Nachtfrost, mi 5° s 6732
- "Gefahr für das Land? Eine kritische Reporterin will, trotz Verbannung, zurück nach Moskau. 6. Februar / / Natalja Morar hat in den vergangenen Wochen viel Zeit mit ihrer Mutter verbracht. Sie war auch auf Reisen und hat den georgischen ..."
- 37° Wassertemperatur, nicht übel: "Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.02.2008, Nr. 32, S. 37: Polare Hitze: Warme Meere, vereiste Antarktis.
Selbst in den wärmsten Abschnitten der Erdgeschichte scheint es auf der Erde große Eismassen gegeben zu haben. Zu diesem Schluss kommt eine Forschergruppe um André Bornemann von der Universität Leipzig nach einer Analyse von Sedimenten, die in mehr als 2300 Meter Wassertiefe vor der Küste Surinams erbohrt wurden. Die etwa 91 Millionen Jahre alten Gesteinsproben stammen aus der Kreidezeit, als die Wassertemperatur im tropischen Atlantik etwa 37 Grad betrug und an den Rändern der Arktis Krokodile lebten. Trotzdem, so ergab die Analyse der Verhältnisse verschiedener Sauerstoffisotope in den Proben, war der antarktische Kontinent damals zu etwa 60 Prozent vereist. Allerdings dauerte die Vergletscherung nur einige Millionen Jahre, wie die Gruppe in der Zeitschrift "Science" schreibt. hra
- Klimakritische Tagung: "Zur Kontroverse um Klimawandel, CO2-Einfluß und Energiepolitik" am 20.Februar ab 12:30 im Stahlzentrum Düsseldorf, Sohnstr. 65,
www.stahl-online.de.
Vortragende: Prof. Emmermann (GeoForschungsZentrum Potsdam): Klimawandel und Energiepolitik; Dr. Ulrich Berner (Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Hannover): Klimafakten für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft; Dipl.-Ing. Peter Dietze, früher Siemens AG, Erlangen, Reviewer des 3. IPCC-Berichts (Intergovernmental Panel on Climate Change): Argumente der Klimaskeptiker zur Kontroverse um CO2, Klima und Energie; Prof. Dr. Horst Malberg. früher Institut für Meteorologie der FU Berlin: Über den solaren Einfluss auf den Klimawandel in den
letzten 300 Jahren; Dr.-Ing. Birnbaum (McKinsey/BDI-Klima-Studie).
Moderation: Prof. Hinz (Physikalische Chemie, Uni Münster).
- So macht man das:"Bakteriensexualforschung. Der Tabubrecher: Zum Tode von Joshua Lederberg. Mit fünfzehn die ersten Experimente, mit 29 Ordinarius und mit 33 Jahren Medizin-Nobelpreisträger. Das allein schon klingt in einer Welt, die ..." 7.2. FAZ
- Wieder schlug der Klassenfeind erbarmungslos und anonym zu: "FORSCHUNG UND LEHRE Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.02.2008, Nr. 32, S. 37
Ohne Absender: Anonyme Exzellenzinitiative
Unbekannte Spender haben der 1884 von Baptisten gegründeten Temple University in Philadelphia fünf Millionen Dollar, also 3,4 Millionen Euro, zukommen lassen. Die Summe wurde der Hochschule in zwei Schecks auf dem normalen Postweg zugestellt, wie der Vizepräsident der Universität am Dienstag mitteilte. Die betreffenden Briefe waren an eine Verwaltungsangestellte adressiert, die beim Öffnen der Couverts zunächst einen Scheck über eine Million Dollar fand, über die die Universität dem beiliegenden Schreiben zufolge frei verfügen darf. Mit dem zweiten Brief wurden vier Millionen Dollar vergeben - unter der Auflage, dafür ein Stipendienprogramm für Frauen und Minderheiten einzurichten. Das Geld kam von einer Bank in Arizona. Auf Nachfrage erfuhr die Universitätsverwaltung dort, die Spender wünschten unbedingt, anonym zu bleiben. Nur von Zeit zu Zeit Berichte darüber, was mit ihrem Geld gemacht worden sei, hätten sie gerne."
