Samstag, 14. Februar 2009

Klimaflattern, Markl, Spiegelneuronen, Nachahmung


- Weiter Frostwetter; wo befinden wir uns eigentlich "innerhalb der seit über 100.000 Jahren aktiven, flattrigen Klimazyklen, die sich bei ständig verringerndem, unter dem heutigen Wert liegendem atmosphärischen Kohlendioxid abgespielt haben" ? (Manfred J.W. Müller, Klimalüge?, 1997, S. 120)

- Markl, Vom Nutzen der Vergängnis und des Zufalls, FAZ 11.2.09: Ein sehr straffer, zielgerichteter Artikel, substantiell. Auf das Konzept der MEME geht er nicht ein, davon scheint Markl also nichts zu halten. Da die kulturelle Evolution durch ihre Umschlaggeschwindigkeit sehr wirkungsmächtig geworden ist, fragt es sich doch, ob nicht die Emergenz von immer wieder gleichartigen o.ä. Denkfiguren es sinnvoll erscheinen läßt, eine wie immer geartete MEMETIK anzunehmen. Allerdings kann man vielleicht sämtliche Strategeme wie NEID alias GERECHTIGKEIT ohne Probleme an Darwins "Nature is at war" anschließen, also an alle Machtphänomene, wie sie sich schon früh in der Geschwisterkonstellation einstellen; man könnte dann das Reich der Technik und der Märkte als genuin kulturell auffassen, da offenbar nur die Disposition zum Werkzeuggebrauch erblich zu sein scheint, das Momentum der Werkzeugentwicklung aber kulturell gelagert ist, ebenso wie die Arbeitsteilung und der darauf aufbauende Austausch von Produkten aller Art (auch Feuilletonmachwerke) auf Märkten. Die kompetitive Marktkulturwirtschaft erschiene dann als das bisher höchste Stadium der Kultur.

- de Tarde, Gesetze der Nachahmung: Differenzierung und Nachahmung : Nachahmung scheint dominierend in Vergesellungen höherer Säugetiere und in allen Subsystemen zu sein - sagte der Meister Luhmann dazu etwas?

- "Life's but a walking shadow; a poor player,
That struts and frets his hour upon the stage,
And then is heard no more: it is a tale
Told by an idiot, full of sound and fury,
Signifying nothing."
Macbeth V,5

Freitag, 13. Februar 2009

Anke Schmeink, Studie in islamisch-orientalischer Kultur


Anke Schmeink

Morsal O.

- Erfreulich: Jun.-Prof. Dr.-Ing. Anke Schmeink , Jahrgang 1979, Junges Kolleg, Akademie der Wissenschaften NRW: "
Im Anschluss an ihre Promotion arbeitete Frau Schmeink als Research Scientist bei den Philips Technologie GmbH Forschungslaboratorien im Bereich Medizintechnik mit Forschungsschwerpunkt in der medizinischen Signalverarbeitung, Entwicklung von Sensorlösungen und Datenerfassungsmethoden. Ihre gegenwärtigen Forschungsinteressen liegen im Bereich der Informationstheorie, spieltheoretischer Anwendungen in der Kommunikation und Modellierung, Optimierung und Planung von drahtlosen Netzen. Ein neues Forschungsgebiet von Anke Schmeink ist die Anwendung informationstheoretischer Methoden in der Molekularbiologie. ..."

MOTTO: ”Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.“
Samuel Beckett

http://develop.servicesite.de/akdw/index.php?option=com_content&task=view&id=319&Itemid=

- Foucaults verehrter Herr Chomeini hätte Ahmad-Sobair O. eine Belobigung ausgesprochen : 'Urteil im „Ehrenmord“-Prozess. Lebenslange Haft für Morsals Bruder.
13. Februar 2009 Wegen eines sogenannten Ehrenmordes an seiner Schwester Morsal ist der 24 Jahre alte Ahmad O. aus Hamburg zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Der gebürtige Afghane hat nach Überzeugung des Hamburger Landgerichtes seine 16 Jahre alte Schwester Morsal im Mai vergangenen Jahres auf einem Parkplatz mit 23 Messerstichen ermordet, um die aus seiner Sicht beschädigte Ehre der Familie wiederherzustellen. ... Der Vater muss sich demnächst selbst wegen Prügel an Morsal vor Gericht verantworten. ... Der Vater beschimpfte und bedrohte auch die anwesenden Journalisten. Bereits zuvor war es im Gerichtssaal zu heftigen Tumulten gekommen. Immer wieder hatten die Familienmitglieder gegen das Sicherheitsglas gehämmert, das den Zuschauerraum abtrennt. Während der gesamten Urteilsbegründung war heftiges Schluchzen zu hören, immer wieder gab es Zwischenrufe. Ein jüngerer Bruder des Angeklagten musste später abgeführt werden, weil er das Gericht anpöbelte. Auch der Angeklagte selbst beschimpfte das Gericht heftig und warf einen Papierstapel zum Richtertisch.' FAZ // Auf dem Flur griff die Familie handgreiflich Journalisten an und zertrümmerte Kameras. Eine eindringliche Studie in islamisch-orientalischer Kultur.

