Freitag, 24. Februar 2012

Werte, Werte, sie öffnen ihre Flügel und lauter Lametta fällt heraus





Sind diese Windmühlen nicht teuer, unzuverlässig und häßlich?
Nein, nein, wir müssen die Natur schonen, nachhaltig wirtschaften und an unsere Kinder denken.

(Karikatur: josh / www.cartoonsbyjosh.com/index.html )


“Stellenwert der Werte” will das Aphorismus-Archiv Hattingen erkunden. 5 Zusendungen bis 30.3.12.
Welche 5 sollen es denn sein?

1. Hinter den Werten die Werteverwerter.

2. Die größten Heuchler vertreten die heiligsten Werte.

3. Unter den weichen Werten die harten Fakten.

4. Hinter einem großen Wert steckt oft ein kleiner Betrüger.

5. Nur die Lebenskunst kennt sich in den Verfallsdaten der Werte aus.

6. Gut getarnt sitzen Abkassierer gern im Wertehinterhalt.

7. In der Wertnuß sitzt meist ein tauber Kern.

8. Hinter der Wertemaske die Abzocker.

9. Wertebewußtsein hört sich besser an als Subventionserschleichung.

10. Kaum dreht man sich um, ist alles anders. O tempora, o mores!

11. Ein Wert frißt gern den andern auf.

12. Lebenskunst entsorgt Wertemüll.

13. Würdige Werte! Würdet ihr nicht immer in die Tyrannei der Werte umschlagen, wie liebt' ich euch!

14. In der Wertnuß sitzt meist ein tauber Kern.

Donnerstag, 23. Februar 2012

Ulrike: „Natürlich kann geschossen werden.“ Als Böll und Wagenbach Schützenhilfe leisteten





konkret 17/1970

Die Linkspostille war Klaus Rainer Röhls Blatt, Ulrike Meinhof war mit Röhl verheiratet; später erzählte uns der gewandelte und gereifte Röhl, daß die SED das Blatt regelmäßig bezuschußte.



Ende Februar 1975 wurde Peter Lorenz, Berliner Bürgermeisterkandidat der CDU, von Terroristen des 2. Juni, einer Schwester der Terrorgruppe RAF (Rote Armee Fraktion), entführt und in Kreuzberg versteckt. Die Entführer verlangten die Freilassung und Ausreise der sechs inhaftierten Gesinnungsgenossen Horst Mahler, Verena Becker, Gabriele Kröcher-Tiedemann, Ingrid Siepmann,Rolf Heißler und Rolf Pohle, die tatsächlich in den Jemen ausgeflogen wurden. Sie kehrten später in den Terrorkampf zurück. Lorenz wurde freigelassen, nicht wie Schleyer später erschossen.

Geschossen wurde seit der Befreiung des Kaufhausbrandstifters Baader 1970 durch Meinhof, Ensslin u.a., der Bibliotheksangestellte Georg Linke wurde lebensgefährlich verletzt. Danach hielten sich von Juni bis August 1970 Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Ulrike Meinhof, Horst Mahler, Peter Homann, Brigitte Asdonk und weitere Linksterroristen in einem Lager der palästinensichen Terrorgruppe Fatah in Jordanien auf und wurden dort militärisch ausgebildet.
Die Banden verübten 34 Morde, zahlreiche Verbrechen, Bombenanschläge, Banküberfälle, eine ganze Reihe Entführungen und Erpressungen. Mit ihren Manifesten, Erklärungen, Flugblättern und Pressemitteilungen fanden sie weiten Beifall in den Linksmedien, bei vielen Professoren, Lehrern und Journalisten. Die Baader-Befreiung hatte der Verleger Klaus Wagenbach eingefädelt, der Schreiberling Heinrich Böll forderte freies Geleit für die Bandenchefin und Ex-konkret-Chefkolumnistin Ulrike Meinhof. Diese breite Unterstützerszene führte auch zu vielen Mauerbeschriftungen, beliebt war bei Schülern und Studenten die Aufzählung von Mordopfern der RAF und die Zufügung eines lokalen Namens, etwa des Schuldirektors:
“ Buback, Ponto, Schleyer - der nächste ist der Weyer! “ (Cusanus-Gymnasium GL)

- << Böll: Freies Geleit für Ulrike Meinhof

Als "Verfolgte und Denunzierte, die sich in die Enge begeben haben in die Enge getrieben worden sind und deren Theorien weitaus gewalttätiger klingen als ihre Praxis ist" -- so schätzt der Schriftsteller Heinrich Böll, Präsident des Pen international, in einem SPIEGEL-Beitrag die Mitglieder der Baader-Meinhof-Gruppe ein. Für Ulrike Meinhof fordert Böll "freies Geleit", für Axel Springer, dessen "Bild" er "nackten Faschismus" vorwirft, einen Prozeß "wegen Volksverhetzung". >>
SPIEGEL 3/1972

