Mittwoch, 9. März 2016

Nur trocken nachhaltig zu genießen










Cesare Lombroso (1835-1909)(Foto: rainbowfish/Wikip)


Das Genie ist genial. Weil es besonders intelligent ist. Aber auch, weil, in der naiven Vorstellung, etwas Magisches dabei mitschwingt. Den absoluten Monarchen reichte es noch, mächtig zu sein und von Gott begnadet. Die Masse Mensch liebt solche Galeonsfiguren auch heute noch, bunte Blätter widmen sich ihnen. Aber auch Freunde der gehobenen Geisteskräfte lieben das Herausgehobene. Und stellen große Freunde und Vertreter des Geistes wie Schiller und Goethe auf den Denkmalsockel. So gebar sich der Genie-Kult aus Ungenügen am “trockenen Geist”, wie ihn Luhmann schätzte. Nietzsche, selbst eine Inkarnation des Genies, wollte aus ihm noch mehr machen, einen, seinen “Übermenschen”. Sozusagen musikalisch-tänzerisch gedacht. Sein Zeitgenosse, der Psychiater und Mediziner Cesare Lombroso, studierte Tasso, Rousseau, Hölderlin und Kleist, schrieb sein wirkungsmächtiges Buch “Genie und Wahnsinn” und lieferte damit ein weiteres Glied im Geniekult. Die Hollywood-Schnulze “A beautiful mind” steht in dieser eigentlich schon verflossenen Mode. Thomas Mann hat sie noch stark beschäftigt, auch in der politischen Dimension. 1939 hat er dem “Künstler-Politiker” Hitler den Essay EIN BRUDER gewidmet:
“Ohne die entsetzlichen Opfer, welche unausgesetzt dem fatalen Seelenleben dieses Menschen fallen, ohne die umfassenden moralischen Verwüstungen, die davon ausgehen, fiele es leichter, zu gestehen, daß man sein Lebensphänomen fesselnd findet.”
Mit dem DOKTOR FAUSTUS, der auch ein Nietzsche-Roman ist, hat Th. Mann das Syndrom Genie, Künstler, Politik, Wahn und Magie durchgearbeitet und - möchte man meinen - erledigt.  








Dienstag, 8. März 2016

Aber die Kaffeekannen!









Isi bei einer Lesepause - er liest nicht nur selbst, er hat's auch selbst geschrieben.

 (Bild: Wikip.)





“... führt vor Augen, daß viele Bereiche des Alltagslebens von der oft überlegenen Kultur der islamischen Welt beeinflußt wurden, ob es sich nun um Majolika, Moscheelampen, Kaffekannen oder neumaurische Möbel handelt.” (“Orient” im Alltag, Kulturgeschichtliche Erkundung, TMA)

Sehr eindrucksvoll, die Kaffekannen! 
Da kommt Isidor von Sevilla (560-636) natürlich mit seiner Enzyklopädie des antiken und frühmittelalterlichen Wissens nicht mit. Und mordserotische Nächte hat er auch keine beschrieben. Majolika statt Augustinus und Isidor, das ist der Horizont der gegenwärtigen Christenfunktionäre und Christmoderatoren.

Von der Aufwertung der Frauen im Neuen Testament nicht zu reden. Alles hat seine Zeit, heißt es im hellenistischen Buch des Predigers (AT). Das Christentum hat seinen Zenith längst überschritten. Und findet die jährlichen Millionenzuwendungen an das Islamische Zentrum in Münster prima. Der Leiter des Zentrums, Herr Khorchide, ist ja durchaus ein ehrenwerter Mann und gibt sich Mühe, aus einer arabischen Traditionsideologie eine Religion zu basteln. Aber er steht dabei noch - historisch betrachtet - weit vor Paulus. Das ist erbärmlich.

Donnerstag, 3. März 2016

Der Weg zur Erlösung







“Was ist das.- Was - ist das …” 
“Je, den Düwel ook, c’est la question …”


So beginnt Thomas Manns “Buddenbrooks”. 
Der alte Konsul Buddenbrook führt die achtjährige Antonie in Versuchung, könnte man sagen, denn er will sich nur über den neuen Lübecker Katechismus von 1835 lustig machen. Religion, Gott, Teufel, Sünde, Sühne, Heiligkeit, Papst und einschlägiger Legendenstoff kommen bei Th. Mann von Anfang an vor und begleiten ihn über “Joseph und seine Brüder” bis zu den späten Erzählungen “Das Gesetz” und “Der Erwählte”. 
Ist er da ganz Wagnerianer? Denn in “Parsival” und den übrigen Opernplüschwerken Wagners sind das ebenfalls die Stoffe und Motive. Aber anders als bei Wagner löst Mann diese auf in Humor, Psychologie und Profanität auf. 
Dennoch ist es seltsam, daß sie ihn so lange begleitet haben. Oder soll man sagen, er komme, als Erbe des 19. Jahrhunderts, nicht darüber hinweg? 
Egal. Mit dem “Gesetz” hat er eine köstliche Religionserklärung hinterlassen, die ihresgleichen nicht hat. Und die anderen Religionskreisen den Weg weist. Zur Erlösung, könnte man sagen.