Sonntag, 9. Mai 2021

Begreifen und Erkennen



Bei dieser Darstellung eines schweren Räderpflugs (Brockhaus) sind wir schon lange heraus aus dem Mittelalter und schon in Renaissance und Reformationszeitalter. Drei Pferde mit Kummet ziehen das Gerät durch den schweren Boden, sie sind kräftiger und schneller als zwei Ochsen - und auch der Bauer leistet beim Niederdrücken des Pfluges Schwerstarbeit. 

Wie mag die Entwicklung dieses Geräts vonstatten gegangen sein? Die Schriftkundigen waren zu weit weg vom Pflügen, Mönche kopierten lieber zum tausendsten Mal einen Bibeltext als technische Zeichnungen anzufertigen. Aber der Bauer und der Schmied machten sich Gedanken zur Verbesserung des einfachen Hakenpflugs, sie arbeiteten mit dem Pflug, sie >begriffen< es, sie konnten es >begreifen<, und das Begreifen ist ein Tor zum Erkennen und Verbessern. 

Samstag, 8. Mai 2021

Pflug und Schiff

 Mit dem Wendepflug fing Europas Sonderentwicklung an, oder zumindest war er am Anfang dabei, weil er für die schweren Böden im europäischen Norden mehr Ertrag brachte. Man kann die deutsche Ostexpansion der Hanse in diesem Zusammenhang sehen, die mit der (Neu-)Gründung Lübecks 1159 begann. 

Schon früher, im 10. Jahrhundert, begann die italienische Ostexpansion - ohne das agrarische Fundament des Nordens. Amalfi und Venedig waren die Vorreiter, die Rivalen und Gegner Pisa und Genua folgten. Schiffstechnik und Handelsgeist erbrachten hier die Vorteile. Dieses Muster war bereits im antiken Athen erfolgreich gewesen. Auch in Norditalien waren es Städte, die diese technisch fundierte Entwicklung hervorbrachten. Der Schiffsbau erfordert versierte Handwerker. Das wärmere Klima Norditaliens erbrachte eine frühere Urbanisierung, die die Stadtrepubliken mit ihrem offeneren Bürgergeist sich früher entwickeln ließ als der Norden und auch gegenüber Konstantinopel mit seinem sprichwörtlichem Byzantinismus potenter machte. 

Die mittelalterliche Warmzeit half mit zeitlicher Verzögerung auch den Nordfranken auf’s Fahrrad.


Donnerstag, 6. Mai 2021

Schottland wählt

“Die Einwanderung anglofranzösischer und anglonormannischer Ritter auf Einladung des schottischen Königshauses ist in diesem Zusammenhang besonders eingehend studiert worden. Die Formen, die das Lehenswesen dabei erhielt, legen den Schluß nahe, daß es sich hier um eine bewußte und vollständige Übernahme handelte: 

‘Es sieht ganz so aus, als sei der schottische Feudalismus schon in seiner Frühzeit …  bemerkenswert fertig gewesen, fast eine genaue Kopie des nordwesteuropäischen Lehnssystems.’ 

In Clydesdale wurden solche ‘fix und fertigen’ Lehensgüter an eine Gruppe flämischer Immigranten vergeben.

Auch den Zeitgenossen entging die radikale Umformung der schottischen Gesellschaft durch Import ausländischer Ritter nicht.”*


Das waren sehr fühlbare Entwicklungen, zumal auch Vertreibungen der eingesessenen Schotten für die benötigten Lehen stattfanden. Die schottischen Monarchen waren auf die Mehrung ihrer Macht bedacht, nicht auf die die Entwicklung der barbarischen Pikten.

Die dynastische Union mit England war für beide Länder befriedend. Die Beiträge von Schotten zur englischen Kultur von John Knox bis Adam Smith waren (und sind) bedeutend. Calvin wirkte über Schottland in England. Und natürlich waren Thomas Reid und David Hume Schotten. 

Schottland wählt hoffentlich richtig.     


*Bartlett, “Die Geburt Europas aus dem Geist der Gewalt”, S. 71


Mittwoch, 5. Mai 2021

Klimaschau #34: Sind Dürren in Mitteleuropa wirklich häufiger geworden?

Die meisten Studien scheinen ihr teures Geld nicht unbedingt wert zu sein. Klar aufweisbar sind dagegen die besseren Ernteergebnisse durch mehr CO2 in der Luft.

Montag, 3. Mai 2021

Was denn nun?

Was bei Mitterauer (“Warum Europa?) ein Unterpfand des europäischen Entwicklungserfolgs ist, erscheint bei Bartlett als ein ökologisches Problem: DIE VERGETREIDUNG der Landwirtschaft. Gut, das Roggenbrot ernährte verläßlich mehr Menschen. Aber die schönen Bäume waren weg! Die hatte der böhmische König als höchste Zierde Böhmens in den höchsten Tönen gelobt. Der König jagte gern, da waren ihm die Felder ein Ärgernis. Jedesmal, wenn er sie mit seinen hundert Jagdkumpanen kaputtritt, schrieen und klagten die albernen Bauern. Und Hunger brauchte er nicht zu leiden, seine Vasallen und deren Bauern lieferten reichlich, und dazu kam noch das Wildbret aus seiner Lieblingsbeschäftigung. Und wie war das mit der Verzwergung? Diese “Getreidemonokultur” machte die kleinen Leute noch kleiner! 

“Ebenso hat man eine merkliche Verringerung der durchschnittlichen Körpergröße der Bevölkerung um etwa 5 cm zwischen dem frühen und dem späten Mittelalter als Folge veränderter Ernährungsgewohnheiten deuten wollen, resultierend aus der Forcierung von Ackerbau und Getreidewirtschaft. Beim Ackerbau werden mehr Kalorien pro Hektar Land erzeugt als bei der Weidewirtschaft oder bei Jägern und Sammlern, und deshalb läßt sich mit Ackerbau eine größere Bevölkerung ernähren; doch ist diese Bevölkerung oft nicht besonders gesund oder auch körperlich nicht sehr stark entwickelt, und die Abhängigkeit von einer einzigen Nahrungsquelle kann sogar gefährliche Ausmaße annehmen.”*

Da haben wir’s. 

Ich denke, das ist Obelix aus tiefstem Herzen geschrieben, er ist ja selbst ein Paradebeispiel für Wildschweinbraten ohne Brot und 10 cm größer. 

  

*Bartlett, “Die Geburt Europas aus dem Geist der Gewalt”, S. 192