-Wer wie der Finanzminister Zugriff auf die Taschen von 82 Mio. Bürgern hat, kann immer neue Schulden aufhäufen und braucht kein Eigenkapital und wird nicht insolvent ... kann andere Leute fälschungsfreundliche und alberne Abwrackprämien zahlen lassen ...
- Wenn eine Krise eintritt, kann man sie in jedem Fall durch pausenloses Geschwätze doppelt groß reden, so daß alle ihre Investitionen hinausschieben und erst einmal abwarten, was wirklich kommen mag.

- "... Regierung und Kongress in Washington eilen dem Finanzsystem und der Wirtschaft mit Hunderten von Milliarden zu Hilfe. Was halten Sie von den Plänen?
Es ist verständlich, dass nun alles darangesetzt wird, Arbeitsplätze zu sichern und neue zu schaffen. Wichtiger aber sind grundlegende Veränderungen in unserem Finanzsystem.
Woran denken Sie?
Wir müssen die Finanzmärkte ausweiten, nicht stutzen. Viele Leute geben den Märkten die Schuld an dem Schlamassel. Das ist nicht richtig. Aber wir müssen die Märkte mehr als bisher in den Dienst der Menschen stellen. Es wäre beispielsweise sehr hilfreich, wenn man sich gegen Hauspreisrisiken absichern und auch eine negative Einschätzung dadurch zum Ausdruck bringen kann, dass man auf fallende Hauspreise wettet. Denn wenn es nicht möglich ist, einen Markt zu „shorten“, dann hat dieser Markt keine Disziplin. ..." Robert Shiller, „Die Märkte in den Dienst der Menschen stellen“
, FAZ 11.2.09

Donnerstag, 12. Februar 2009

Eine niedrigere Besteuerung stützt die Konjunktur am besten. Es wird gewettet.


Darwins Geburtshaus

Die Haselnuß blüht auch bei Frost (-2 bis +2°C, Schneeschauer)

- Eine niedrigere Besteuerung stützt die Konjunktur am besten. Die Autos vielfach zu verteufeln und mit vielen Steuern zu belegen und dann den Absatz über eine Abwrackprämie ankurbeln zu wollen, die zur Hälfte bei ausländischen Herstellern landet, das ist keine kluge Politik. "Deswegen ist die Kraftfahrzeugsteuer ein Luxus, auf den man besser verzichtet hätte - wie vermutlich auch auf das gesamte Konjunkturpaket." Die neue KFZ-Steuer. Von Manfred Schäfers. 28. Januar 2009 FAZ "Bei der Kraftfahrzeugsteuer spielt es keine Rolle, ob das Gefährt als Schaustück in der Garage steht oder täglich bewegt wird. Für die Umwelt ist genau das entscheidend."
- LB Ökoreligiöse Verblendung und Volksverdummung II
Bertram von Steuben
Herr Schäfer schrieb auch :>>Mit der neuen Kraftfahrzeugsteuer werden große Wagen stärker belastet als kleine; das war so, das wird so bleiben>> und hier liegt das nächste Problem der letzten Regierung(en!): mangelde Kontinuität. Wie lange wird das denn so bleiben? Bis sich wieder alle der Steuergegebenheiten angepasst haben? All sich 'steuerkonform' haben lenken lassen? Dann wird wieder umgebaut um die 'Masse' höchst besteuern zu können, die sich bis dahin 'vernünftig' verhalten hat? Wir erinnern noch dunkel die dreijährige Steuerbefreiung für Diesel in den 80ern. Weil die so schön sparsam waren! Als eine große Masse sich zum Kauf eines Diesels hat lenken lassen, wurde er in die Höchstbesteuerung katapultiert.Die Finanzminister grinsten und der Autofahrer hatte einen schockierenden Wertverlust, weil keiner diese 'Stinker' mehr haben wollte- Trotz der Sparsamkeit. Ihr geniales Fazit: >>Deswegen ist die Kraftfahrzeugsteuer ein Luxus, auf den man besser verzichtet hätte - wie vermutlich auch auf das gesamte Konjunkturpaket<< hätte eigentlich in riesiger, Fettschrift ausgereicht um diese verkrüppelte Verordnung zu beschreiben.