Donnerstag, 7. Februar 2008
Mittwoch, 6. Februar 2008
Holland: Jugendkriminalität, Rudel-Tiere, Scharia-Islam
mi 6° regn.
- "Jugendkriminalität. Wie zu Rembrandts Zeiten. In den Niederlanden sind die Zeiten der Maximaltoleranz vorbei: Zwölfjährige Kinder sitzen hinter Gittern, sogar Schuleschwänzen kann mit einem Besuch der Polizei geahndet werden. Die Justiz setzt bei der Bekämpfung der Jugendkriminalität auf Härte.
FAZ.NET Feuilleton 06. Februar
- Süßer Eremit, 700 g : "Ein Elefant unter Spitzmäusen. Es trägt einen Namen, der nicht nur Evolutionsbiologen verzückt, und führte die längste Zeit ein Dasein in extremer Abgeschiedenheit: Das Graugesichtige Rüsselhündchen ..." 31.1.
- Wie so ein Hund in fremder Umgebung seinem Gruppenführer folgt ...
- Tradition, Vertrauen und Innovation - das läßt sich nicht ausrechnen.
- " Die unzeitgemäße Macht des Scharia-Islams. Seine Sachwalter, Scharia-Gelehrte, Moscheeprediger und Verbände, glauben sich noch immer im Besitz der einzig gültigen Wahrheit, verdanken sie doch der Autorität der Texte ihre eigene. Wer anders denkt, wird verunglimpft und eingeschüchtert. ... Von Tilman Nagel, Islamwissenschaftler, lehrte bis 2007 an der Georg-August-Universität Göttingen.“ 5.2. FAZ
- "Jugendkriminalität. Wie zu Rembrandts Zeiten. In den Niederlanden sind die Zeiten der Maximaltoleranz vorbei: Zwölfjährige Kinder sitzen hinter Gittern, sogar Schuleschwänzen kann mit einem Besuch der Polizei geahndet werden. Die Justiz setzt bei der Bekämpfung der Jugendkriminalität auf Härte.
FAZ.NET Feuilleton 06. Februar
- Süßer Eremit, 700 g : "Ein Elefant unter Spitzmäusen. Es trägt einen Namen, der nicht nur Evolutionsbiologen verzückt, und führte die längste Zeit ein Dasein in extremer Abgeschiedenheit: Das Graugesichtige Rüsselhündchen ..." 31.1.
- Wie so ein Hund in fremder Umgebung seinem Gruppenführer folgt ...
- Tradition, Vertrauen und Innovation - das läßt sich nicht ausrechnen.
- " Die unzeitgemäße Macht des Scharia-Islams. Seine Sachwalter, Scharia-Gelehrte, Moscheeprediger und Verbände, glauben sich noch immer im Besitz der einzig gültigen Wahrheit, verdanken sie doch der Autorität der Texte ihre eigene. Wer anders denkt, wird verunglimpft und eingeschüchtert. ... Von Tilman Nagel, Islamwissenschaftler, lehrte bis 2007 an der Georg-August-Universität Göttingen.“ 5.2. FAZ
Dienstag, 5. Februar 2008
Hokuspokus und Hurrikane
mi 5° R 6.765
- Erfolg als negativer Umweltimpuls: Britney Spears in der geschlossenen Psychiatrie.
- "Bestattungen werden immer teurer, ich habe gut vorgesorgt." Werbebotschaft. Prima. Wenn die staatliche Regulierung entfiele, gäbe es auch ein preiswertes Plätzchen im Bücherregal zwischen Epikur und Montaigne.
