Samstag, 9. April 2022

Pink Floyd - Hey Hey Rise Up (feat. Andriy Khlyvnyuk of Boombox)

Well done.

Die Wehner-Partei

Die Wehner-SPD war eine gefährliche Partei, sie war mit ihrem marxistischen Erbe - personifiziert in Herbert Wehner - die Verbündete Moskaus. Sie stand gegen ein freies, unabhängiges Deutschland, sie stand für Verstaatlichung, Regulierung und Moskaufreundlichkeit, sie kämpfte gegen Adenauer und Erhard, die Garanten für Westbindung und Wohlstand. Antiamerikanismus blieb in ihrem Denken wirkungskräftig. Brandt konnte allerdings die Moskaufraktion unter Führung des Moskaurückkehrers Wehner zurückdrängen und 1958 das Godesberger Programm verabschieden, das den linksextremistischen Marxismus verabschiedete. Gleichwohl blieb die Wehnergruppe ungeschlagen, Wehner konnte ausgerechnet in Moskau 1973 die Rivalität zu Brandt neu beleben: “Die Äusserungen, die Wehner bei seiner Russlandreise im Herbst 1973 über Brandt abgab («Der Herr badet gern lau»), können mitgespielt haben, als Brandt im Mai 1974 unter dem Eindruck der Affäre um den DDR-Spion Günter Guillaume seinen Rücktritt erklärte.” (NZZ 22.07.2006)

Die Affinität zu Moskau feierte mit Gerhard Schröder fröhliche Urstände, die bis heute lebendig sind, man lese nur Klaus von Dohnanyis neues Buch. Merkel hat mit der Linksverschiebung der CDU die Abhängigkeit von Moskau auf einen Höchststand geführt. Der Überfall auf Vilnius wurde in der deutschen Außenpolitik nicht weiter beachtet.

Mittwoch, 6. April 2022

Totalitarismus

Im SPIEGEL und in der ZEIT kam Hannah Arendt in der 60er Jahren oft vor, ihr Bericht vom Eichmann-Prozeß, DIE BANALITÄT DES BÖSEN, wurde meiner Erinnerung nach im SPIEGEL abgedruckt. Und ELEMENTE UND URSPRÜNGE TOTALER HERSCHAFT von 1955 spielte lange eine größere Rolle. Den Linken ging es gegen den Strich, daß Arendt den Leninismus-Stalinismus auf eine Stufe stellte mit dem Faschismus-Nationalsozialismus und unter ‘Totalitarismus’ subsumierte. Das war allerdings ihre spezielle Leistung, denn die Elemente der Herrschaftsausübung bei sonstigen Unterschieden gleichen sich. Die Ursprünge in der “Massengesellschaft” und der “allenthalben zunehmendende Verlassenheit” zu sehen, das hat sich jedoch als Irrtum herausgestellt.


Dienstag, 5. April 2022

Respekt


Wenn man Hannah Arendts VITA ACTIVA zur Hand nimmt, dann begibt man sich in eine Denkwelt der Vergangenheit. “Weltlosigkeit”, “Verlassenheit des Massenmenschen” und dergleichen atmen eine vergangene Diskussion, wenn auch der alte Adam sich in manchem gleichgeblieben ist. “Respekt” kommt auch vor: “So ist ja offenbar der moderne Respektverlust, bzw. die Überzeugung, daß wir Respekt nur schulden, wo wir bewundern oder schätzen, ein deutliches Zeichen für die fortschreitende Entpersonalisierung des öffentlichen und gesellschaftlichen Lebens.”*

Das dürfte ein Irrtum sein. Der Rückgang des Respekts hängt als verbreitetem Phänomen mit der zunehmendem Gleichheit zusammen und dem Niedergang des Adels, mit dem Übergang von verbindlicher Schichtung der Gesellschaft zu einer Gesellschaft der Chancengleichheit und Funktionssysteme. Der Rapper ohne Ausbildung kann mit seinen Millionen Unternehmer werden und seine Frau Berühmtheitskönigin mit eigenem Millioneneinkommen. Und schon zuvor wurden Monarchen gestürzt und die Rockefellers und Carnegies besetzten die freigewordenen Plätze. Heute sind viele so respektlos wie seinerzeit nur wenige, so respektlos etwa wie ein Luther, der den Papst “eine Sau” nannte.

*
Hannah Arendts, VITA ACTIVA, 1957, Piper S. 238

Montag, 4. April 2022

Wie’s so kommt

Man kann die Bewegung als solche schätzen und von ihr Positives erwarten. Das war bei Hannah Arendt 1968 wohl der Fall, denn sie begrüßte die SDS-Bewegung. Aus der sich dann Figuren wie Dutschke und Meinhof erhoben, beide intelligent und denkfreudig. Diese Eigenschaften trieben sie zur Besserwisserei - bei riesigen Kenntnisdefiziten - und dann zur Neigung zu Gewalt, Mord und Totschlag. In einer anderen, auch politischen Sphäre, gilt das ähnlich auch für Dugin und Putin: intelligent und denkfreudig. Die Epigonen der SDS-Bewegung wie Schröder, Scholz und Steinmeier sind heute konfrontiert mit den Folgen ihrer Denkfrüchte von damals und Dugin und Putin.

Ähnliche Betrachtungen müssen Pascal zu folgenden Gedanken angeregt haben: 
“Wenn ich mich zuweilen damit beschäftigt habe, die vielgestaltige Unrast der Menschen zu betrachten, die Gefahren und Mühsale, denen sie sich aussetzen … habe ich entdeckt, daß das ganze Unglück der Menschen aus einer einzigen Ursache kommt: nicht ruhig in einem Zimmer bleiben zu können.”
(Pascal, Gedanken, Dieterich Nr. 178 (136))
- "... daß der Mensch die überspanntesten Meinungen leicht annehmen kann" Pascal (1623 - 1662), Gedanken (33/374)

Pluralität wurde von der Studentenbewegung als “bürgerlich” diffamiert, auch im persönlichen Bereich.