- "Allensbach-Analyse
Erfolgsgeschichte Bundesrepublik
Kurz vor der Gründung des neuen Staates 1949 erwarteten die Deutschen nur wenig von der Bundesrepublik. Heute blicken sie zufrieden auf die vergangenen 60 Jahre zurück. Von Ostalgie ist nichts zu spüren. ... Adenauer und Brandt die wichtigsten Politiker.
Bei einer anderen Frage wurden die Befragten aufgefordert, sich vorzustellen, sie sollten ein Wachsfigurenkabinett einrichten, in dem die bedeutendsten Politiker der letzten 60 Jahre ausgestellt werden. Aus einer Liste mit 28 Namen konnten sie diejenigen auswählen, die ihrer Ansicht nach unbedingt ausgestellt werden sollten. Als einziger Politiker der ersten Generation wurde Konrad Adenauer von einer Mehrheit ausgewählt. Er kam mit 67 Prozent an die erste Stelle, gleichauf mit Willy Brandt.
Gleich darauf folgt Helmut Schmidt, genannt von 66 Prozent. Man kann annehmen, dass sich hier auch die starke Medienpräsenz Schmidts in den letzten Wochen anlässlich seines 90. Geburtstags widerspiegelt. Für Helmut Kohl entschieden sich 60 Prozent, für Hans-Dietrich Genscher 51 Prozent. Ludwig Erhard folgt, genannt von 44 Prozent, erst an siebter Stelle, gleichauf mit Angela Merkel. Lediglich etwas mehr als ein Drittel entschied sich für Theodor Heuss, Kurt Schumacher wählten nur 15 Prozent der Befragten aus. ... " FAZ.NET 28. Januar 2009 // Erfolg desorientiert.
- LBEine Republik ohne Bewährungen, Verantwortung und Gefahren...
Harry LeRoy (Cimon)
Allzu schnell sollte man die zweite deutsche Republik nicht in den Himmel loben: Denn im Vergleich zur ersten – welche restlos versagte, bei der Wiederherstellung der deutschen Machtstellung in Europa, dem Umsturz des Versailler Diktates und nicht zuletzt [was dann entscheidend wurde] bei der Selbstbehauptung gegen ihre inneren Feinde [Kommunisten, Nationalsozialisten und dergleichen mehr] – stand sie unter der Kuratel der westlichen Besatzungsmächte, die sich zu Verbündeten im Kalten Krieg wandelten; hinzu kommen die 60 Jahre Frieden und Wohlstand durch den atomaren Frieden und die Einbindung in den bürokratischen EU-Moloch; man wird also sehen, ob sich dieser Staat – wenn er sich nicht mehr im Schatten der amerikanischen Macht ausruhen kann – schlagen wird; allerdings lässt die gegenwärtige politische Landschaft hier nichts Gutes hoffen. Hinzu kommt, dass ein langer Frieden und üppiger Wohlstand den politischen und militärischen Tugenden, die unerlässlich für die Behauptung eines Staates sind, des Volkes nicht gerade sehr bekömmlich sind... man wird also sehen, ob diese Republik ihren 120 Geburtstag erleben wird.
- LB Das Gegenteil ist der Fall
ERICH HUMPLIK
Wer die Zeit nach 1945 miterlebt hat ist zutiefst enttäuscht. Pfiffige Unternehmer und überdurchschnittlich fleißige Menschen haben ein wunderbares Land geschaffen. Unter Aufsicht der Amerikaner, denn jede Investition musste nach den Enttäuschungen von 1918 und danach abgezeichnet werden von ihnen. Dann kamen die Politiker! Am 30.09.1950 hatten wir in den alten Bundesländern 466000 Beschäftigte beim Staat, 1990 im September bereits über 1,6 Millionen - nur in den alten Bundesländern. Bundeshaushalt 2006: 1. Einnahmen 987 Milliarden 2. Zins - und Tilgung um 350 Milliarden - wie viel Millionen sind es? 3. Personalausgaben über 547 Milliarden Jetzt die Krise und die haufenweise verschuldeten Banken, hauptsächlich die KfW und die halbstaatlichen Banken. Geführt von SPD - Mitgliedern ohne fachliche Kompetenz bzw. entsprechende Ausbildung. KfW: War Frau Matthäus - Maier Oberaufsicht Herr Steinbrück und Herr Klose im Wechsel BaFin, die staatliche Bankenaufsicht unter dem Direktor Herrn Sanio (SPD) - keine finanzielle oder wirtschaftliche Ausbildung. Ihm unterstehen 1700 Mitarbeiter. Jetzt soll eine Bad - Bank gegründet werden, mit einem Volumen von 500 Milliarden. Vielleicht mit dem Direktor "Müntefering"? Keiner hat sich entschuldigt.