- Alle 200 m eine Überwachungskamera fände ich ganz angenehm für meine körperliche Sicherheit; das aber ist ein weiterer Schritt zur platonischen Diktatur: "Große Koalition. WDR und WAZ verbünden sich. Der Westdeutsche Rundfunk und der Essener Zeitungskonzern WAZ stehen kurz vor dem Abschluss eines umfangreichen Kooperationsvertrags in den ..." 1.2.
- Der Kern des Erzählens ist der Hokuspokus des Besprechens.
- Zwischen den einzelnen Modulen des Gehirns liegen Welten.
- Nach dem friedlichen Hurrikanjahr 2007: "Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.01.2008, Nr. 26, S. 39
Waghalsige Sturmdeuter
Gibt es mehr Hurrikane?
Über wenig streitet die Klimaforschung mit sich und den Kollegen von der Meteorologie so leidenschaftlich und zugleich so vergeblich wie über die Aussichten an der Hurrikanfront. Jetzt geht der Streit in die nächste Runde.
Ausgangspunkt einer Veröffentlichung in der heutigen Ausgabe der Zeitschrift "Nature" ist eine an sich banale physikalische Erkenntnis: Tropische Wirbelstürme speisen sich aus der Wärmeenergie des Oberflächenwassers und sollten, wenn die Temperatur allein auch nicht hinreichend ist, in einem sich aufheizenden Erdklima an Intensität und womöglich an Zahl zunehmen.
Je wärmer das Meer, desto größer das Wirbelsturmrisiko. Sollte man meinen. Mark Saunders und Adam Lea vom University College in London haben ein darauf aufbauendes statistisches Modell entwickelt, das für die Analysen zusätzlich mit Winddaten aus den Jahren von 1950 und 2005 gefüttert wurde. Ergebnis: "Die deutliche Zunahme der Hurrikanaktivität zwischen 1996 und 2005 über dem tropischen Atlantik ist zu ungefähr vierzig Prozent auf die lokale Erwärmung zurückzuführen." In Klimadaten gepackt: Ein um ein halbes Grad wärmeres Meer bedeute eine Häufung von Hurrikanen um vierzig Prozent.
Genau solche Folgerungen aber waren nach den verfügbaren Mess- und Beobachtungsdaten, die weit über den hier untersuchten Zeitraum hinausgehen, bisher nahezu ausgeschlossen worden. Ebenfalls in der Zeitschrift "Nature" hatten beispielsweise vor kaum einem halben Jahr zwei amerikanische Forscher nach Analysen von hurrikanbedingten Kalkablagerungen im Meeressediment resümiert: Ein Zusammenhang zwischen Meerestemperatur und Hurrikanhäufung sei nicht nachzuweisen. Immer wieder war es in den zurückliegenden fünftausend Jahren zu jeweils Jahrzehnte oder Jahrhunderte dauernden Hochs und Tiefs gekommen. Wobei der jüngste Anstieg in der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts sogar mit der kleinen Eiszeit und folglich mit besonders tiefen Wassertemperaturen zusammenfiel. Nicht mit der Wassertemperatur, sondern mit den Variationen von El-Niño-Anomalien und westafrikanischem Monsun fanden sie einen Zusammenhang.
Eine andere Antwort auf die Frage, warum eine enge Kopplung der Wirbelstürme mit den Meerestemperaturen offenbar nicht zwingend ist, liegt in dem Phänomen, über das Chunzai Wang und Sang-Ki Lee von der amerikanischen nationalen Forschungsbehörde Noaa jüngst in den "Geophysical Research Letters" berichteten: Berücksichtigt man die Scherwinde über der Meeresoberfläche, die die Hurrikanentstehung stören können, ließe sich die Tendenz bei den gut dokumentierten Wirbelstürmen, die seit 1854 das Festland erreichten, leicht nachvollziehen: Die Zunahme an Scherwinden neutralisierte in ihren Augen die Zunahme an Wärmeenergie im Meer. Ihr Resümee: Mit der Klimaerwärmung werde es womöglich etwas weniger Wirbelstürme geben. So dreht sich der Wind in der Klimatologie, mal so und mal so.
