Donnerstag, 4. Mai 2017
Mittwoch, 3. Mai 2017
Aristophanes
“Ich bitte, ‘bringt man Eulen nach Athen’?”, fragt die Hauptfigur PEITHETAIROS (‘Ratefreund’) in Aristophanes Komödie “Die Vögel” seinen Kumpel EUELPIDES (‘Hoffegut’). (Vers 305)
Nein, das tut man natürlich nicht, denn in Athen gibt es davon genug, schließlich ist das der Vogel der Athene, Namensgeberin und Behüterin der Stadt. Seit dieser Zeit steht die Wendung für überflüssiges Tun.
“Die Vögel” sind ein schnurriges Stück. Zwei Athenern wird es in Athen zu bunt - so alt ist das Motiv - und sie schauen sich nach einem neuen Wohnort um, ganz so, wie sich mancher Berliner heute in Florida oder Arkansas umsieht. Die beiden lassen sich von gekauften Vögeln leiten, und entwickeln die Idee, der gesammelten Vogelschar erneut zu alter Herrschaft zu verhelfen und mit den Vögeln die Stadt WOLKENKUCKUCKSBURG zu bauen, die bei allen Politikern heute noch sehr beliebt ist. Fortan wird den Vögeln geopfert, nicht mehr den entmachteten Göttern. Ein Priester bietet seine Dienste in WOLKENKUCKUCKSBURG an, wird aber abgewiesen. Priester werden nicht mehr gebraucht, schließlich hat man schon Zeus & Co. abserviert.
Dergestalt kann man in den “Vögeln” eine atheistische Komödie erblicken. Auch das eine Großtat innerhalb der alten griechischen Kultur, von der nach der jahrhundertelangen türkischen Besetzung nur die Akropolis geblieben ist.
Dienstag, 2. Mai 2017
Ausdruckssüchtig
Am 2. Mai 1886 wurde Gottfried Benn in einem protestantischen Pfarrhaus in Brandenburg geboren. Es war vielleicht ein eiskalter Maianfang wie dieses Jahr, der Pate bei seiner chronisch depressiven Haltung stand. Auch der Kontrast zwischen den christlichen Phrasen und der so ganz anderen Realität mag dazu beigetragen haben.
Trauer - einmal einfach elegisch verschattet, dann ins Groteske, Expressionistische gewendet, und ebenfalls auch ins Schnodderige und Sarkastische - bestimmt den Ton seiner Dichtung. Etwas versteckt erscheint sie im folgenden Benn-Gedicht:
SATZBAU
Alle haben den Himmel, die Liebe und das Grab,
damit wollen wir uns nicht befassen,
das ist für den Kulturkreis besprochen und durchgearbeitet.
Was aber neu ist, ist die Frage nach dem Satzbau
und die ist dringend:
warum drücken wir etwas aus?
…
Überwältigend unbeantwortbar!
Honoraraussicht ist es nicht,
viele verhungern darüber. Nein,
es ist ein Antrieb in der Hand,
ferngesteuert, eine Gehirnlage,
vielleicht ein verspäteter Heilbringer oder Totemtier,
auf Kosten des Inhalts ein formaler Priapismus,
er wird vorübergehen,
aber heute ist der Satzbau
das Primäre.
»Die wenigen, die was davon erkannt« - (Goethe) -
wovon eigentlich?
Ich nehme an: vom Satzbau.
Vielleicht ist doch noch nicht alles besprochen, es stellen sich ja immer neue Perspektiven ein, aber die Frage, warum der Mensch als einziges Säugetier so ausdrucksstark und ausdrucksversessen ist, scheint weiterhin ungelöst.
Bei Benn selbst hat das Schreiben zum Ertragen der Depression beigetragen, wie bei manchen anderen auch.
(Bild: Wikip.)
Montag, 1. Mai 2017
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