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Dienstag, 15. Juni 2021

Von Memphis nach Athen



Theologie des Rechts ist Stadtsache


Gestraft wurde immer. Ob Kinder oder Erwachsene, Strafe war omnipräsent. Offenbar bildete sich eine universelle Strafprojektion heraus, wie sie im ägyptischen Alten Reich greifbar wird. Gericht wird gehalten, die Herzen gewogen und Strafen ausgesprochen. (s. Abb. aus dem Totenbuch des Hunefer um 1280 vuZ, Wikip.)


Und so ähnlich findet sich das etwa 1000 Jahre später auch bei Platon:

“Diese Kunde denn nun, o Glaukon, ist bewahrt worden und ging nicht verloren, und sie möchte wohl auch uns bewahren, wenn wir ihr Folge leisten, und dann werden wir den Fluß der Lethe glücklich durchschreiten und unsere Seele nicht beflecken; sondern wenn wir dem von mir Gesagten folgen und daran festhalten, daß die Seele unsterblich und befähigt sei, alles Schlimme und alles Gute über sich ergehen zu lassen, so werden wir immer dem nach Oben führenden Wege folgen und in Gerechtigkeit, verbunden mit Verständigkeit, auf jede Weise uns bethätigen, damit wir sowohl uns selbst, als auch den Göttern befreundet seien, mögen wir hier auf Erden verweilen, oder nach Empfang des Kampfpreises hiefür wie die Sieg-Gekrönten Lohn einsammeln, und damit es auch bei jener tausendjährigen Wanderung, welche wir durchgegangen haben, uns wohl ergehe." 


Platon. Der Staat (Kindle-Positionen 6958-6963). Kindle-Version.


Montag, 11. Dezember 2017

Reinigungsdrang


Bei Licht betrachtet ist die “Reinigungslehre” (Katharsis) bei den alten Griechen eine Merkwürdigkeit und nur mit der Vorstellung von “Sauberkeit” verständlich, wie sie Mary Douglas in “Impurity and Danger” in primitiven Gemeinschaften gefunden und herausgearbeitet hat. Mit dem Thema befaßte sich auch eine Althistoriker- und Altphilologentagung, von der Gustav Falke berichtete (Griechische Katharsislehre, Reinigungsdrang, FAZ, 22.06.2005) Insbesondere bei Platon findet sich historisch Bemerkenswertes:
“Christian Wildberg wies auf den Stellenwert hin, den die Begriffe von Reinheit und Reinigung etwa im Phaidon haben. Wer sich von der Stadtmauer stürzt, hätte Sokrates ja ganz mißverstanden. Sterbenlernen meint nur, von Furcht und Leid befreit zu werden, mit denen die Körpergebundenheit der Seele einhergeht. Und für Plato ist es die kathartische Aufgabe der Philosophie, nicht den eigenen Körper zu negieren, sondern die Identifikation mit ihm aufzulösen.”

Ich habe mich schon länger gefragt, warum in der Schule allerhand Unnützes gelehrt wird, speziell, warum der Mensch und sein Körper in der Biologie eine so nebensächliche Rolle spielt und er früher gar nicht vorkam, etwa in den Lateinschulen. Der Körper galt den Platonikern und Religiösen als unreinlich, als verderblich und peinlich. Rituelle Waschungen besitzen hier ihre Wurzel und daher stammt auch der monströse Zölibat der Katholiken, der nicht nur den Priestern eine schwere Bürde zumutet, sondern auch die erbliche Weitergabe von Intelligenz behinderte und verhinderte, dies noch heute. Zugunsten des protestantischen Pfarrhauses übrigens.
Für den Normalbürger aber ist diese leibfeindliche Haltung das Schlimmste, weil es die Identifikation mit dem Körper stört und die Aufmerksamkeit von ihm abzieht. In der Schule werden keine Anatomie, keine Innere Medizin, keine Orthopädie und keine Psychiatrie gelehrt, der Schüler verläßt die Schule weitgehend als physiologischer Analphabet. Das verursacht für das Individuum Leiden und für die Gesellschaft hohe Gesundheitskosten.
“Reinheit” und Katharsis waren daher von Beginn an unsinnige, destruktive Begriffe.




