JOACHIM MÜLLER-JUNG"
- Erfolg als negativer Umweltimpuls: Britney Spears in der geschlossenen Psychiatrie.
- "Bestattungen werden immer teurer, ich habe gut vorgesorgt." Werbebotschaft. Prima. Wenn die staatliche Regulierung entfiele, gäbe es auch ein preiswertes Plätzchen im Bücherregal zwischen Epikur und Montaigne.
- Alle 200 m eine Überwachungskamera fände ich ganz angenehm für meine körperliche Sicherheit; das aber ist ein weiterer Schritt zur platonischen Diktatur: "Große Koalition. WDR und WAZ verbünden sich. Der Westdeutsche Rundfunk und der Essener Zeitungskonzern WAZ stehen kurz vor dem Abschluss eines umfangreichen Kooperationsvertrags in den ..." 1.2.
- Der Kern des Erzählens ist der Hokuspokus des Besprechens.
- Zwischen den einzelnen Modulen des Gehirns liegen Welten.
- Nach dem friedlichen Hurrikanjahr 2007: "Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.01.2008, Nr. 26, S. 39
Waghalsige Sturmdeuter
Gibt es mehr Hurrikane?
Über wenig streitet die Klimaforschung mit sich und den Kollegen von der Meteorologie so leidenschaftlich und zugleich so vergeblich wie über die Aussichten an der Hurrikanfront. Jetzt geht der Streit in die nächste Runde.
Ausgangspunkt einer Veröffentlichung in der heutigen Ausgabe der Zeitschrift "Nature" ist eine an sich banale physikalische Erkenntnis: Tropische Wirbelstürme speisen sich aus der Wärmeenergie des Oberflächenwassers und sollten, wenn die Temperatur allein auch nicht hinreichend ist, in einem sich aufheizenden Erdklima an Intensität und womöglich an Zahl zunehmen.
Je wärmer das Meer, desto größer das Wirbelsturmrisiko. Sollte man meinen. Mark Saunders und Adam Lea vom University College in London haben ein darauf aufbauendes statistisches Modell entwickelt, das für die Analysen zusätzlich mit Winddaten aus den Jahren von 1950 und 2005 gefüttert wurde. Ergebnis: "Die deutliche Zunahme der Hurrikanaktivität zwischen 1996 und 2005 über dem tropischen Atlantik ist zu ungefähr vierzig Prozent auf die lokale Erwärmung zurückzuführen." In Klimadaten gepackt: Ein um ein halbes Grad wärmeres Meer bedeute eine Häufung von Hurrikanen um vierzig Prozent.
Genau solche Folgerungen aber waren nach den verfügbaren Mess- und Beobachtungsdaten, die weit über den hier untersuchten Zeitraum hinausgehen, bisher nahezu ausgeschlossen worden. Ebenfalls in der Zeitschrift "Nature" hatten beispielsweise vor kaum einem halben Jahr zwei amerikanische Forscher nach Analysen von hurrikanbedingten Kalkablagerungen im Meeressediment resümiert: Ein Zusammenhang zwischen Meerestemperatur und Hurrikanhäufung sei nicht nachzuweisen. Immer wieder war es in den zurückliegenden fünftausend Jahren zu jeweils Jahrzehnte oder Jahrhunderte dauernden Hochs und Tiefs gekommen. Wobei der jüngste Anstieg in der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts sogar mit der kleinen Eiszeit und folglich mit besonders tiefen Wassertemperaturen zusammenfiel. Nicht mit der Wassertemperatur, sondern mit den Variationen von El-Niño-Anomalien und westafrikanischem Monsun fanden sie einen Zusammenhang.
