Sonntag, 22. Januar 2012

Aus vier mach drei, aus fünfen eins - das ist das Hexeneinmaleins






Zahlenmagie auch auf Dürers Melencolia von 1514
– siehe Zahlenquadrat



„ Folgende, glaube ich: daß sie von solchen Zahlen sprächen, die man nur denken könne, und auf eine andere Weise damit zu verfahren sei ganz unmöglich.
Siehst du es da, mein Lieber, fuhr ich fort, daß uns jener Lehrgegenstand als ein in der Tat unumgänglich notwendiger erscheint, daß sich außer dem praktischen Nutzen bei ihm herausstellt, daß er die Seele nötigt, das reine Denken zur Auffassung der reinen Wahrheit zu gebrauchen? ...“
Platon, Politeia (http://www.opera-platonis.de/Politeia7.html)

Ich habe Platon immer ungern gelesen, schon wegen der Darbietungsform. Glaukon gibt den Dummbubi, Sokrates/Platon den Meisterdenker. Das soll ein Dialog sein und ist doch nur ein Betrug. Platon wickelt umständlich seine Meinung aus und verbirgt dabei, das ist der Betrug, daß ein echter Dialog zwischen zwei scharfsinnigen Menschen tatsächlich eine erkenntnisfördernde Methode sein kann.
Hier nun will uns Platon einreden, daß „Rechnen und Zählen“ mit der Zahl zu tun haben, die wiederum zur „Wahrheit“ und zum „Sein“ führt. So ähnlich las es sich schon bei Pythagoras und den Pythagoreern. Platon treibt den Blödsinn auf die Spitze und seither gilt, daß Mathematik den Geist bilde. Deswegen das Hauptfach Mathematik im Gymnasium der Gegenwart. Wie in Platons „Politeia“ sollen die Schüler zur reinen Anschauung geführt werden, wenn dieses Ziel auch nur noch zwischen den Zeilen durchscheint.
Doch geht es nicht mehr wie bei Platon um die Bildung der „Wächter“, eine Mischung aus SS und KGB, sondern um das Berechnen, besonders das Berechnen von Risiken.
In der Versicherungsbranche hat das natürlich seine Berechtigung, doch kann keine Versicherungsgesellschaft das Risiko einer Niedrigzinsphase für ihre Lebensversicherung berechnen oder das Opportunismusrisiko des Zentralbankvorstands oder gar der Politik. Merkel etwa verkündete vor zehn Jahren marktwirtschaftliche Grundsätze, heute aber betreibt sie eine Hochsteuer- und eine Subventionspolitik, die in dem Schlüsselbereich der Energieversorgung den Wettbewerb ausgeschaltet hat.
Hier, bei den großen Risiken, hilft kein Berechnen und keine Mathematik. Das Gleiche gilt für die große Buchgeldkrise von 2008, ausgelöst durch die amerikanische Hauspreiskrise. Schon dafür waren die Mathematiker viel zu dumm: sich vorzustellen, daß die Häuserpreise nach zwanzigjährigem Steigen fallen könnten. Für die damit verbundenen drittklassigen Hausdarlehen lieferten die Mathematiker der Ratingagenturen ihr Meisterwerk an sublimer Rechenkunst und dreistem Selbstbetrug ab, nämlich die verkaufbaren Korbzusammenstellungen von Krediten verschiedener Risikoklassen. Verdummt schon durch den Mathematikunterricht am Gymnasium, vollends verblödet durch ein vermathematisiertes Wirtschaftsstudium kauften die Bankleute rund um den Globus den AAA-bewerteten Kreditkorbschrott, bis der Insolvenzverwalter kam.

Ähnliches in noch größerer Kapitalvernichtungsdimension spielt sich ab bei der Berechnung des Erdklimas in dreißig oder fünfzig Jahren. Eine große Gruppe von Zahlengauklern aus Meteorologie und Geophysik tat sich zusammen und hat in einem Klimamagiemodell die verrücktesten Kombinationen hervorgezaubert und zusammengerechnet.

Ja, Platon, eine solche Karriere deines pythagoreischen Zahlenaberglaubens hättest du dir wohl nicht träumen lassen, geschweige denn berechnen können.

Samstag, 21. Januar 2012

Versicherung gegen Windbeutelei: Notwärmeerzeugung




Kupfer aus Hamburg

(Bild: Aurubis)



Aurubis: “Kupferkonzern investiert in eigenes Zusatzkraftwerk

rit. HAMBURG, 19. Januar. Der Hamburger Kupferkonzern Aurubis hat Maßnahmen ergriffen, um sich besser vor den Folgen eines etwaigen Stromausfalls zu schützen ...
... HAMBURG, 19. Januar. Der Hamburger Kupferkonzern Aurubis hat Maßnahmen ergriffen, um sich besser ...
... Sonnen- und Windkraftwerke, so fürchtet der Aurubis-Vorstand, können die nötige Versorgungssicherheit nicht gewährleisten. ...
... Das darf nicht passieren", sagte der Aurubis-Finanzvorstand Erwin Faust bei der Bilanzvorlage ..." FAZ

Wenn das flüssige Metall erstarrt, werden die Anlagen zerstört.

Merke(l): Wenn man schon wenig Rohstoffe im Lande hat, muß man wenigstens die Energie verteuern.

