Chlodwigs Taufe - das kulturschöpferische Zusammenspiel von Vergangenheitsbildern und Gegenwartsgestaltung, von individuellem und kulturellem Gedächtnis in seiner nimmer endenden Modulationsfreude erkennen und nicht zuletzt, daß der Historiker in dieses Spiel hineinleuchten kann, auch wenn er dessen Regeln (noch) nicht kennt.