Donnerstag, 7. Juni 2012

Prima, Jungs!


  
Da scheint auch noch die Sonne: Willy freut sich nach der Schlacht von Hastings


"Die englische Geschichte sei glücklicher verlaufen als die deutsche, meint Golo Mann in seiner GESCHICHTE DER DEUTSCHEN. Daran dürfte wenig Zweifel möglich sein." 

"Die Frage ist, für wen? Für die Deutschen ist die englische Geschichte sehr unglücklich verlaufen. Die Balance of Power-Politik hat uns zwei Weltkriege beschert (bzw. einen zweiten Dreissigjährigen Krieg). Für die Buren gilt dasselbe. Für die Buren haben die Briten das Konzentrationslager erfunden (concentration camp), um darin Frauen und Kinder verhungern und verdursten zu lassen. 
Auch für die Nordamerikanischen Indianer war die britische Geschichte eher eine Katastrophe." 

Geschichte aus der Sicht des Nasenbärs? 
Auch das kann interessant sein. Die Dinge aus verschiedener Perspektive zu betrachten, ist stets sinnvoll. Gilt immer. Aber man muß sich zur Wahrung der eigenen Interessen schon zu einem durch Fremdperspektiven angereicherten eigenen Standpunkt entschließen. Sonst entscheiden andere. Für die von den Mayas ausgebeuteten Stämme machte es weiter keinen Unterschied, wer ihre Herren waren, höchstens, daß die Azteken etwas mehr Verbrauch an Menschenherzen hatten. 
Für die Korinther wirkte sich die Herrschaft Spartas anders aus als die Athens. Sparta förderte überall Adelsherrschaften, Athen demokratische. 
Als Alexander Theben zerstörte und die Thebaner in die Sklaverei verkaufte, hätten sie wahrscheinlich jeden anderen Eroberer vorgezogen.  
Was wäre aus Frankreich geworden ohne die Römer? Das gleiche gilt für die Germanen. Die Ausbeutung durch die Römer war ertragreicher für die Unterworfenen, als die der Hunnen. Schon wegen Wasserleitung und Fenstern. Das galt dann auch für die Insel, die später England bzw. Großbritannien wurde. Römer, Kelten, Angeln, Sachsen, Jüten, Wikinger, Dänen, Normannen schlugen sich durch das Land und gegenseitig. 
Die Normannen aus der Normandie setzten sich ab 1066 mit Wilhelm dem bekannten Eroberer durch. Die neuen Herren sprachen eine Art Alt-Französisch, wie wir auch aus dem Film „Monty Python und der Heilige Gral“ wissen. Deswegen müssen wir heute 20.000 englische Vokabeln mehr lernen. Kurz, die Geschichte ist ein großes Durcheinander, die englische Geschichte noch mehr. 
Daß die Jungs von der Insel dann trotzdem die halbe Welt eroberten und auch noch den 2. Weltkrieg gewannen, indem sie ihre großen Brüder holten, und heute auch noch moralisch prima dastehen, lädt zu besonderer Nachdenklichkeit ein. Aber da beginnt auch das Nachdenken über die deutsche Geschichte, deren Lehre jedoch heute in der deutschen Schule nur noch dem tantenhaften Moralisieren dient. Wir können uns das Nachdenken also sparen.   

Mittwoch, 6. Juni 2012

Haute auch Ludwig XIV. und George Washington um



Glaub keiner Theorie, wenn sie dir an Blut oder Geld will

(Bild: James Gillray, Der Aderlass, um 1805, Wiki.)




Niko. Himmelmann hat wieder einen interessanten Artikel über die frühgriechische Gesellschaft verfaßt, in der FAZ (30.5.12) mit dem schönen Titel “Gliederlösende Schmerzlosigkeit” versehen, denn es geht um die meist jüngeren Männer, die als “Ärzte” bezeichnet werden und von denen in Athen bis zu sieben gewissermaßen amtlich bestellt ihr blutiges Werk verrichteten. 

