Samstag, 1. September 2012

Norbert Walter - ein Verlust





Issing hält an seinem Baby fest







Norbert Walter verstarb überraschend mit nur 67 Jahren. Er war der Öffentlichkeit zugeneigt und konnte verständlich Wirtschaft und Wirtschaftspolitik kommentieren. Darin ähnelte er dem von der Baader-Meinhof-Bande ermordeten Alfred Herrhausen. Er hinterläßt eine große Lücke in den Medien und wohl auch im Zentralrat der Katholiken.
Kritisch muß man leider anmerken, daß er wie sein Kollege Issing die Probleme einer EU-Währungsunion unterschätzt hat. Der von ihm mit viel Vorschußlorbeeren versehene ehemalige EZB-Präsident Trichet hat die Unabhängigkeit der Zentralbank nicht in dem Maße gegen die Zumutungen der Schuldenpolitiker verteidigt, wie dies der Vertrag von Maastricht vorsah.
Da niemand genau weiß, wie welche Risiken zu veranschlagen sind im Wirtschaftsgeschehen, ist es besonders wichtig, viele Modelle nebeneinander laufen zu lassen und die Ergebnisse zu begutachten. Dies trägt auch den unterschiedlichen Mentalitäten Rechnung. All das spricht gegen eine Währungsunion.  

Freitag, 31. August 2012

Säulenheilige








Die Säulenheiligen Symeon Stylites der Ältere (links) und Symeon Stylites der Jüngere (rechts) auf einer Ikone, Bild: Wiki 






Da-da-da – da wurde er wieder katholisch, der Dadaist aus dem Hause Bally. Aber in der extrem antidadaistischen Variante, der Orthodoxie. Dazu erklärte er sich:
„Byzantinisches Christentum. Drei Heiligenleben (zu Joannes Klimax, Dionysius Areopagita und Symeon dem Styliten). Duncker & Humblot, München 1923“

Nach seiner Klamaukphase zog es Hugo Ball zur Welt der fraglosen Askese noch vor dem „morgenländischen“ Schisma. Das ließ aber nicht lange auf sich warten, 1054 war es soweit.

Konstantin hatte den unbedeutenden griechischen Ort Byzanz zu seinem Regierungssitz Konstantinopel bestimmt ("Ostrom"). Er empfand sich sowohl als Oberhaupt der Christenheit wie auch als römischer Kaiser. Schließlich hatte er das Christentum aus der Duldung zur Staatsreligion befördert. Während im Westen bald Papst und Kaiser um die Vorherrschaft stritten, blieb im byzantinischen Reich, in Konstantinopel, weltliche und oberpriesterliche Macht in einer Hand. Der Kaiser („Basileus“) galt als Vertreter „Christi“ auf Erden. Das pompöse Zeremoniell des kaiserlichen Auftretens einschließlich des Niederwerfens vor ihm besaß eine liturgische Funktion.
Die türkische Eroberung Konstantinopels 1453 machte aus Konstantinopel Istanbul. 

Mit der Auslöschung des byzantinischen Reiches rückte das Zentrum des orthodoxen Christentums nach Norden, nach Rußland. Die Grenze zwischen römischer und orthodoxer Sphäre bezeichnet bis heute auch eine kulturelle Grenze: das Reich der Orthodoxie blieb wissenschaftlich und wirtschaftlich arm. Die Zusammenballung von weltlicher und geistlicher Macht behinderte die Entwicklung der Zivilgesellschaft, die auf  individuelle Freiheit angewiesen ist. Die schätzen weltliche Herrscher wie Putin und prunksüchtige Priester wie Kiryll gar nicht. 
Die wirtschaftliche und geistige Rückständigkeit Rußlands ist bei diesen beiden in den besten Händen.  

Donnerstag, 30. August 2012

Amerikanische Realität



Neiddebatten sind ungut für das gesellschaftliche Klima. Man weiß das, seit Hitler seinen Kampf gegen die Plutokratie und das internationale Finanzkapital begann. 
NRW-Finanzminister Borjahns instrumentalisiert den Neid in seinem Sinne. Er sollte sich lieber ein amerikanisches Programm vornehmen:

“Der durchschnittliche Einkommensteuersatz der Amerikaner lag nach Schätzung eines Kongressausschusses 2010 bei 9,5 Prozent für Jahreseinkommen von 100.000 bis 200.000 Dollar, bei 16,6 Prozent für Einkommen bis 500.000 Dollar und bei 22,2 Prozent für Einkommen von mehr als 1 Million Dollar. Hinzu kommen Sozialversicherungsbeiträge.” (FAZ 20.8.12)

Mittwoch, 29. August 2012

Weiter hoffen auf die Nordwest-Passage








Ziemlich viel Eis zeigt diese Aufnahme vom 26.8.12 der NSIDC - keine Rede von Rekord

> Sea Ice News – Volume 3 Number 11, part 2 – other sources show no record low Arctic ice extent







"... Sie berichteten hingegen nicht über die Rekordeisausdehnung Ende März diese Jahres wo ein 10-Jahresrekord verzeichnet wurde. Sie berichteten auch nicht, dass andere Institute gar eine stärkere Eisbedeckung gemeldet haben. (http://stevengoddard.wordpress.com/2012/08/27/noaa-showing-28-more-ice-than-the-2007-minimum/
http://wattsupwiththat.com/2012/08/27/sea-ice-news-volume-3-number-11-part-2-other-sources-show-no-record-low/)

Vor allem berichteten Sie nicht, dass sich das alles immer wieder abgespielt hat, nur dass man damals weder Satelliten hatte, noch Klimapanik schüren wollte.