Eine andere Antwort auf die Frage, warum eine enge Kopplung der Wirbelstürme mit den Meerestemperaturen offenbar nicht zwingend ist, liegt in dem Phänomen, über das Chunzai Wang und Sang-Ki Lee von der amerikanischen nationalen Forschungsbehörde Noaa jüngst in den "Geophysical Research Letters" berichteten: Berücksichtigt man die Scherwinde über der Meeresoberfläche, die die Hurrikanentstehung stören können, ließe sich die Tendenz bei den gut dokumentierten Wirbelstürmen, die seit 1854 das Festland erreichten, leicht nachvollziehen: Die Zunahme an Scherwinden neutralisierte in ihren Augen die Zunahme an Wärmeenergie im Meer. Ihr Resümee: Mit der Klimaerwärmung werde es womöglich etwas weniger Wirbelstürme geben. So dreht sich der Wind in der Klimatologie, mal so und mal so.
JOACHIM MÜLLER-JUNG"
Montag, 4. Februar 2008
Gewaltbereitschaft
- "... Bei aller Unterschiedlichkeit der theoretischen Positionen streifte das Gespräch aber wiederholt ein spezielles Thema, das in Frankreich seit ein paar Wochen für große Erregung sorgt. Ausgelöst unter anderem durch die Unruhen des vergangenen Herbsts in den Vorstädten wird im Innenministerium über vorbeugende Maßnahmen nachgedacht. Ausdrücklich genannt wird dabei eine Studie des Institut national de la santé et de la recherche médicale (Inserm) aus dem letzten Herbst, bei deren Lektüre es einem kalt über den Rücken läuft. Ihr Titel lautet "Verhaltensstörung bei Kindern und Jugendlichen" und ist auf der Internetseite des Instituts abrufbar. Es geht darum, wie bereits im frühkindlichen Alter bis zu drei Jahren oder gar schon vorgeburtlich bei einem Embryo latente Gewaltbereitschaft diagnostiziert werden kann.
In eisigem Wissenschaftsjargon wird dort beschrieben, wie in diesem Frühstadium bei Mäusen und Ratten im Labor aggressive Veranlagungen festgestellt werden konnten. Der Bericht unterscheidet zwischen eigentlicher "Verhaltensstörung" (trouble des conduites) und "Störung aus Auflehnung" (trouble oppositionnel): Das sei zwar nicht ganz dasselbe, gehe aber oft zusammen, heißt es beim Inserm. Die Experten wollen sich aber nicht mit bloßen Forschungsergebnissen begnügen. Sie empfehlen in ihrer Studie, schon vom embryonalen Stadium an in besonderen Risikofällen - sehr junge Mütter, Eltern aus dem Drogenmilieu, kriminelle oder psychiatrische Vorbelastungen in der Familie - die Entwicklung eines Embryos oder eines Kleinkindes klinisch und psychologisch genau zu verfolgen. Exzessive Motorik, impulsives Verhalten, mangelndes Einfühlungsvermögen, überhaupt schwierige Temperamente seien Verdachtsmomente, die später in Kindergarten und Schule auch von den Erziehern in regelmäßigen Verhaltenstests aufgezeichnet und ausgewertet werden sollen. Als Maßnahme könnten dann je nach Fall psychotherapeutische und pharmazeutische Mittel kombiniert werden. ..." Aggressive Embryos. Frankreich streitet: Ist Gewaltbereitschaft erblich? PARIS, im April 06 / FAZ 10.4.06
In eisigem Wissenschaftsjargon wird dort beschrieben, wie in diesem Frühstadium bei Mäusen und Ratten im Labor aggressive Veranlagungen festgestellt werden konnten. Der Bericht unterscheidet zwischen eigentlicher "Verhaltensstörung" (trouble des conduites) und "Störung aus Auflehnung" (trouble oppositionnel): Das sei zwar nicht ganz dasselbe, gehe aber oft zusammen, heißt es beim Inserm. Die Experten wollen sich aber nicht mit bloßen Forschungsergebnissen begnügen. Sie empfehlen in ihrer Studie, schon vom embryonalen Stadium an in besonderen Risikofällen - sehr junge Mütter, Eltern aus dem Drogenmilieu, kriminelle oder psychiatrische Vorbelastungen in der Familie - die Entwicklung eines Embryos oder eines Kleinkindes klinisch und psychologisch genau zu verfolgen. Exzessive Motorik, impulsives Verhalten, mangelndes Einfühlungsvermögen, überhaupt schwierige Temperamente seien Verdachtsmomente, die später in Kindergarten und Schule auch von den Erziehern in regelmäßigen Verhaltenstests aufgezeichnet und ausgewertet werden sollen. Als Maßnahme könnten dann je nach Fall psychotherapeutische und pharmazeutische Mittel kombiniert werden. ..." Aggressive Embryos. Frankreich streitet: Ist Gewaltbereitschaft erblich? PARIS, im April 06 / FAZ 10.4.06
Sonntag, 3. Februar 2008
Hartnäckige Gefühlskälte, Kranichkeil
Nachtfrost -2°, mi 2° s . Erster Kranichkeil nach NO.