Freitag, 20. Januar 2012

Italien hat die höchsten Einwohner-Vermögen pro Kopf in der EU





Lieber 2 kleine als 2 unverschämten Italiener wie Monti und Draghi




- Gute Idee: "Bundesbank-Vorstand Thiele lehnt Geld-Drucken durch die EZB kategorisch ab

Deutsche Mittelstands Nachrichten | Veröffentlicht: 17.01.12
Carl-Ludwig Thiele, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, schließt jede Art der Geldmengen-Ausweitung durch die Europäische Zentralbank (EZB) aus. Die Staaten müssten sparen, um die Stabilität des Euro nicht zu gefährden.

Bei einer Veranstaltung in Hamburg sagte Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele am Montag, dass die europäischen Staaten sparen müssen, um die Krise zu überwinden. Durch eine Aufstockung der Rettungsschirme könnten die Regierungen Zeit gewinnen – die Schulden müssten dennoch abgebaut werden. Denn: „Dauerhaftes Vertrauen kann nicht allein mit Geld erkauft werden.“
Thiele erteilte dem Gelddrucken durch die EZB eine klare Absage: „Eine Idee sollte ein- für alle Mal beseite gelegt werden: Nämlich die Idee, dass das benötigte Geld einfach gedruckt wird. Denn dies würde die wichtigste Grundlage für eine stabile Währung bedrohen: die Unabhängigkeit eine auf Preisstabilität achtenden Zentralbank.“
(s. auch FAZ 17.1.12)
Mehr zum Thema:
Monti: Deutschland muss Italien beim Schuldenzahlen helfen

Jörg Asmussen übt scharfe Kritik am EU-Fiskalpakt

Donnerstag, 19. Januar 2012

Kehret um, ruft uns die Stimme!




Erst fing es ganz langsam an - aber dann …

Archaeen waren vielleicht am Anfang des Lebens dabei, als es noch nicht so kalt war wie heute: einige können bei 110 °C wachsen (an Schwarzen Rauchern z.B.).



“Die Geschichte des Lebens auf unserem Planeten passiert seit fast vier Milliarden Jahren. Erst jüngst trat der Mensch auf und generierte ein neuartiges Phänomen: Kultur und Zivilisation. Obwohl auch deren Existenz auf den notwendigerweise sehr konservativen Gensequenzen gründet, erlaubt das Phänomen Kultur eine stürmische Entwicklung – scheinbar abgekoppelt von der Biologie. Was antike Zivilisationen hervorbrachten, ist schon beeindruckend; die Eigenwirklichkeit der modernen Technik und Biotechnologie ist in der Tat überwältigend, euphorisierend und erschreckend. Kann es – metaphorisch gesprochen – nicht sein, dass mit der Entstehung des Menschen am evolutionären Stammbaum des Lebens ein Zweig gewachsen ist, der sich nach üppiger Blüte mit dem Werkzeug der Kultur selbst abschneidet? Oder wächst mit der Gefahr hier auch das Rettende? Das wäre zu diskutieren .”

An die Sündflut wird Bernhard Verbeek, ein dezidierter Gegner der Religion, sicher nicht denken in seiner Vortragsinhaltsangabe ("Kultur - eine toxische Frucht der Naturgeschichte?"). Doch variiert seine Denkfigur nur das, was schon in den Büchern Mose verzeichnet ist: begabte Menschen widmen sich schönen Dingen, zum Beispiel der Bildhauerei in Gold, sie entwickeln einen Kunstkult – und zack! fährt der primitive Grobian Mose dazwischen und haut alles in Klump. Oder das Wasser ertränkt alle Zivilisation bis auf die Archetypen, etc. Johannes kann in seiner einschlägigen „Apokalypse“ gar nicht genug davon bekommen, sich mörderische Strafaktionen gegen die Zivilisation und die schönen Dinge vorzustellen.
Die „Hure Babylon“ hat sich trotzdem durchgesetzt, heizt im Winter, fährt im Auto, verarbeitet Bäume zu Buchpapier und kommuniziert mittels Computer.
„Das Ende ist nahe, wenn ihr nicht umkehrt!“, rufen Mose, Noah, Johannes und Verbeek.
Ob das stimmt?

Mittwoch, 18. Januar 2012

Karl Heinz Bohrer im hr2-“Doppelkopf”

Karl Heinz Bohrer, Kurt Scheel und der MERKUR 

Bohrer und Scheel haben die "Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken" jahrzehntelang herausgegeben und redigiert. Im Dezemberheft haben sie sich verabschiedet und auf ihr erfreuliches Wirken zurückgeblickt. 1989 bildete der Zusammenbruch der SED-Diktatur und die Wiedervereinigung die Ursache für die Kündigung des langjährigen Paten und MERKUR-Autoren Habermas, der die Wiedervereinigung als reaktionär-nationalistisches Projekt strikt ablehnte. Von da an ging’s bergauf, könnte man sagen, oder in der Devise Kurt Scheels formuliert: “Den Rechten ein Ärgernis, den Linken ein Juckpulver”. Der Merkur wollte “freier, unabhängiger, origineller, weniger verharzt und kumpelhaft sein als die anderen Zeitschriften und auch die großen Zeitungen, die selbstgefällig ihre ewigen Wahrheiten verkündeten.” (Scheel, Ich wollte eigentlich nie zum MERKUR, 12/11, S. 1111) Das ist dem MERKUR gelungen, Bohrer und Scheel ist es zu danken. Dem von den alten Herausgebern vorgeschlagene Nachfolger Christian Demand ist alles Glück zu wünschen, den MERKUR auf dem gewohnten Niveau zu halten und den Zumutungen des Zeitgeistes die apollinische Stirn zu bieten.