- "Groß genug, um ungereimt zu sein: Lincolns Vermächtnis.
Am 12. Februar 1809 wurde in Hodgenville (Kentucky) Abraham Lincoln geboren, der zum einflussreichsten aller amerikanischen Präsidenten werden ... mit nur einjähriger Schulbildung ..." 11.2. // Unsere Türken können ohne Schulabschluß zur Not immer noch US-Präsi werden.

- Es wird gewettet. Früher vor allem auf Pferde, Hunde, Fußballer. Später dann auch auf die Abwertung des Pfunds, auf Gold, auf den Euro-Libor und dergleichen. Bei den Sportwetten hieß das immer so, die Börsenwetten kamen erst durch die Wohlstandskinder der Wohlstandskinder ins Spiel, die Väter nannten das noch Anlage und Investition. Jetzt hat die Wette auch das Feuilleton erreicht: "Haben wir so gewettet, als wir die Wette auf Gott abschlossen?", fragt der stets auf höhere Dinge bedachte Chr. Geyer (FAZ 9.2.09, In der Pius-Falle). Wie wird es mit der Wette weitergehen? Ich wette meinen Kopf, daß das Gequassel demnächst auch, auf dem Wege des nachahmenden Geschwätzes, in den Schulbüchern erscheinen wird.

- 1809 Charles Robert Darwin wird am 12. Februar in Shrewsbury als Sohn des Arztes Robert Waring Darwin und Susannah Darwin geboren. Er ist das fünfte von sechs Kindern. "All nature is at war." (Ursprung)
Survival of the fittest - to fit - passen, anpassen; angepaßt an seine Umwelt, ein durchaus systemischer Gedanke.
Seit Goethes Zeit lag der Entwicklungsgedanke in der Luft:

Da regst du dich nach ewigen Normen
Durch tausend, abertausend Formen,
Und bis zum Menschen hast du Zeit.

V. 8324 ff. Goethe, Faust II, Klass. Walpurgisnacht, 2. Akt, Felsbuchten des Ägäischen Meers
- Auch an Goethes Die Metamorphose der Pflanzen sei erinnert sowie an den anregenden Zeitgenossen Alfred Wallace, der den Evolutionsgedanken explizit vor Darwin publizierte.
- Bob Dylan, Man Gave Names To All The Animals:
Man gave names to all the animals
In the beginning, in the beginning.
Man gave names to all the animals
In the beginning, long time ago. " (Auf: Slow Train coming)
War vielleicht nicht genau so, aber kein Grund, die Evolutionstheorie zur Weltanschauung zu machen. Die klugen Theologen der christlichen Kirchen haben längst ihren Frieden mit dem "Darwinismus" gemacht, das war zu Ernst Haeckels Zeiten anders, und die "Darwinisten" tun gut daran, ihr Material auszubreiten und in den Mittelpunkt zu stellen (statt zu agitieren).
Wenn denn Leute meinen: "But you're gonna have to serve somebody, yes indeed
You're gonna have to serve somebody,
Well, it may be the devil or it may be the Lord
But you're gonna have to serve somebody." (Dylan, Gotta Serve Somebody, auf: Slow Train coming)
Wenn das denn Leute meinen, und sie sind brave Leute wie die Amisch oder die Shaker, keine Fanatiker und Totschläger wie Chomeini oder Mao, na dann ...