- "Wut"-Filmchen: Kommentarfortsetzung:
"Hartnäckige Gefühlskälte.
Viele schwierige Kinder bleiben schwierig / Biologische Gründe?
Schwierige Kinder werden nicht selten zu schwierigen Erwachsenen. Schon im Vorschulalter zeigen manche Jungen ein aggressives, uneinfühlsames Verhalten, das viele von ihnen ein Leben lang nicht ablegen. Auffallend impulsive und aggressive Kindergartenkinder tragen möglicherweise sogar ein erhöhtes Risiko, als Erwachsene mit dem Strafgesetz in Berührung zu kommen. Indizien für diese seit einigen Jahren diskutierte "Risikothese" lieferte jüngst eine Untersuchung der Psychologen Paul Hastings und Carolyn Zahn-Wexler vom amerikanischen National Institute of Mental Health in Bethesda. Sie zeigt, daß sich "antisoziales" Verhalten bei Kindern oft nicht verliert, sondern im Lauf der Entwicklung sogar noch verfestigen kann.
In die Studie wurden 82 Kinder im Alter von vier bis fünf Jahren einbezogen. Die Forscher legten deren Müttern und Vorschullehrern einen Fragebogen vor, der Aufschluß über aggressive Verhaltensstörungen gibt. Anhand der Ergebnisse teilten sie die Kinder daraufhin in Gruppen mit hohem, mittlerem und niedrigem Entwicklungsrisiko ein. Anschließend stellten die beiden Psychologen Mitleid und Einfühlungsvermögen der Kinder auf eine experimentelle Probe. Sie zeigten den Kleinen bewegende Videogeschichten eines gleichaltrigen Kindes, dem der Hund davonläuft und dessen heißgeliebter Großvater schwer erkrankt. Das Ausmaß der dadurch hervorgerufenen Emotionen lasen die Forscher an Herzfrequenz, Schweißabsonderung und anderen Reaktionen des autonomen Nervensystems ab.
Das Einfühlungsvermögen der Kinder wurde in einem weiteren Versuchsdurchgang auf die Probe gestellt. Sowohl der Versuchsleiter als auch die Mutter simulierten an unterschiedlichen Tagen einen kleinen Laborunfall, bei dem sie sich aus der Perspektive des Kindes hätten verletzen können. Die aggressiven Jungen aus der Hochrisikogruppe - nicht aber die Mädchen, die generell einfühlsamer waren - verhielten sich in diesem Empathietest auffällig. Zwar ließ sie der Unfall nicht gleichgültig, doch neigten sie zu herzlosen Reaktionen, machten sich über das Opfer lustig, verhöhnten oder beschimpften es sogar.
