Samstag, 4. Juni 2016

Reislamisierung


Nebenbei:

Die Reislamisierung begann schon 1928 durch die Gründung der ägyptischen Muslim-Brüderschaft durch Hasan al-Banna. Einen starken Impuls erhielt sie 1979 durch den Sturz des persischen Schahs und die Errichtung einer theokratischen, totalitären Diktatur durch Khomeini. Selbst in der laizistischen Türkei nahmen hinfort die Bezüge auf den Islam zu, durch Politiker wie Özal, durch die Zunahme der Kopftücher selbst in Istanbul. 
Der Sieg der islamistischen AKP in Ankara, die 2002 die Wahl gewann, war ein weiterer Meilenstein der Reislamisierung. Seitdem baut Erdogan, der zunächst nicht Ministerpräsident werden konnte, weil er wegen eines Kampfaufrufs („Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Minarette sind unsere Bajonette … die Moscheen sind unsere Kasernen.“ Wiki.) 1998 zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden war, die Türkei zu einem islamistischen Staat um mit dem Ziel einer islamischen Verfassung und einem rigiden Präsidialsystem. 


Natürlich stehen auch die Taliban und al-Kaida etc. für die breite Ausstrahlung der Reislamisierung von Marokko bis Indonesien, von Neukölln und Godesberg bis Mali.




















Anouar Brahem - oud (arabische Laute) François Couturier - piano Jean-Louis Matinier - accordion Eine sehr melancholisch anmutende Musik. /// Anouar Brahem - Le Voyage De Sahar

Gute Frage


Johann Wolfgang Goethe

Goethe über sich selbst
Vom Vater hab ich die Statur,
des Lebens ernstes Führen,
vom Mütterchen die Frohnatur
und Lust zu fabulieren.
Urahnherr war der Schönsten hold,
das spukt so hin und wieder;
Urahnfrau liebte Schmuck und Gold,
das zuckt wohl durch die Glieder.
Sind nun die Elemente nicht
aus dem Komplex zu trennen,
was ist dann an dem ganzen Wicht
original zu nennen?










Donnerstag, 2. Juni 2016

Man mußte erst den Aristoteles und die Hokus-Pokus-Sumser überwinden




Anthonie van Leeuwenhoek (1632-1723), der Mikroskopierer. Natuurkundige te Delft, Gemälde von Jan Verkolje, (Wikip.)




Aristoteles, Physik, Buch 1,  1. Kap.

„[1] Da das Wissen und das Erkennen hinsichtlich aller der Gegenstände, die Ihre Anfänge, Ursachen und Gründe haben, auf der Erforschung dieser beruht, (denn dann glauben wir etwas zu kennen, wenn wir seine ersten Ursachen erforscht haben und seine ersten Anfänge, und bis zu den Grundwesen), so ist klar, daß auch bei der Naturwissenschaft zuerst versucht werden muß, Bestimmungen zu geben über die Anfänge. Es geht aber unser Weg von dem, was uns verständlicher ist und deutlicher, nach dem von Natur Deutlicheren und Verständlicheren. Denn nicht dasselbe ist für uns verständlich und an sich. Darum ist es nothwendig, auf diese Art fortzuführen von dem, was von Natur undeutlicher, uns aber deutlicher ist, zu dem von Natur Deutlichern und Verständlichern. Nun ist uns zuerst klar und deutlich das mehr Zusammengesetzte; nachher werden aus diesem verständlich die Anfänge und die Grundwesen, durch Zerlegung von jenem. Deshalb muß man von dem Allgemeinen zu dem Besondern fortgehen. Denn das Ganze ist für den Sinn verständlicher; das Allgemeine aber ist eine Art von Ganzem, denn es enthält dieses Allgemeine ein Vieles, als Theile. In demselben Falle befinden sich gewissermaßen auch die Worte, im Verhältnis zum Begriffe.[1] Sie bezeichnen nämlich ein Ganzes auf unbestimmte Weise; z.B. der Kreis. Die nähere Bestimmung erst zerlegt sie in ihr Besonderes. Auch die Kinder nennen ja zuerst alle Männer Vater, und Mutter die Frauen; später aber fangen sie an, bei beiden zu unterscheiden.”