Blutig? Ziemlich, denn ein Hauptmittel dieser Messerwetzer war der Aderlaß, dem vielleicht mehr Athener zum Opfer fielen als den Persern. 
Das Säftegleichgewicht, so die idiotische Theorie, wurde dadurch angeblich wiederhergestellt. 
Galenos formte diesen tödlichen Blödsinn zur Jahrhunderte überdauernden Meisterlehre aus. Erst als Europa zu Europa wurde, in der Renaissance, glaubte man sicht mehr jeden griechischen Unsinn. Ab dem 17. Jahrhundert erst entwickelt sich das genuin Europäische, nämlich das empirische Prüfen und das messende Experiment. Das Experiment wird hinfort zum Zentrum des Erkennens. Das ist europäischer Geist.

Himmelmann hätte darauf hinweisen dürfen, daß die Antike keine eigentlichen Ärzte kannte, sondern nur medizinisch kenntnislose, bluttriefende Handwerker.

Dienstag, 5. Juni 2012

Nesthocker





Was sitzen denn die da oben herum? Gespräch unter vier Augen über Vorteilsannahme?
Nein, das sind zwei junge Mehlschwalben auf den Restnest. Sie sind ausgewachsen, lassen sich aber noch füttern. Solange sie dort hocken bleiben, bringen die Altvögel noch Futter. Ist so bequem.
Es handelt sich nicht um griechische, italienische oder spanische Schwalben.  

Montag, 4. Juni 2012

Auf Facebook? Nicht möglich!






Ein Kopf des militärischen Widerstands gegen Hitler: Generalstabschef des Heeres Ludwig Beck  


Die englische Geschichte sei glücklicher verlaufen als die deutsche, meint Golo Mann in seiner GESCHICHTE DER DEUTSCHEN. Daran dürfte wenig Zweifel möglich sein. Wenn die englische Königin derzeit ihr 60jähriges Thronjubiläum feiert, dann mag man auch die Monarchie in dieses Urteil einbeziehen. Die Windsors haben sich erfolgreich an Demokratie und Pluralismus angepaßt, die Symbolik des Königlichen gepflegt und Pop-Elemente aufgenommen als Angebot an dessen bedürftige Bürger. Die meisten werden aber auch das Traditionselement schätzen, daß im Wandel der Zeiten bestimmte Dinge, sie mögen so verstaubt sein wie sie wollen, stabil überdauern und ein Gefühl der Sicherheit vermitteln.
Auch der Veteranen der Royal Air Force wird gedacht, das Militär gehört überall dazu. Zweifel kommen allerdings da auf, wenn “Bomber Harris”, einem der Hauptverantwortlichen für die Bombardierung der deutschen Innenstädte zur Vernichtung von Zivilisten, auf dem Denkmalsockel steht und Bilder lachender Lancaster-Besatzungen gezeigt werden. Das Töten ist denn doch ein zu ernstes Geschäft, und das massenhafte Verbrennen von Zivilisten durch Brandbomben ohne jede militärische Bedeutung (Dresden u.a.) ist einfach schauerlich.


Am Rande kann dann auf Facebook ein Dialog mit Engländern entstehen, einige Ausschnitte:
„Who in turn were doing the same in cities like London, Clydebank and Coventry.“

Hallo Daye,
to fight an ordinary war you have to fight combatants, soldiers, arms factories. There is no other way and Churchill should have done away with silly Chamberlain earlier to call to arms. May be the war had been prevented. The turning point of WW II was 1943 after Stalingrad. 1944 Hitlers defeat was quite clear, the bombings of city centers without any troops and factories in them was the mere killing of civilians, especially Dresden was crowded with women and children, refugees from the East.  

Natürlich war Churchill nicht im Amt, er konnte nicht direkt handeln. Aber es wäre wünschenwert gewesen, eine Vorstellung nur wie die, daß Hindenburg zehn Jahre jünger hätte sein sollen:

If president Hindenburg, who disliked Hitler, had been younger and not that senile, he wouldn’t have appointed Hitler chancellor. Hitler had suffered an electoral setback before.  
More real was the opposition of the leading Generals Ludwig Beck (Generalstabschef des Heeres), Hammerstein-Equord, Halder, Oster und Witzleben, who tried to get in contact with the British government, but were rejected. Hitler intended to invade Prag; when starting the attack, the generals wanted to arrest him and the leading Nazis. But honourable Chamberlain, who wanted to prevent war and did not realize that Hitler was thinking in terms of ancient conquering (model Alexander), accepted Hitlers unacceptable conditions and signed the München dictate September 1938. Hitler was very angry about that, he wanted to spend a symbolic night on the Prager Burg, former domicile of German emperors. Hence the military opposition could not arrest the Nazi heads and was weakened, dismissed, killed.  