- "Wir sagen, natürlich, die Bullen sind Schweine, wir sagen, der Typ in der Uniform ist ein Schwein, das ist kein Mensch, und so haben wir uns mit ihm auseinanderzusetzen. Das heißt, wir haben nicht mit ihm zu reden, und es ist falsch überhaupt mit diesen Leuten zu reden, und natürlich kann geschossen werden."
In: Der Spiegel Nr. 25 vom 15. Juni 1970; S. 74 f. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-44931157.html
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Mittwoch, 22. Februar 2012

Schnackseln





Zuglust - der erste Kranichkeil zieht nach Norden - sieht man in der Vergrößerung (draufklicken)



“Der Neger schnackselt halt gern”, meinte Frau Gloria Thurn und Taxis in einer Radiosendung vor geraumer Zeit und plädierte für Familienplanung im promisken Afrika. Nun schnackseln nicht nur die Neger gern, sondern alle Welt und schon zu Platons Zeiten und viel Zeit wurde dabei verbraucht und viele Kinder gezeugt. Platon hatte dafür ja keine Zeit, und auch die Stoiker betrachteten das Schnackseln mit Abstand.

Epikur gibt zu bedenken: “Keine Lust ist an sich ein Übel. Aber das, was bestimmte Lustempfindungen erzeugt, bringt Beschwerden mit sich, die die Lustempfindungen um ein Vielfaches übersteigen.”
(Katechismus)
Bei seinem Schüler Diogenes von Oinoanda heißt es gar:
“Es ist ein Unglück, daß die, die an der Liebesleidenschaft erkranken, nicht wissen, daß sie die vom bloßen Anblick herrührende Lust sogar ohne Liebesakt vollkommen erhalten, während der Geschlechtsverkehr selbst sowohl bei einer schöneren Gestalt als auch bei einer häßlicheren gleich ist.”
(Hammerstaedt, Heilsbotschaft an der Wand, Text 4, 2009)

Paulus, Augustinus und Thomas haben hier bei der Entwicklung der christlichen Theologie angeknüpft und daraus eine gewisse fromme Leibfeindlichkeit gebastelt, die sich auf die Disziplin und über die Monogamie auf die Studierlust und den Wohlstand der Christen segensreich auswirkte.
Von nichts kommt eben nichts. Oder: Vom weniger Schnackseln kann mehr kommen.

Dienstag, 21. Februar 2012

Mutter, Tochter, Gauck





Prima Opel, aber nicht billig






Die Mutter General Motors macht wieder Gewinn, die Tochter OPEL produziert weiter seit Jahren Verluste - wie kann das sein? Die Autos sind nicht schlechter als andere, wohl eher besser. Warum gelingt Opel nicht, was bei der Mutter erstaunlich schnell gelang? Viele Punkte lassen sich anführen, etwa die Staatsintervention der Abwrackprämie, die zur Hälfte nach Japan und Korea ging, politisch verteuerte Energie - letzendlich sind es aber die hohen Löhne und das Betonkündigungsrecht, die schnellere Anpassungen eines Unternehmens sehr erschweren. Durch staatliche Vorgaben wird die Bewegungsfreiheit eingeschränkt und durch eine unternehmensferne Gewerkschaftspolitik bedrängt. Externe Kräfte regieren in den Betrieb hinein, ohne direkte Verantwortung zu tragen. Selbst im Falle erpresserischer Streiks wie derzeit der Frankfurter Flugvorfeldarbeiter verhindern gewerkschaftsnahe Gesetze und Urteile, daß sich das Unternehmen durch Kündigungen gegen die Erpresser wehren kann, die Tausende Flugreisende blockieren. Damit gleitet die Lohnauseinandersetzung ins Verantwortungslose.
Ob sich der künftige Bundespräsident Gauck auf diesem, für den Industriestandort Deutschland wichtigen Feld der überbordenden Gewerkschaftsmacht, engagieren wird?
Vorgeschlagen haben ihn auch gewerkschaftsnahe Parteien.

Montag, 20. Februar 2012

Gab’s schon in der Eiszeit





Kleine Eiszeit bei Nachtfrost und 3°C mittags.



- Antibiotika-Resistenz gab es schon vor dreißigtausend Jahren, sagen Wright und Kollegen aus Kanada (doi: 10.1038/nature10388). Existierten denn da schon die bösen Bauern, die Antibiotika an ihre Hühner verfütterten? Wohl nicht. Wahrscheinlich liefen die Bauern damals noch einzeln hinter den Hühnern her als Jäger.
Die Bakterien lagen im alaskanischen Dauerfrostboden, ihre Resistenz ist natürlichen Ursprungs, sie ähneln zudem heutigen resistenten Bakterien, die also offensichtlich nicht durch Antibiotikabehandlungen Mutationen ausgebildet haben. (FAZ 14.2.12)