Sonntag, 12. April 2015

Hegel kannte keine Regression














„Für Gary, Connie, Kevin und Darrin in der Hoffnung, daß die genetische Regression zum Mittelmäßigen ihnen nicht allzusehr mitgespielt hat!“
Diese Widmung stellt Hans Jürgen Eysenck seinem Buch „Die Ungleichheit der Menschen. Ist Intelligenz erlernbar?“, voran. 

Damit macht Eysenck auf ein merkwürdiges Phänomen aufmerksam, die Regression zum Mittelwert, die in vielen Bereichen immer wieder für Verwirrung sorgt. Wenn nämlich intelligente Eltern weniger intelligente Kinder haben, und auf Spitzenleistungen regelmäßig schlechtere Leistungen folgen. 
In Eysencks Widmung liegt also zugleich Erklärung und Trost. 
Für seinen IQ ist jeder nur teilweise verantwortlich, ein Großteil wird durch den Zufall der Genetik bestimmt. Und die wichtige Eltern-Kind-Beziehung beruht nicht auf dem IQ. Eltern sollten unbedingt diese beiden Bereiche auseinanderhalten. 

Und auch alle anderen Menschen, Lehrer und Vorgesetzte, etwa. Auf eine gute Leistung ist eine weniger gute zu erwarten. Ein Ausbilder, der eine Leistungssteigerung bei einem Schüler auf seinen Tadel zurückführt, liegt falsch. Auf eine weniger gute Leistung ist nämlich eine bessere zu erwarten. Kahneman widmet dieser Regelmäßigkeit - bei gleicher Motivationslage - ein Kapitel (Daniel Kahneman, Denken, S. 219ff.) Beide Systeme - das intuitive und überlegende - tun sich gleichermaßen schwer mit der Regression, die aber ernährt die Wettbüros gut. Insbesondere das System 1, aber auch die Überlegung des Systems 2 scheitert an einem direkten Verständnis. 
Kahneman illustriert mit einer erfundenen Schlagzeile: 
„Bei depressiven Kindern Kindern, die mit einem Energiedrink behandelt werden, verbessert sich die Stimmungslage deutlich über einen dreimonatigen Zeitraum. … Depressive Kinder sind eine Extremgruppe, sie sind bedrückter als die meisten anderen Kinder - und Extremgruppen regredieren mit der Zeit zum Mittelwert … Die Stimmungslage depressiver Kinder wird sich mit der Zeit auch dann in einem gewissen Umfang bessern, wenn sie keine Katzen streicheln und keinen Energiedrink zu sich nehmen.“ (Daniel Kahneman, Denken, S. 228f.)

Ob man auch bestimmte Zivilisationen als Extremwertgruppe betrachten kann? 












Samstag, 11. April 2015

Anker werfen und geankert werden





Was soll das Häuschen denn kosten? Die Haustür ist sehr hübsch, beste Tischlerarbeit. Gehört der BMW dazu?


Je weiter von den Basis-Trieben entfernt eine Orientierung erfolgt, desto schwerer fällt sie. Die Unsicherheit wird dann durch Anker, kognitive Anhaltspunkte, bewältigt. Zum Beispiel einfach durch Nachahmung, wie schon durch Gabriel Tarde beschrieben. Das Verhalten der Eltern wird kopiert, die Kinder erlernen die Berufe der Eltern oder anderer Familienmitglieder. Im Gehirn erfolgt durch die Wahrnehmung eine Vorbahnung (Priming), die sich durch Wiederholung verstärkt und stabilisiert. Je weniger Vorbahnung durch Erfahrung vorhanden ist, desto wirksamer sind gesetzte Anker. Bei Preisen wird inzwischen gewohnheitsmäßig ein höherer Preis durchgestrichen und ein niedrigerer Preis ausgewiesen. Das funktioniert auch bei Sachverständigen, jedenfalls bei komplexen Gütern wie Immobilien. Jedenfalls ist das ein Ergebnis bei Kahneman:
“Jeder Makler äußerte seine Meinung über einen angemessenen Preis für das Haus und den niedrigsten Preis, zu dem er das Haus verkaufen würde, wenn er der Eigentümer wäre. … Der Ankereffekt betrug 41%. Tatsächlich waren die fachkundigen Praktiker fast genau so anfällig für Ankereffekte wie BWL-Studenten ohne Immobilienerfahrung, deren Ankerungsindex 48% betrug.” (Daniel Kahneman, Denken, S. 158)
Dieses Ergebnis überrascht, und als Makler würde ich einem Psychologen nicht mehr Glaubwürdigkeit zubilligen als einem Juristen o.ä. 


Das Beispiel erinnert mich an zwei mäßig begabte Nachhilfeschüler während meiner Studienzeit, die, Vorbahnungseffekt!, in die Schuhe des Vaters aus dem Baufach schlüpften und sich, ohne einschlägiges Studium, auf die gewinnträchtige Sanierung von Altbauten spezialisierten und mit ihren Kaufangeboten an Altbaubesitzer ganz erfolgreich waren bzw. sind. Immobilienpreise sind keine einfach zu bestimmenden Preise, die Praxis dürfte eine große Rolle spielen bei der erfolgreichen Preiseinschätzung, und das müßte sich gegenüber unbedarften BWL-Studenten ohne diese Erfahrung stärker bemerkbar machen als im Unterschied von nur 7% Ankerungseffekt. Möglicherweise war der Test schlecht konstruiert, so daß der Erfahrungsaspekt minimiert wurde. Das aber würde wenig Sinn machen, denn die Kenntnis des sich stets verändernden Marktes macht den Makler wertvoll.  


















