Donnerstag, 7. November 2013

Die Kurden sind die Kurden







Sonniges Stadtbild in Nusaybin, Südosten der Türkei  

(Foto: Soman / Wiki.)




Die EU beginnt eine neue Rund der Beitrittsverhandlungen mit den Islamisten in Ankara. Dort regiert der Sunnit und Nationalist Erdogan, der die Kurden nicht liebt und an Atatürk nur dessen Motto schätzt: Sei stolz, ein Türke zu sein. Nichttürken findet Erdogan weniger wertvoll. Er verfolgt eine Hinhaltetaktik gegenüber den Kurden, er räumt da und dort ein paar Rechte mehr ein, aber meist nur auf dem Papier als Versprechen. Gegenüber den Kurden vor Ort verfährt er brutal: In Nusaybin an der syrischen Grenze, bewohnt vor allem von Kurden und Arabern, läßt er eine Mauer bauen. Drüben liegt das syrische Qamishli.  Auch dort ist Kurdengebiet, und viele Kurden in der Türkei, Syrien und dem Irak hätten gern einen eigenen Staat. In Syrien operieren viele sunnitisch-arabische Islamisten aus Pakistan, Saudi-Arabien und Nordafrika, die, so behaupten türkische Kurden an der Grenze, von Erdogan mit Waffen und Einreise unterstützt werden. Deswegen kämpfen inzwischen auch türkische Kurden bei der Verteidigung der Kurdengebiete in Syrien gegen Banden wie Al Nusra, die die Kurden angreifen und die Gebiete in ihre Hand bringen wollen. Die syrischen Kurden sehen sich als Opfer zwischen den Fronten, sie halten von Ankara so wenig wie von Damaskus. Auch die Baath-Partei hat den Kurden keine Rechte eingeräumt und fürchtet deren Kurdenstaatswünsche. Ein Preis für die Unterstützung Assads könnte eine Anerkennung der Kurden als syrische Staatsbürger mit Autonomiestatut sein.

Die Lage bleibt schwierig an der türkisch-syrischen Grenze. Erdogan will seine Macht ausdehnen, das Osmanische Reich scheint ihm vor Augen zu stehen. Daher auch sein kürzlicher Besuch im Kosovo, um dort den bereits großen türkischen Einfluß zu verstärken.
Es mutet seltsam an, daß die Brüsselkraten die Beitrittsverhandlungen weiter betreiben wollen, obwohl bereits schlimme Fehler mit dem Beitritt Rumäniens und Bulgariens gemacht wurden. Ein Rückbau der EU zu einer Freihandeslzone tut not. Darin hätte auch die Türkei Platz.

(Vgl. Die türkischen Kurden misstrauen Ministerpräsident Erdogan im Friedensprozess, DLF 1.10.13 http://www.welt.de/politik/ausland/article120670698/Unterstuetzt-die-Tuerkei-Syriens-Islamisten.html , http://www.dradio.de/dlf/sendungen/europaheute/2312801/ )

Mittwoch, 6. November 2013

Wertvoll


Werte, Werte! Sie öffnen ihre Flügel und lauter Lametta fällt heraus.


Aber auch Diskriminierung. Denn Werte, also die Bewertung von Sachen, Sachverhalten und Handlungen stehen oft im Spannungsverhältnis zueinander. Wo der Wert A beginnt, hört der Wert B auf. B wird dann benachteiligt, “diskriminiert”. Und das geht auch gar nicht anders.
Sie können aber in zeitlicher Abfolge gelten: nach der Anstrengung der Müßiggang. Oder in verschiedenen Bereichen verschieden: kein Sport im Hörsaal.

“Diskriminierung” ist überwiegend nur eine Kampfvokabel. Wenn die Malaien mit ihrer Mehrheit die Chinesen von der Universität ausschließen, dann nennt man das konkreter und deswegen besser einen Verstoß gegen die Chancengleichheit im Bildungsbereich.  

Dienstag, 5. November 2013

Wie viel Familie soll's denn sein?



“Frauen, die nicht arbeiten, sind glücklicher als erwerbstätige Frauen, so das Ergebnis einer Studie des Roman Herzog Instituts zur Lebenszufriedenheit der deutschen Bevölkerung. Männer hingegen sind ohne Job unzufrieden. Arbeit hat für sie eine identitätsstiftende Bedeutung.”
Und:
“Je höher die Bildung der Frauen, desto geringer ist tendenziell die Arbeitszufriedenheit.”
“Woran liegt es, dass Frauen, die nicht arbeiten, glücklicher sind?
Was sagt diese Erkenntnis über die Zukunft der Familie aus? Macht die traditionelle Rollenverteilung in der Familie tatsächlich zufriedener oder sind die Ergebnisse der Studie nicht vielmehr auf die schwierige Vereinbarkeit von Familie und Beruf zurück zuführen? Welche Auswirkungen hat dies auf Unternehmen und Gesellschaft? Diesen und weiteren Fragen gehen namhafte Experten des Roman Herzog Instituts in dieser Publikation nach”:
Jörg Althammer u.a., Wie viel Familie verträgt die moderne Gesellschaft? München 2011, 124 S.

Roman Herzog war kein Hallodri wie sein Nachfolger Wulff, deswegen konnte man ein Institut mit sozialwissenschaftlichen Aufgaben nach Herzog benennen.
Die obige Publikation kann im Roman-Herzog-Institut gratis über das Netz bestellt werden kann.

Montag, 4. November 2013

Ciudad Juárez und Franziskus



Mexiko und die Südgrenze der USA;

Ciudad Juárez und das texanische El Paso sind geographisch nur durch den Rio Grande getrennt, kulturell liegen sie auf verschiedenen Kontinenten.