(By the way: Fascism was quite an option for bright British heads like Muriel Spark, Edward VIII, Mitford sisters etc.)
...
States are maschines, parties are maschines, sometimes horrible guys seize power by odd circumstances and drive the land into war and war crimes by command and dictatorship. Many people inside and outside become victims. Churchill was right to abandon the appeasement policy and fight Hitler. At the end of the war to bomb cities without any military purpose Churchill and Harris became war criminals. (cf. Golo Mann)

Das Thema verlangt aber eine große Darstellung und Behandlung, wie sie G. Mann vorgelegt hat. Nur wer liest sie?

Sonntag, 3. Juni 2012

Was tat Gysi nach dem Mauermord?



Der junge Maurer Peter Fechter, hier das Paßbild (Wiki.), wurde 1962 in Ostberlin von den SED-Schergen von der Mauer geschossen, er fiel zurück in die SBZ, wo er, um Hilfe rufend, nach einer Stunde verblutete. Das Ulbricht-Gysi-Honecker-Gesindel, Vater Klaus Gysi war systemtragend bei Mauerbauer Ulbricht tätig und wurde 1963 Minister bei Mauerbau-Organisator und Diktator Honecker, leistete keine Hilfe. 
Vom Sohn des Schreibtischtäters Klaus Gysi, SED-Anwalt Gregor Gysi, die SED ließ nur Anwälte im Dienste "der Partei der Arbeiterklasse" zu, ist mir kein Kommentar zu den Mauermorden bekannt. Klaus Gysi wurde bei Honecker Botschafter in Italien, 1990 trat er in die SED-Nachfolgepartei PDS ein, die mit der WASG später zur DIE LINKE fusionierte.   



- Extremismus. Ist die Gysi-Partei DIE LINKE eine extremistische Partei? Seit Tagen wird sie in den Nachrichten vorrangig bedient. Die Sender behandeln sie als normale, nicht-extreme Partei. 

Es ist bedenklich, wenn extreme Parteien so hofiert werden, denn extreme, also “äußerste” Standpunkte sind dem Pluralismus abträglich. Der Pluralismus aber ist die einzige verträgliche Gesellschaftsverfassung, mit der alle Standpunkte und Glaubensinhalte einigermaßen leben können, wenn sie nicht selbst anti-pluralistisch sind, wie etwa der Islam oder der Marxismus. 
Zu letzterem pflegt DIE LINKE eine besondere Beziehung, insbesondere die innerparteilichen Gruppen "Kommunistische Plattform"  und die “Antikapitalistische Linke”. Das kann nicht verwundern, wurzelt doch die Partei in der SED, der Partei der sozialistischen Diktatur, die alles enteignete und die Bevölkerung ihres Machtgebietes einmauerte und Flüchtlinge abschoß. Beschönigend wird diese mörderische Vergangenheit unter “Fehler” verbucht. 
Teile der Partei bezeichnen sich als “keynesianisch”, doch dürfte das nur der Bemäntelung des Ziels von mehr Staatseinfluß und Planwirtschaft dienen, die den Wohlstand bedrohen.  
Die Partei besitzt in den Medien zahlreiche Unterstützer, so daß sie dauernd in allen Formaten zu Wort kommt. Das macht sie zur gefährlichsten Partei für den Pluralismus in Deutschland. Erfreulich, daß sie gerade aus dem Düsseldorfer Landtag herausgefallen ist.  

- 50% der Wirtschaftspolitik sind Psychologie, sagte Deutschlands bedeutendster Wirtschaftsminister Erhard.  
“Die anderen 50% sind eine klare Ordnungspolitik im Sinne der Marktwirtschaft und des Wettbewerbs.”