- Die Kathederphilosophen Barthes und Foucault als schlimme Ideologen im Dienst der Diktatur: '... Foucaults Todestag wie des dreißigsten Jahrestags der islamischen Revolution in Iran kein Mensch an Foucaults Unterstützung der Ajatollahs. Das Buch von Janet Afary und Kevin B. Anderson über „Foucault and the Iranian Revolution“ ist nie auf Französisch erschienen. Die Autoren erklären seine blinde Hymne auf Chomeini, der im Februar 1979 die Macht übernahm, mit dem Hass des Denkers auf die politischen und wirtschaftlichen Systeme, auf den Staat und den Kapitalismus. ... " Foucaults Vermächtnis, FAZ 12.2.; ebda.: "Hartnäckig wird Foucaults Faszination für Chomeinis Revolution verdrängt. Und fast ebenso systematisch die Reise der „Tel Quel“-Redaktion 1974 nach China verharmlost. Gleichzeitig mit Foucaults Vorlesungen sind aus dem Nachlass von Roland Barthes dessen Notizen und Aufzeichnungen erschienen: „Carnets de voyage en Chine“. André Gide hatte nach seiner Rückkehr aus Moskau mit dem Kommunismus gebrochen, die Pariser Maoisten der intellektuellen Avantgarde blieben ihren Illusionen auch nach drei Wochen im realen Totalitarismus treu. Barthes, neben Foucault, Lacan und Lévi-Strauss der einflussreichste Denker der sechziger und siebziger Jahre, veröffentlichte einen sträflich naiven Artikel in „Le Monde“.
Sein chinesisches Reisejournal ist noch verheerender. Bei einem Fabrikbesuch wird das „Tel Quel“-Kollektiv mit einem großen Spruchband begrüßt. Barthes notiert: „Wenn das in französischen Fabriken nur auch so sein könnte.“ Kein Rezensent bezeichnet das Reisetagebuch als politischen Skandal. ...'

Mittwoch, 11. Februar 2009

Robert Shiller


Shiller


Robert Shiller

„Die Märkte in den Dienst der Menschen stellen“

"Wir müssen die Finanzmärkte ausweiten, nicht stutzen", meint der amerikanische Ökonom Robert Shiller
FAZ 11. Februar 2009 Die Wirtschaftswissenschaften beruhen auf einer irrigen Annahme, meint der amerikanische Ökonom Robert Shiller. Sie unterstellen, dass die Menschen rational und konsistent handeln. Dies sei falsch, glaubt Shiller. Ein wichtiger Auslöser der Finanzkrise ist seiner Meinung nach die irrige Annahme, die Hauspreise könnten immer nur steigen und nie fallen. Jetzt jedoch wäre es falsch, die Finanzmärkte zu stutzen. Im Gegenteil, sie müssten ausgeweitet werden.

Professor Shiller, die Welt steckt in einer schweren Finanz- und Wirtschaftskrise. Was ist schiefgelaufen?
Der Ursprung der Krise ist der Häusermarkt, da gibt es kein Vertun. Dort hatte sich eine Reihe von wirren Vorstellungen breitgemacht. Eine von ihnen war die Annahme, dass Hauspreise immer nur steigen und niemals fallen können und dass die Investition in ein Haus zu jedem Zeitpunkt eine phänomenale Anlage darstellt. Das war, wie sich inzwischen herausgestellt hat, eine grobe Fehleinschätzung.
Wie kommt es dazu, dass Menschen sich zu so irrigen Annahmen verleiten lassen?
Das ist eine schwierige Frage, deren Beantwortung viel mit Psychologie zu tun hat. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber es scheint so, als ob die Menschen während des Booms sich nicht daran erinnert hätten, wie sie vor zwanzig Jahren über Hauspreise gedacht haben. Was wiederum daran liegen mag, dass sie damals ohnehin keinen Gedanken daran verschwendet haben. Außerdem steckten natürlich auch handfeste wirtschaftliche Interessen von Maklern und anderen dahinter, die die Menschen in ihrer falschen Einschätzung bestärkt haben. In gewisser Weise hat sich die Entwicklung eine Weile selbst forciert: Die Beobachtung steigender Preise bestätigte die Menschen in der Auffassung, dass es stets bergauf gehen würde, und sie trieben durch ihre Käufe die Preise weiter. Spekulative Blasen entstehen durch solche sich gegenseitig verstärkende Effekte, die zur Verbreitung von Vorstellungen und Ideen führen.
Nun machen viele Hausbesitzer die schmerzhafte Erfahrung, dass sie sich geirrt haben.
Die traditionelle ökonomische Theorie unterstellt, dass Menschen sich meist rational und logisch verhalten. Folglich seien Konjunkturschwankungen vor allem die Folge technologischen Wandels oder erratischer Eingriffe des Staates. Ich halte das für falsch: Menschen handeln inkonsistent und vielfach eben nicht rational. Diese Inkonsistenz im Handeln ist die wesentliche Triebkraft der Wirtschaft.
Weshalb ändern Menschen denn ihr Verhalten?
In der Welt, in der wir leben, besteht eine grundlegende Unsicherheit. Ereignissen, die in der Zukunft liegen, lässt sich nicht leichter Hand eine gewisse Eintrittswahrscheinlichkeit beimessen. Menschen bilden und organisieren ihre Erinnerungen, ihr Bewusstsein um „Geschichten“ herum. Diese „Geschichten“ beeinflussen das Verhalten der Menschen und damit den Wirtschaftskreislauf.