Freitag, 10. April 2015

Vorzeigeunternehmerin bei Gabriel, angeblich Wirtschaftsminister


Wie hat sie sich in den zwei Jahren als Unternehmerin verändert? Im ersten Jahr der Gründung habe es noch viele Hoch und Tiefs gegeben, erzählt Lea-Sophie Cramer. Sie habe nun zwar eine gewisse Grundsicherheit gewonnen, weil die Resonanz der Kunden so gut sei, aber „ruhiger“ sei sie nicht geworden. Sie würde immer noch wie von einer Hummel gestochen herumrennen. Kein Wunder: nebenbei ist Cramer jetzt auch noch Verwaltungsrätin der Conrad Electronic SE und „Vorbild Unternehmerin“ beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie von Sigmar Gabriel sowie Beisitzer des Bundesverbands Deutscher Startups. …” FAZ Unternehmensporträt 7.4.15

Sie meint wohl eine Wespe, denn Hummeln sind so wenig stechfreudig, daß man im Zweifel ist, ob sie überhaupt stechen können.
Mit diesem Sexspielzeug-Unternehmen ist die Zukunft des Landes zweifellos abgesichert.















Donnerstag, 9. April 2015

Aus der Metternich-Zeit oder: frisch und fromm zugestochen







Sands Hinrichtung 1819, auf der er, trotz Begnadigungsangebots, besteht.

(Bild: Wikiped.)


1819 ersticht der Burschenschafter und protestantische Theologiestudent Karl Ludwig Sand im badischen Mannheim den populären Theaterdichter Kotzebue, weil der, aus der geistig beschränkten Perspektive des Sand gesehen, sich nicht ausreichend für die deutsche Einigung einsetzt, stattdessen informationelle Beziehungen zum Zar in Petersburg unterhält. Kotzebue gilt den Burschenschaftern als russischer Spion. 


Der Vater des genialen Erfinders Karl Drais, Karl Wilhelm Ludwig Friedrich von Drais Freiherr von Sauerbronn, verurteilt als Hofrichter den frommen Mörder Drais zum Tode. Danach stellen Burschenschafter dem völlig unbeteiligten, demokratisch gesonnenen Sohn Drais nach und verüben einen Mordanschlag auf ihn, dem er aber entkommt und der daraufhin zeitweilig nach Brasilien flieht. 


Mittwoch, 8. April 2015

Die Statistik ist beliebt











Halsbandsittiche über den Autos der Kö und auf Augenhöhe mit den Schornsteinen - hier bin ich Sittich, hier geht’s mir gut.
Ja, und deswegen erhöht sich auch die Lebenserwartung der Menschen selbst im stinkigen Köln ständig.


Wo läßt man sich am besten nieder, wenn man an die Gesundheit denkt? In städtischen Verdichtungsräumen eher nicht, da stehen die Heizthermosthate auf 25°C. Auf dem Land ist es bestimmt gesünder, da wird ein Pullover angezogen. Daher leuchtet es ein, daß zum Beispiel die Nierenkrebsrate in denjenigen Counties der USA am niedrigsten ist, die dünn besiedelt sind. Gesunde Umwelt, gesunde Menschen, Wald und Wiese.

Oder liegt es daran, daß dort stärker republikanisch gewählt wird? Gesunde Umwelt, gesunde Politik, gesunde Nieren?

Stutzig macht, daß diese Landkreise zugleich aber auch die höchste Nierenkrebsrate aufweisen. Wenn man darüber nachdenkt, könnte man zu dem Schluß gelangen, daß es an der niedrigen Zahl von Museen und Universitäten dort liegen könnte und an den fehlenden Straßenbahnen.

Man merkt langsam, warum Statistik bei den Greenpeacern so beliebt ist. Denn die beiden scheinbar widersprüchlichen Befunde aus der Untersuchung von über 3000 Counties beruhen auf der Statistik der kleinen Zahlen. Je kleiner die Stichproben, desto mehr Extremwerte kommen vor. Der manisch nach Kausalitäten suchende Mensch geht fehl, er findet hier keine Kausalität. Es gibt keine. Und deswegen kann man mit Statistiken so gut betrügen.
Wie Daniel Kahneman aus der eigenen Praxis berichtet, sind auch Statistiker und Statistiklehrer nicht gegen solche Fehler der kleinen Stichprobe gefeit. Was nicht gerade beruhigt.
(Daniel Kahneman, Denken, S. 139ff.)

Übrigens schmuggelt Kahneman so diese und jene Beeinflussung in sein Buch. Er hält er es zum Beispiel mit den Delphinen, während ihm die Fliegenden Fische und all die anderen mittelgroßen Fische, die von den Delphinen gefressen werden, völlig piepegal sind. „Finanzhaie“ mag er nicht, die „alte Menschen ausnehmen“, (diese pösen Banker!), dagegen bemitleidet er  „ölverschmierte Seevögel“, und bei ihm kandidieren stets Frauen - will er Hillary Clintons Kandidatur befeuern  zur Unterstützung der Delphine? 
Kahneman scheint seine Stereotypen aus einer Wahlkampfbroschüre der Demokratischen Partei zu beziehen. 
Nobody ist eben perfect.