Freitag, 12. Juli 2013

Platonisch




Remo Largo, Schweizer Kinderforscher, versteht rein gar nichts von platonischer Staats-Erziehung.






" ' Jedesmal, wenn uns ein Kind geboren wird, nehmen es die hierzu bestellten Behörden in Empfang. ... Die Kinder der tüchtigen Eltern werden sie dann nehmen und in die Anstalt bringen ... Die Kinder der untüchtigen Eltern und etwaige verkrüppelte Kinder der tüchtigen werden sie an einen geheimen und unbekannten Ort bringen. So ziemt es sich. ' 'Ja, wenn die Rasse der  (Platon, Politeia / Der Staat, 5. Buch IX, Eugenik, S. 164)

War schon ein pfiffiger Junge, der Platon! Könnte er nicht Anreger sein in der Kindertagesstätten-Diskussion? Die Behörden wissen am besten, wie man mit Kindern umgeht, denn wem der Staat eine Stelle gibt, dem gibt er auch Verstand. Das sehen wir doch an unseren Beamten, Bürgermeistern, Ministerpräsidenten und Kanzlern.

Samstag, 16. Februar 2013

Besser ist das



Dževad Karahasan würdigte in der FAZ v. 14.2.13 Josef Ratzinger: "Menschen vom Schlag Benedikts braucht die Welt". Der bosnische Autor und Mohammedaner schätzt Ratzinger als einen Mann des Dialogischen und der Gelehrsamkeit. Letzteres gefällt mir ebenfalls, obwohl ich die Dinge aus ganz anderer Perspektive sehe. Man kann der Welt nicht mit Gelehrsamkeit kommen. Aber man kann aus dem Zirkus aussteigen, was Ratzinger zum Monatsende tun wird. Mit 85 Jahren darf man zurückschalten und die verbleibenden Jahre so gestalten, wie es einem erstrebenswert erscheint. Ratzinger will sich nicht mehr an die Öffentlichkeit wenden und in ein Kloster gehen.  

Es ist so, wie schon Epikur, der Platon-Verächter, es sah: das politische Handeln macht nicht glücklich. Für die katholische Kirche, für die Kirchenpolitik gilt das gleiche wie für jede andere bürokratische Organisation. Sie sind alle Intrigantenstadel, wobei intrigierende Kirchenfunktionäre ihre Leute sogar nahe am Papst selbst plaziert hatten. Wenn man den Kammerdiener vom Schreibtisch des Chefs stehlen läßt, dann zeigt das die Dreistigkeit der frommen Drahtzieher. Wer will sich den Lebensabend mit solchem Pack verdüstern? Ratzinger will es nicht, und er hatte auch keine Lust, sich die Finger schmutzig zu machen durch Disziplinarmaßnahmen. Ratzinger ist kein Machtmensch, wie es Platon (Politeia, Dionysios II.) sein wollte. Ratzinger ödeten offenbar die Machtspielereien an. Ich finde das sympathisch.  
  
Benn 
ANEMONE 

Erschütterer  -:  Anemone, 
die  Erde  ist  kalt,  ist  Nichts, 
da  murmelt  deine  Krone 
ein  Wort  des  Glaubens,  des  Lichts. 
Die  Erde  ohne  Güte, 
der  nur  die  Macht  gerät, 
ward  deine  leise  Blüte 
so  schweigend  hingesät. 
Erschütterer  -:  Anemone, 
du  trägst  den  Glauben,  das  Licht, 
den  einst  der  Sommer  als  Krone 
aus  grossen  Blüten  flicht. 

Gilt auch für Schneeglöckchen 
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