Der Junge hatte wohl keine Kinder. Hatte immer sein philosophisches Gesumse im Kopf. Statt sich konkret den Gegenständen zu nähern und - nach Art der Kinder - sie auf den Boden zu werfen, daran zu lutschen, hineinzubeißen, darauf zu treten und sie auseinanderzunehmen - kurz, statt sich explorativ zu verhalten, beginnt er herumzusumsen.
Kindisch, sowas. Daß das den Hokus-Pokus-Sumsern gefallen hat, der Scholastik, dem Albertus und seinem Hokus-Pokus-Schüler Thomas von Aquin, ja, das leuchtet ein. Die Aufklärung mußte dieses Denk-Gesumse abräumen und das Mikroskop erfinden, die Fallgesetze finden, den Blutkreislauf entdecken und das Einwecken (Sterilisieren) entwickeln. Und noch so einiges mehr wie die Narkose.













Mittwoch, 1. Juni 2016

Wie Wolken entstehen

Mehr Wolken, weniger Erwärmung - wie man heute bei 15°C gut fühlen kann. Je dicker die Wolkendecke, desto größer fällt dieser Effekt aus. Alles fängt klein an, auch die Wolken - daher forscht man auch am CERN zur Wolkenentstehung (siehe den Film unten).
"Die Webplattform Wissenschaft aktuell erläuterte die Ergebnisse zu den kosmischen Strahlen wie folgt:
Auf die künstliche Atmosphäre lenkten die Forscher einen Strahl positiv geladener Teilchen, sogenannter Pionen, den sie mit einem Proton-Synchrotron erzeugten. Damit simulierten sie den Einfluss kosmischer Strahlung, die stetig in die Erdatmosphäre eindringt. Dieser Teilchenbeschuss brachte die organischen Moleküle dazu, sich zu etwa zwei Nanometern kleinen Partikeln zusammenzuballen. Weitere Messungen belegten, dass diese Partikel in Gegenwart flüchtiger organischer Substanzen weiter wuchsen, um effiziente Kondensationskeime zu bilden. Parallel untermauerten die Forscher diesen Mechanismus mit Computermodellen.
Angesichts der Bedeutung der neuen Ergebnisse, wollen wir weitere Pressemitteilungen und Medienberichte hierzu anschauen. Die Universität Frankfurt gab am selben Tag die folgende Meldung heraus. Im ersten Absatz wird die Relevanz der Studien gut zusammengefasst:
Wolken und Klima in der vorindustriellen Zeit
Die durch den Menschen verursachten Aerosolpartikel wirken der Erwärmung der Erdatmosphäre durch Treibhausgase entgegen. Doch ist dieser Effekt vielleicht kleiner als gedacht, da auch schon in vorindustrieller Zeit durch die Ausdünstungen von Bäumen viele Partikel entstanden. Das folgt aus einer Untersuchung am internationalen CLOUD-Experiment, an dem Atmosphärenforscher der Goethe-Universität maßgeblich beteiligt waren. Die Ergebnisse erscheinen heute in Form von drei Publikationen in den renommierten Fachzeitschriften „Science“ und „Nature“.
In vorindustrieller Zeit kühlte der Duft üppiger Pinienwälder die Atmosphäre, denn Pinien sondern organische Verbindungen ab, die zur Wolkenbildung beitragen. Insofern kompensieren die durch den Menschen verursachten Aerosole den Treibhauseffekt vermutlich nicht so stark, wie bisher angenommen.
„Diese Ergebnisse sind die wichtigsten, die bisher an der CLOUD-Kammer am CERN erzielt worden sind“, betont der Sprecher des CLOUD-Experiments, Jasper Kirkby, Honorarprofessor an der Goethe-Universität: „Berücksichtigt man in Zukunft die Entstehung und das Wachstum rein organischer Aerosolpartikel bei der Entwicklung von Klimamodellen, dürfte das wesentlich dazu beitragen, den Einfluss menschlichen Handelns auf die Wolken und das Klima besser zu verstehen.“