Können Sie ein Beispiel nennen?

In den neunziger Jahren, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, stand alles unter dem Eindruck eines aufstrebenden Kapitalismus. Jedermann glaubte plötzlich sein Talent als Investor zu erkennen. Eine Folge dieser Entwicklung war, dass normale Arbeiter mehr und mehr als Verlierer angesehen wurden. Der Eindruck davon, wie die Welt wohl funktioniert, wurde sehr egozentrisch. So wurde die Grundlage für die Blase auf den Aktienmärkten geschaffen. Es war also eine durch und durch fundamentale Entwicklung.

Dann aber ist die Aktienblase zerplatzt ...

... und es setzte eine Suche nach dem Sinn bei den Menschen ein. Sie mussten sich eine andere „Geschichte“ suchen, um ihr Selbstwertgefühl zu retten. Das war der Zeitpunkt, zu dem die Hauspreise schneller zu steigen begannen, aber auch die Preise für Öl und andere Rohstoffe. Sie sehen: Es hat sehr viel mit Psychologie zu tun, was in der Wirtschaft geschieht.

Die Federal Reserve und ihr damaliger Vorsitzender Alan Greenspan werden häufig beschuldigt, die Immobilienblase überhaupt möglich gemacht zu haben.

Richtig ist daran: Die amerikanische Geldpolitik war eine zu lange Zeit zu locker. Richtig ist aber auch: Es ist nicht allein Alan Greenspan, der dies zu verantworten hat. Im Kreis der Währungshüter herrschte über die Zinspolitik damals Einvernehmen. Niemand dort hat sich damals ernste Sorgen über die Blase auf dem Häusermarkt gemacht. Schuld daran war die These von den effizienten Märkten, die besagt, dass alle verfügbaren Informationen in den Preisen und Kursen enthalten sind und niemand dauerhaft überdurchschnittliche Gewinne erzielen kann. Das hat sich inzwischen als falsch herausgestellt.

Regierung und Kongress in Washington eilen dem Finanzsystem und der Wirtschaft mit Hunderten von Milliarden zu Hilfe. Was halten Sie von den Plänen?

Es ist verständlich, dass nun alles darangesetzt wird, Arbeitsplätze zu sichern und neue zu schaffen. Wichtiger aber sind grundlegende Veränderungen in unserem Finanzsystem.

Woran denken Sie?

Wir müssen die Finanzmärkte ausweiten, nicht stutzen. Viele Leute geben den Märkten die Schuld an dem Schlamassel. Das ist nicht richtig. Aber wir müssen die Märkte mehr als bisher in den Dienst der Menschen stellen. Es wäre beispielsweise sehr hilfreich, wenn man sich gegen Hauspreisrisiken absichern und auch eine negative Einschätzung dadurch zum Ausdruck bringen kann, dass man auf fallende Hauspreise wettet. Denn wenn es nicht möglich ist, einen Markt zu „shorten“, dann hat dieser Markt keine Disziplin.

Also bedarf es gar nicht einer strengeren Regulierung?

Doch, doch. Die aktuelle Krise wurde auch durch „räuberische“ Praktiken in der Kreditvergabe verursacht und dadurch, dass Verkäufer von Wertpieren, die in Zusammenhang mit dem Immobilienmarkt stehen, den Investoren eine falsche Sicherheit dieser Anlage vorgegaukelt haben. Dem muss ein Riegel vorgeschoben werden. Anleger und potentielle Hauskäufer müssen den Marktakteuren vertrauen können, das ist das A und O.

Wie kann der Spagat gelingen zwischen notwendiger und übermäßiger Regulierung?