Als die Tests zwei Jahre später wiederholt wurden, hatte sich bei einem Teil dieser Jungen das gefühlskalte Verhalten verfestigt. Sowohl im Experiment als auch in den Einschätzungen der Eltern und Lehrer fielen sie durch geringes Einfühlungsvermögen, mangelndes Verantwortungsbewußtsein und schwieriges Sozialverhalten auf. Sogar in ihren Eigenbeurteilungen beschrieben sich die Grundschüler auf ähnliche Weise. Eine Nachbefragung der Lehrer nach abermals zwei Jahren ergab, daß dieses Persönlichkeitsmerkmal bei vielen Kindern stabil blieb. Etliche der schwierigen Vorschulkinder waren auch mit neun Jahren noch schwierig. Auf einem sich verfestigenden Vorurteil kann diese Einschätzung nicht beruhen, denn die Lehrer hatten zwischenzeitlich gewechselt.
Nach Ansicht von Hastings und Zahn-Wexler läßt sich das wenig einfühlsame Wesen der schwierigen Kinder zum Teil mit ihrer biologischen Konstitution erklären. Sie schließen dies aus den vegetativen Reaktionen beim Betrachten der Videofilme. Kinder, die bei den traurigen Geschichten physiologisch stark angesprochen wurden, zeigten auch bei dem simulierten Unfall mehr Mitgefühl. Sie schienen generell empfindsamer zu sein. Wenn manche Kinder fiktives, aber auch wirkliches Leid anderer kalt läßt, so könnte dies nach Ansicht der Psychologen darauf hindeuten, daß es ihnen an physiologischer Aktivierung und damit an der körperlichen Grundlage für Mitleid mangelt.
Es fanden sich allerdings auch Hinweise dafür, daß ein Mangel an Empathie kein unabänderliches Schicksal sein muß. Möglicherweise können Kinder dieses emotionale Defizit bei geeigneter Erziehung nach und nach kompensieren. Die Forscher ermittelten nämlich einen Zusammenhang zwischen dem Erziehungsstil der Mutter zur Zeit der ersten Untersuchung und der Einfühlungsbereitschaft ihres Kindes zwei Jahre später. Als günstig erwies es sich, wenn Mütter bestimmt und fordernd mit ihren Sprößlingen umgingen, ihnen bei unangemessenem Betragen ins Gewissen redeten und sie in rationaler Weise darauf aufmerksam machten, was sie mit ihrem Tun bei anderen anrichteten. Ein feindseliger Erziehungsstil hingegen ging häufig mit abgestumpften, gleichgültigen Reaktionen der Kinder einher.
gen "
Natur und Wissenschaft Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.1999, Nr. 64, S. N1
- "Wut"-Filmchen: Kommentarfortsetzung:
"Hartnäckige Gefühlskälte.
Viele schwierige Kinder bleiben schwierig / Biologische Gründe?
Schwierige Kinder werden nicht selten zu schwierigen Erwachsenen. Schon im Vorschulalter zeigen manche Jungen ein aggressives, uneinfühlsames Verhalten, das viele von ihnen ein Leben lang nicht ablegen. Auffallend impulsive und aggressive Kindergartenkinder tragen möglicherweise sogar ein erhöhtes Risiko, als Erwachsene mit dem Strafgesetz in Berührung zu kommen. Indizien für diese seit einigen Jahren diskutierte "Risikothese" lieferte jüngst eine Untersuchung der Psychologen Paul Hastings und Carolyn Zahn-Wexler vom amerikanischen National Institute of Mental Health in Bethesda. Sie zeigt, daß sich "antisoziales" Verhalten bei Kindern oft nicht verliert, sondern im Lauf der Entwicklung sogar noch verfestigen kann.
