Montag, 12. Februar 2018

Damasio und so












“Wie können wir die offenkundig vernünftige Idee, daß Gefühle das Motiv der intelligenten kulturellen Lösungen für Probleme waren, die aus der Natur des Menschen erwachsen, mit der Tatsache in Einklang bringen, daß geistlose Bakterien effiziente soziale Verhaltensweisen an den Tag legen, die in Umrissen manche kulturellen Reaktionen der Menschen vorausahnen lassen?” (Damasio, Am Anfang war das Gefühl, S. 33f.)

Der ambitionierte Neurologe Damasio schürft tief und beginnt bei den einfachsten Lebewesen. Er sieht die Homöostase am Werk, eine Fließgleichgewicht, daß die einzelne Zelle mit dem Gesamtorganismus verbindet und am Leben und Überleben erhält. Spinoza hat es von philosophischer Seite aus “conatus” benannt, Maturana aus biologischer Perspektive “Autopoiesis”.
“Mangelnde Homöostase drückt sich im Wesentlichen in Form negativer Gefühle aus, während positive Gefühle ein Anzeichen für ein angemessenes Niveau an Homöostase sind und den Organismus aufgeschlossen für vorteilhafte Möglichkeiten macht. Gefühle und Homöostase stehen zueinander in einem ganz prinzipiellen, widerspruchsfreien Zusammenhang.”  (Damasio, Am Anfang war das Gefühl, S. 34)
Die Gefühle sind Meldungen aus dem Gesamt des Organismus zum Zustand des Fließgleichgewichts - ob Bauchschmerzen, Hunger, Wohlbefinden, Begeisterung. Schmerz und Begeisterung motivieren zu Handlungen, sowohl beim Bakterium mit einfachem Signalmuster (da wird man es anders benennen), als auch beim sehr viel komplexeren Menschen entsprechend den Billionen Zellen und Neuronen. Da kann es in den Signalwegen “Knoten”, also Probleme geben, daß zum Beispiel zuwenig Neurotransmitter gebildet werden, zu wenig Serotonin vielleicht, oder Dopamin etc. So funktioniert das, aber nicht immer gleich gut. Homöostase ist es also, was die belebte Welt im Innersten zusammenhält, meint Damasio. Recht hat er.

Manche nennen’s Seele, aber das geht in den Bereich verunklarender, abwegiger Mythologie.




Sonntag, 11. Februar 2018

Freitag, 9. Februar 2018

Immer gilt: mehr Indianer, größerer Häuptling







Gibt es Fortschritt in den Wissenschaften?
Das läßt sich nur differenziert beantworten. In der Rechtswissenschaft fiele schon die Definition von Fortschritt schwer. Sind naturrechtliche Auffassungen fortschrittlicher als positivistische oder historistische? Schwer zu sagen.
In den meisten Geisteswissenschaften gibt es keinen Fortschritt mehr, dort gibt es “turns”.
Ähnlich in den Sozialwissenschaften und der Historiographie.
Fallen Stephen Hawkings Phantasien überhaupt noch unter physikalische Wissenschaft?
Einfacher ist es bei ‘Klempnern’ der Physik, den Experimentalphysikern, Prototyp Otto Hahn. Die Entfaltung und Nutzung der Kernkraft läßt sich messen und gestalten. Das gilt. Theoretische Physiker können sich schwer verrechnen, wie Kelvin beim Alter der Erde. Falschrechnungen und unvollständige Rechnungen quietschen nicht.

Überall, wo konkret gemessen werden kann, läßt sich Versagen oder Erfolg feststellen. Der Prüfmarathon bei neuen Medikamenten kann großen Fortschritt erbringen. Auch die genetische Identifizierung und Technik.
Poppers Vorstellung eine Falsifizierbarkeit, die er aus der Experimentalphysik gewann, ist sicher nicht falsch, aber ein Idealfall. Konkret läuft es oft so ab wie bei Ignaz Semmelweis und dem Kindbettfieber. Der Innovator wird ignoriert.
Der Physiker Thomas S. Kuhn hat für sein Fach in der Monographie „Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen“ von 1969 herausgefunden, daß es einen wissenschaftlichen Normalbetrieb, eine Normalwissenschaft gibt in einer entsprechenden Gemeinschaft, in der alle dem gleichen Paradigma folgen, bis Anomalien und neue wissenschaftliche Entdeckungen auftauchen, die eine Krise verursachen und eventuell zu Revolutionen führen. Die dann einen Fortschritt darstellen können.

Bei den Klimatologen des IPCC-Netzwerks häufen sich derzeit die Anomalien.