Das Problem hier ist die Zeit: Es dauert an den Finanzmärkten oft sehr lange, bis Fehlentwicklungen offenbar werden. Manche Menschen sparen ihr ganzes Leben, und eines Tages stehen sie vor dem Nichts. Dann erst stellt sich heraus, dass man sie übers Ohr gehauen hat. Hier sehe ich den Staat in der Pflicht, als ultimativer Risikomanager aufzutreten. In einer Gesellschaft mit einem marktwirtschaftlichen System sollte die Regierung den Bürgern als Rettungsanker dienen.

Wie kann den vielen Hausbesitzern, denen die Zwangsversteigerung droht, am besten geholfen werden?

Die Hypothekenbanken haben unter den aktuellen wirtschaftlichen Umständen kein besonderes Interesse daran, sich auf eine Umschuldung einzulassen. Hier sollte die Regierung zusätzliche Anreize geben, damit die Finanzierung auf eine tragfähige Grundlage gestellt werden kann. Wir sollten nicht vergessen, dass über Jahre hinweg auch die amerikanische Regierung, auch Präsident Bush, die Menschen dazu verleitet hat, sich für ein Heim hoch zu verschulden. Denen kann man nun nicht einfach zurufen: „Pech gehabt!“

Dann besteht die Gefahr, dass Hauspreise künstlich hochgehalten werden und Häuser teurer bleiben, als sie sein müssten.

Ziel darf es nicht sein, ein bestimmtes Preisniveau anzupeilen. Meinen Berechnungen zufolge haben wir auch erst die Hälfte des Weges zu normalen Hauspreisen hinter uns. Es wird noch eine Weile dauern, bis der Preis wieder dort ist, wo Angebot und Nachfrage sich ausgleichen.

Außerdem ist vorgesehen, den Banken einen Teil ihrer faulen Kredite und giftigen Wertpapiere abzunehmen. Wird das helfen?

Die Idee ist nicht schlecht, und sie zeigt, dass wir aus den japanischen Erfahrungen gelernt haben. Ich befürchte allerdings, dass die Kreditvergabe trotzdem nicht so schnell wieder in Gang kommt. Es gibt hier nämlich ein rationales Argument: Der Wirtschaft geht es tatsächlich miserabel, und die Vergabe von Krediten ist derzeit ein riskantes Geschäft. Das bringt mich zurück zur Rolle der Regierung: Sie kann durch Übernahme bestimmter Risiken dazu beitragen, dass schlechte Prophezeiungen sich nicht erfüllen müssen.
Der amerikanische Ökonom Robert Shiller erhält den vom Frankfurter „Center for Financial Studies“ (CFS) verliehenen „Deutsche Bank Prize in Financial Economics 2009“. Shiller werde für seine grundlegenden Beiträge zur Theorie und Analyse von Preisen von Vermögenswerten wie Anleihen, Aktien und Immobilien ausgezeichnet, heißt es in der Begründung der Jury.
Der 62 Jahre alte Ökonom lehrt und forscht an der Eliteuniversität Yale. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis wird alle zwei Jahre verliehen. Die beiden bisherigen Preisträger waren Eugene Fama von der University of Chicago und Michael Woodford von der Columbia University in New York.
Das CFS ist ein unabhängiges internationales Forschungsinstitut, das dem „House of Finance“ an der Goethe-Universität Frankfurt angegliedert ist.

- Dax 4534 +0,6% Dow 7950 +0,6%

Dienstag, 10. Februar 2009

Maria Neuhaus, Traum vom äußeren Erfolg


Neuhaus

Die Klimaerwärmung treibt es wieder bunt heute abend.

- Erfreulich: Dr. rer. nat. Eva Maria Neuhaus, Jg. 1970, Junges Kolleg, Akademie der Wissenschaften NRW: Eva Maria Neuhaus ist wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl für Zellphysiologie der Ruhr-Universität Bochum. Sie studierte Chemie (Diplom 1994) und Medizin in Bochum, Greifswald und Heidelberg. Nach dem Diplom beschäftigte sie sich als Stipendiatin der Max-Planck-Gesellschaft am Max-Planck-Institut für medizinische Forschung in Heidelberg mit der Rolle des Zytoskeletts für Membrantransport-mechanismen. Sie promovierte an der biologischen Fakultät der Universität Heidelberg (Abschluss 2000) über die Rolle von Actin und unkonventionellen Myosinen für Transportmechanismen während endo-zytotischer Prozesse.
Seit 2004 ist sie zusammen mit Professor Hanns Hatt Teilprojektleiterin des Projektes „Geruchsrezeptor-assoziierte Proteinkomplexe als regulatorisches Element chemosensorischer Signalverarbeitung“ im SFB 642 (GTP- und ATP-abhängige Membranprozesse) und leitet ein von der DFG gefördertes Projekt zur Funktion von Chemo-rezeptoren in der Fruchtfliege Drosophila melanogaster.
Motto: „It is astonishing what foolish things one can temporarily believe if one thinks too long alone“ (John Maynard Keynes)