Für ganz Lateinamerika gilt, daß der katholische Einfluß stark ist, daß die wirtschaftliche Entwicklung stark gehemmt ist und daß die Kriminalität hoch ist. Besonders schlimm geht es in Ciudad Juárez im Norden Mexikos an der Grenze zu den protestantischen USA zu. Die Drogenkriminalität ist sehr hoch ebenso wie die Zahl der Morde. Besonders auffällig sind die vielen Morde an Frauen sowie die Zwangsprostitution. Darüber berichtete der DLF (4.11.13). Der Staat als Polizei scheint völlig zu versagen und soll durch Korruption geprägt sein, wie überall in Südamerika. Hier braucht man wohl Hilfe aus dem Norden, etwa durch die NSA. Aber auch Kirchenfunktionäre wie der gegenwärtige Papst aus Argentinien sollten sich fragen, wieso der katholische Kontinent eine so üble Bilanz aufweist und was der Katholizismus damit zu tun haben könnte.


Kleiner Hinweis: Nicht nur das Zusammengehen von Wohlstand und Calvinismus im Norden sagt etwas aus, auch der singuläre Einfluß der Mennoniten in Paraguay zeigt, daß die katholische Mentalität entwicklungshemmend ist. Da Protestantismus und Katholizismus an die gleichen Götter glauben, die es aber bekanntlich gar nicht gibt, muß die Entwicklungsdifferenz mit dem Aufbau von Disziplin im Lebensvollzug zu tun haben. Hier leisten katholische Lehre und katholischer Kirchenapparat offenbar bedeutend weniger. Die kraftsteigernde Beschaffenheit der protestantischen Sekten in Nordamerika scheint dagegen beträchtlich zu sein.

Sonntag, 3. November 2013

Tatsächlich! Lupenrein!


Gelernt ist gelernt oder Teestunde in der Hauptstadt der Freiheit

Ein gewisses Um-die-Ecke-Denken ist nicht nur beim Schachspiel nötig. Auch in anderen Bereichen kann es nützlich sein. In Troja war es ein Danaer-Geschenk, ein hölzernes Pferd, das den Untergang der Stadt herbeiführte. Homer lobte den Odysseus dafür und verlieh ihm den Beinamen “der Listenreiche”. Mir hat diese Chose nie gefallen, mir fehlt dafür der Sinn. Es gibt aber Berufe, die den Listenreichtum im Zunftzeichen führen. Macchiavelli widmete diesem Handwerk seine Schrift “Der Fürst”. Jemand hat sie vermutlich dem älteren Jelzin in die Hand gedrückt zur Regelung seiner Nachfolge. Ob er sie gelesen hat? Jedenfall hat er danach gehandelt. Gewitzt sollte sein Nachfolger sein und immer ein paar Spielzüge vorausdenken. Und das Land zusammenhalten. Organisatorisch kümmerte sich der KGB seit Lenins Zeiten darum. Einer aus dieser Profession bot sich an: Putin, der KGBler. Gute Ausbildung, Auslandserfahrung in Deutschland, in Petersburg mit Hausmacht. Gesagt, ernannt. Putin kam, sah und blieb. Kein Wind- oder Weichei. Für die lange Amtsdauer brachte er gleich einen Strohmann mit zur listenreichen Auslegung der Verfassung. Auch im Ausland akquirierte er Agenten. Kanzler Schröder nicht wiedergewählt? Gute Gelegenheit, ihn als Einflußagenten zu gewinnen. Putin mußte ja manchen tumben Oppositionellen verhaften und im Gulag verschwinden lassen. Chodorkowsky war so einer, der weltweit Aufmerksamkeit erregte. Das war keine gute Werbung. Also stellte ihm Schröder, der deutsche Alt-Bundeskanzler eine schöne Urkunde aus, in goldener Schrift in deutscher und russischer Sprache, betitelt “lupenreiner Demokrat”. Putin hängte sie sich ins Kreml-Büro, um sich den Wortlaut einzuprägen, weil er sich anfangs immer verlas und “listenreich” sah, wo “lupenrein” stand.

Kasparow, Nawelny und andere Oppositionelle fanden Putin aber plump, was ihnen meist ein Steuerbetrugs- und Untreue-Verfahren einbrachte. Diese Plumpheit sahen sie auch bei der Pussy-Riot-Provokation am Werk, wurde doch eine banale Ordnungswidrigkeit mit jahrelanger Gulag-Haft bedacht. Jetzt aber hat sie Putin mit einem wirklich listigen Coup überrascht. Seine Jungs haben da einen unbedarften jungen Mann aufgetan, der lupenrein funktioniert. Man traf sich zunächst auf gewogenem chinesischen Diktatur-Boden als Anfangsinszenierung, um dann den zweiten Akt in Mo
skau aufzuführen, der Stadt, die schon immer die Stätte der individuellen Freiheit war. Da hätte Odysseus gestaunt. Ob ihm das eingefallen wäre? Damit aber nicht genug. Für ein putziges Scherzo kannte Putin, noch aus seiner Berliner Zeit, einen Rote-Armee-Fraktions-Linksanwalt, der nicht nur rote Terroristen verteidigte, sondern auch bei jedem SDS-Klamauk gegen Amerika mitmachte, Motto: “USA-SA-SS”.
Diesen Mann lud er nach Moskau ein zur Teestunde mit seinem neuen Propaganda-Freund Snowden. Das ließ sich sich Ströbele natürlich nicht entgehen, schließlich kämpft er wie sein alter Freund, der braunrote oder rotbraune Horst Mahler, seit jeher für die lupenreine Demokratie und gegen die USA.