In die Studie wurden 82 Kinder im Alter von vier bis fünf Jahren einbezogen. Die Forscher legten deren Müttern und Vorschullehrern einen Fragebogen vor, der Aufschluß über aggressive Verhaltensstörungen gibt. Anhand der Ergebnisse teilten sie die Kinder daraufhin in Gruppen mit hohem, mittlerem und niedrigem Entwicklungsrisiko ein. Anschließend stellten die beiden Psychologen Mitleid und Einfühlungsvermögen der Kinder auf eine experimentelle Probe. Sie zeigten den Kleinen bewegende Videogeschichten eines gleichaltrigen Kindes, dem der Hund davonläuft und dessen heißgeliebter Großvater schwer erkrankt. Das Ausmaß der dadurch hervorgerufenen Emotionen lasen die Forscher an Herzfrequenz, Schweißabsonderung und anderen Reaktionen des autonomen Nervensystems ab.
Das Einfühlungsvermögen der Kinder wurde in einem weiteren Versuchsdurchgang auf die Probe gestellt. Sowohl der Versuchsleiter als auch die Mutter simulierten an unterschiedlichen Tagen einen kleinen Laborunfall, bei dem sie sich aus der Perspektive des Kindes hätten verletzen können. Die aggressiven Jungen aus der Hochrisikogruppe - nicht aber die Mädchen, die generell einfühlsamer waren - verhielten sich in diesem Empathietest auffällig. Zwar ließ sie der Unfall nicht gleichgültig, doch neigten sie zu herzlosen Reaktionen, machten sich über das Opfer lustig, verhöhnten oder beschimpften es sogar.
Als die Tests zwei Jahre später wiederholt wurden, hatte sich bei einem Teil dieser Jungen das gefühlskalte Verhalten verfestigt. Sowohl im Experiment als auch in den Einschätzungen der Eltern und Lehrer fielen sie durch geringes Einfühlungsvermögen, mangelndes Verantwortungsbewußtsein und schwieriges Sozialverhalten auf. Sogar in ihren Eigenbeurteilungen beschrieben sich die Grundschüler auf ähnliche Weise. Eine Nachbefragung der Lehrer nach abermals zwei Jahren ergab, daß dieses Persönlichkeitsmerkmal bei vielen Kindern stabil blieb. Etliche der schwierigen Vorschulkinder waren auch mit neun Jahren noch schwierig. Auf einem sich verfestigenden Vorurteil kann diese Einschätzung nicht beruhen, denn die Lehrer hatten zwischenzeitlich gewechselt.
Nach Ansicht von Hastings und Zahn-Wexler läßt sich das wenig einfühlsame Wesen der schwierigen Kinder zum Teil mit ihrer biologischen Konstitution erklären. Sie schließen dies aus den vegetativen Reaktionen beim Betrachten der Videofilme. Kinder, die bei den traurigen Geschichten physiologisch stark angesprochen wurden, zeigten auch bei dem simulierten Unfall mehr Mitgefühl. Sie schienen generell empfindsamer zu sein. Wenn manche Kinder fiktives, aber auch wirkliches Leid anderer kalt läßt, so könnte dies nach Ansicht der Psychologen darauf hindeuten, daß es ihnen an physiologischer Aktivierung und damit an der körperlichen Grundlage für Mitleid mangelt.
Es fanden sich allerdings auch Hinweise dafür, daß ein Mangel an Empathie kein unabänderliches Schicksal sein muß. Möglicherweise können Kinder dieses emotionale Defizit bei geeigneter Erziehung nach und nach kompensieren. Die Forscher ermittelten nämlich einen Zusammenhang zwischen dem Erziehungsstil der Mutter zur Zeit der ersten Untersuchung und der Einfühlungsbereitschaft ihres Kindes zwei Jahre später. Als günstig erwies es sich, wenn Mütter bestimmt und fordernd mit ihren Sprößlingen umgingen, ihnen bei unangemessenem Betragen ins Gewissen redeten und sie in rationaler Weise darauf aufmerksam machten, was sie mit ihrem Tun bei anderen anrichteten. Ein feindseliger Erziehungsstil hingegen ging häufig mit abgestumpften, gleichgültigen Reaktionen der Kinder einher.
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Natur und Wissenschaft Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.1999, Nr. 64, S. N1
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