- - Arthur MILLER, TOD EINES HANDLUNGSREISENDEN (Uraufführung 1949 NYC) oder der Traum vom äußeren Erfolg.
Schwarzenegger hat es geschafft: vom Maurer zum Bodybuilder, vom Salonathleten zum Schmierendarsteller in Hollywood und jetzt zum Staatsschauspieler, Sprücheklopfer und Schuldenmacher in Sacramento. Willy Loman hat es nicht geschafft, er beherzigte nicht, was ihm Ralph Waldo Emerson in seinem Essay SELF-RELIANCE , jener kanonischen amerikanischen Schrift von 1841 an die Hand gab und als Motto voranstellte: Ne te quæsiveris extra. „Suche dich nicht außerhalb deiner selbst“ Emerson entlehnte es bei Augustinus, der wiederum bei Epiktet, bei der Stoa. In seinen BEKENNTNISSEn beschreibt Augustinus auch die Familienkonstellation des ehrgeizigen Vaters, der den Sohn erfolgreich sehen möchte, glänzend in äußerlicher Bildung, eine Bestrebung, die auch die klügere Mutter teilt: "die Hoffnung auf die wissenschaftliche Ausbildung: daß ich die mir erwürbe, darauf drangen meine Eltern allzusehr ... - der Vater dachte ... an mich nur mit dem Kopf voll eitler Pläne ..." ( BEKENNTNISSE, 2. Buch: Wirren der Entwicklungsjahre).- Wenig Neues also, was Miller in seinem Drama vorstellt, nur läßt er alles weg, was Emerson an Klugem wirkungsmächtig in die amerikanische Bildung getragen hat (man kann hier auch noch andere Namen wie Thoreau nennen). Immerhin gelingen Miller sehr eindrucksvolle Traumbilder, die aber in ihren Projektionen pubertär bleiben und allzu plakativ geraten sind. Viel klüger als sein Willy Loman scheint Miller auch nicht gewesen zu sein, hätte er sonst eine Traumfigur wie Marilyn Monroe geheiratet?

- "Köhler ernennt Guttenberg. Glos verbittert über die Kanzlerin.
Bundespräsident Köhler hat Karl-Theodor zu Guttenberg zum Wirtschaftsminister im Kabinett Merkel ernannt. Der ausgeschiedene Glos unterstellt indes der Kanzlerin, sie hänge „an den Lippen von Finanzminister Steinbrück“. Und in der CSU wird Kritik am Führungsstil von Parteichef Seehofer laut. ..." FAZ 10.2. //
Eine Filmaufnahme, vielleicht schon zurückliegend, zeigte Glos die Merkel mit Dreierküßchen begrüßend - soviel Leidenfähigkeit muß doch nicht sein. Zumal das eine unhygienische, zeitraubende Begrüßungsform ist.

- "China baut seine Rohstoffbasis aus
Der Bergbaukonzern Rio Tinto ist hoch verschuldet. Für Chinalco ist das eine günstige Gelegenheit, sich preiswert daran zu beteiligen ..." FAZ 3.2.

- Kaupthing Zinsgierige bangen um Einlagen.

- SAP: "28. Januar 2009 Europas größtes Softwareunternehmen SAP baut wegen der globalen Wirtschaftskrise erstmals in seiner Geschichte Arbeitsplätze ab. Wie die Firmenchefs Henning Kagermann und Léo Apotheker am Mittwoch in Frankfurt mitteilten, soll bis zum Jahresende die Zahl Mitarbeiter um rund 3.000 auf 48.500 zurückgehen.
In Deutschland seien maximal 4 Prozent der Stellen betroffen, das wären etwa 620 Arbeitsplätze. SAP vermeldete für 2008 einen Rückgang des Gewinns um 2 Prozent auf 1,89 Milliarden Euro. Allerdings stieg das Konzernergebnis im vierten Quartal um 13 Prozent. ..." FAZ

- EU, Klimawahn: soll jährlich 175 Mrd. € kosten, meint die Kommission.

- 4505 (-3,5%) 7888 (-4,6%) WTI 38 Brent 44,61