Eine schier endlose Liste über frühere "Rekord"-Arktisschmelzen innerhalb der letzen 106 Jahre -also innerhalb unserer Zivilisation-  finden Sie hier (http://www.real-science.com/arctic)

Daraus nur wenige Beispiele, die Sie und Ihre Kollegen nicht kennen oder nicht für berichtenswert halten


* CLEVELAND, Feb. 16. 1953  (A.A.P.): Der Arktis-Experte Dr. William S. Carlson sagte heute abend, dass die Eiskappen am Pol in einem erstaunlichen und unerklärbaren Tempo schmelzen würden und die Seehäfen durch ansteigende Pegel zu überschwemmen drohten.
*1947  „Die Gletscher in Norwegen und Alaska haben nur noch die Hälfte ihrer Größe von vor 50 Jahren. Die Temperatur um Spitzbergen hat sich so verändert, dass die Schiffbarkeit von drei auf acht Monate im Jahr angestiegen ist,” (1)
* 1947 Dr. Ahlman drängte auf die Einrichtung einer internationalen Agentur für das Studium der globalen Temperaturbedingungen. Die Temperaturen hätten sich um 10 Grad seit 1900 erhöht. Die Schiffbarkeitssaison entlang der Westküste Spitzbergens würde nun acht, anstatt drei Monate währen. (2)
* 1940 ... man stellte fest, dass die Temperaturen in Polnähe im Durchschnitt sechs Grad höher sind als Nansen vor 40 Jahren gemessen hat. Die Eisdicken betragen im Durchschnitt nur 1,95 m im Vergleich zu 3,90 m.
* 1940 Der gerade aus der Arktis zurückgekehrte norwegische Kapitän Wiktor Arnesen behauptet, eine im Umfang 12 Meilen große Insel nahe Franz-Joseph-Land entdeckt zu haben, auf einer Breite von 80,40 Grad. Er meinte, dass die Insel zuvor von einem 19 bis 24 m hohen Eisberg verdeckt gewesen wäre, der nun geschmolzen sei. Dies zeige die außergewöhnliche Natur des jüngsten Abtauens in der Arktis. (3)
Die Liste geht zurück bis auf 1906, abe rauch knapp 100 Jahre früher meldeten britische Marineschiffe eine ungewöhnlich geringe Eisbdeckung in der Arktis.
per BCC geht eine Kopie dieser Mail an Klima Interessierte.

Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen
Ihr
Michael Limburg
Vizepräsident EIKE (Europäisches Institut für Klima und Energie)
Tel: +49-(0)33201-31132
http://www.eike-klima-energie.eu/


Referenzen
(1) http://trove.nla.gov.au/ndp/del/article/42734540?searchTerm=glaciers%20melting&searchLimits=#pstart3099914
(2) http://tinyurl.com/cv3a8wp
(3) http://tinyurl.com/cp5fa4z

Dienstag, 28. August 2012

Prima Frankfurter






„Oh glaube mir, der manche tausend Jahre
An dieser harten Speise kaut,
Daß von der Wiege bis zur Bahre
Kein Mensch den alten Sauerteig verdaut!“

G., Faust I, V. 1775ff. 




„Alle Literatur ist bürgerlich. Bei uns. Auch wenn sie sich noch so antibürgerlich gebärdet. Arbeiter kommen in ihr vor wie Gänseblümchen, Ägypter, Sonnenstaub, Kreuzritter und Kondensstreifen. Arbeiter kommen in ihr vor. Mehr nicht. Hier, in diesem Buch, kommen sie zu Wort.“
Das schrieb der Martin Walser der Erika Runge 1968 in ihr Interviewbuch „Bottroper Protokolle“. Das Buch hatte er auch, nach Angaben Runges, bei Suhrkamp vermittelt. Walser selbst machte dann einen Versuch in seinem Roman „Seelenarbeit“, so etwas wie einen Arbeiter zur Hauptfigur zu machen. Aber der Chef-Chauffeur Zürn mutete doch eher an wie Martin Walser mit Fahrermütze. Runges Interviews verkauften sich rasant, ganze Schulklassen lasen sie. Sie waren auch nicht uninteressant, so wie Lebensläufe aller Art interessant sein können. Weit entfernt allerdings sind die Putzfrau Maria B. und der Verkäufer Dieter V. und die anderen von Runge Porträtierten von Walser’schen Dauerreflektierern, die viel zu fühlen, zu denken und zu sagen haben und dem Autor Spielraum geben. Oder die gerade dazu erfunden werden, Sprachrohr und Demonstrationsobjekt zu sein. Man denke nur an den „Faust“, Goethes Figur, die weit in die Literatur und in die deutschen Lande hinausstrahlte, bis heute, wenn auch schwächer werdend. Ja, bei Goethe, der am 28.8.1749 in Frankfurt geboren wurde, kamen auch keine Arbeiter vor.