Prof. Joachim Curtius vom Institut für Atmosphäre und Umwelt an der Goethe-Universität ergänzt: „Wir gehen davon aus, dass der jetzt entdeckte Prozess dazu führt, dass wir die Wolkenbildung in früheren Zeiten neu bewerten müssen, da es mehr Partikel gegeben haben müsste als bisher angenommen. Der Unterschied zum heutigen Zustand würde dann geringer ausfallen als bisher gedacht.“
Das CLOUD-Experiment untersucht, wie sich neue Aerosolpartikel in der Atmosphäre bilden und welchen Einfluss sie auf das Klima haben. Nehmen die Aerosolpartikel zu, wie es durch menschliche Aktivitäten der Fall ist, wird mehr Sonnenlicht reflektiert und die Wolken werden heller, weil sich mehr Wolkentröpfchen bilden. Um diesen kühlenden Effekt durch anthropogene Einflüsse abschätzen zu können, müssten die Aerosolmengen aus der Zeit vor der Industrialisierung bekannt sein. Da diese durch direkte Messung nicht zugänglich sind, werden sie durch zuverlässige Laboruntersuchungen wie dem CLOUD-Experiment simuliert und in Klimamodellierungen berücksichtigt.
In vorindustrieller Zeit trugen vor allem die von Bäumen abgesonderten organischen Verbindungen zur Aeorosolbildung bei. Die Forscher untersuchten alpha-Pinen, eine Substanz, die Pinienwäldern den charakteristischen angenehmen Duft verleiht. Sie gehört zu den wichtigsten biogenen Emissionen. Alpha-Pinen wird in der Atmosphäre durch Ozon schnell oxidiert und in nachfolgenden Reaktionsketten entstehen dabei auch einige extrem schwerflüchtige Substanzen. Sie treten aber nur in sehr geringen Mengen von etwa 1 Molekül pro 1 Billionen Luftmoleküle auf.
Die CLOUD-Experimente zeigen, dass sich aus den extrem schwerflüchtigen organischen Verbindungen sehr effizient neue Partikel bilden. Dieser Prozess läuft unter Atmosphärenbedingungen ab, auch ohne Beteiligung von Schwefelsäure. Bisher ging man davon aus, dass Schwefelsäure an der Partikelbildung in der Atmosphäre nahezu immer beteiligt ist. Schwefelsäure stammt in der Atmosphäre hauptsächlich aus Schwefeldioxid, das aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe stammt.
Weiterhin haben die Forscher herausgefunden, dass Ionen aus der kosmischen Strahlung die Bildung der organischen Partikel erheblich verstärken – um einen Faktor 10-100 im Vergleich zur Partikelbildung ohne Ionen, solange die Konzentrationen der partikelbildenden Gase niedrig sind. „Unsere Untersuchungen zeigen weiterhin, dass diese schwerflüchtigen organischen Substanzen auch in unverschmutzter Umgebung das Wachstum der Partikel dominieren – und zwar über den ganzen Größenbereich von Clustern aus wenigen Molekülen bis hin zu Partikelgrößen von 50-100 Nanometern, die groß genug sind, um als Wolkenkeime dienen zu können“, erklärt Joachim Curtius. Die Wachstumsraten nehmen zu, je größer die Partikel werden, da immer mehr Oxidationsprodukte, auch solche mit höherer Flüchtigkeit, an den größer werdenden Partikeln kondensieren können. Dieser Prozess wird quantitativ mit einem Kondensations-Modell für die verschiedenen organischen Substanzen beschrieben."

http://www.kaltesonne.de/cern-cloud-projekt-kuhleffekt-anthropogener-aerosole-offenbar-geringer-als-gedacht-klimaprognosen-mussen-nach-unten-korrigiert-werden/