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Dienstag, 29. Dezember 2020

Das gefiel Adorno gar nicht


 


Er hält im Unterschied zu Luhmann die Erkenntnistheorie für grundlegend, in seinem Positivismusstreit-Referat von 1972 plädiert er in der Hauptsache für die Deduktion und verwirft die Induktion. Doch stellt er alle Theorien unter Vorbehalt. “Ich möchte es als eine Folge der sokratischen Entdeckung charakterisieren, daß wir nichts wissen, das heißt, unsere Theorien niemals rational rechtfertigen können. … Denn obwohl wir unsere Theorien nicht rational rechtfertigen  und nicht einmal als wahrscheinlich erweisen können, so können wir sie rational kritisieren. Und wir können bessere von schlechteren unterscheiden.” (Positivismusstreit, 1972, S. 122)

Das ist ja auch schon mal was.







Montag, 28. Dezember 2020

Luhmann und die Empirie


 


Luhmann interessiert sich einfach nicht für konkrete Empirie, Experimente liegen außerhalb seiner Beachtung. So, wie der theoretische Physiker sich wenig für die Experimentalphysik interessiert, die die “Klempner” betreiben. Popper, der Physik studiert hat und dessen Bezugsrahmen vor allem die Physik seiner Zeit darstellt, will auf das “Selektionssieb der Falsifikation” (Manfred Eigen) auf keinen Fall verzichten, weder im Konkreten, noch bei den Theorien. Die Theorien sollen sterben anstelle der Menschen, das ist seine zentrale Botschaft angesichts des kriegerischen Denkmülls, den die Geistes- und Sozialwissenschaften hervorgebracht haben, wobei er speziell an Platon, Marx und Hegel gedacht hat. (Vgl. “Die offene Gesellschaft”) Läßt sich Popper aufgrund seiner Zeiterfahrungen als engagierter Beobachter bezeichnen, so bleibt Luh. einfach ein praktisch uninteressierter Beobachter mit skeptischer Erkenntnishaltung, er hätte wohl nie eine Schrift wie Poppers “Elend des Historizismus”geschrieben. 

“Nicht die Technik wird isomorph zur Natur konstruiert, sondern die Natur in dem jeweils relevanten Kombinationsraum isomorph zu dem, was man technisch ausprobieren kann.” (WdG 263) Das paßt ganz gut zu Röntgens “Klempnereien”. Aber brauchte Röntgen für seine Strahlen eine Theorie? Kaum. Auch für die eventuelle Falsifikation wäre keine nötig gewesen. Das Gleiche trifft, denke ich, auf die soziologischen Experimente von Zimbardo, Pilgram, William F. Whyte etc. zu. 

Poppers “Wir wissen nicht, sondern wir raten” (Logik der Forschung) könnte sich immerhin berühren mit Luhmanns “Wissenschaft … muß daher auch den Anspruch, andere über die Welt belehren zu können, zurücknehmen.” (WdG, S. 714) 

Fazit: Luhmann hat keine Experimente durchgeführt, er hat auch keine entworfen, Luh. schätzt deren Erkenntniswert nicht sehr hoch ein, alles ist konstruiert, und das gilt für Wissenschaft und Wissenschaftsbetrieb insgesamt; nannte Luh. das nicht seinerzeit “Abklärung der Aufklärung”?








Mittwoch, 15. Mai 2019

Opium für Intellektuelle






Popper, Hayek, Glucksmann, Sartre, Aron - interessante Fotos. Popper und Hayek waren in ihrer Jugend kurze Zeit Sozialisten, bevor sie die Arbeit an ihren politischen Lebensthemen begannen: Popper schrieb seine “Offene Gesellschaft”, die Erstveröffentlichung erfolgte 1945, Hayeks “Road to Serfdom” erschien 1944, die “Constitution of Liberty” 1960. Raymond Aron begleitete seine Gegenwart schon kritisch als Lektor in Köln und Berlin und hielt dies so bis zu seinem Tod 1983. Insbesondere “Das Opium für Intellektuelle” von 1956 wandte sich gegen die neuerliche Rezeption des Marxismus. Sartre dagegen plädierte in “Marxismus und Existenzialismus” für einen um den Existentialismus erweiterten Marxismus. 1972 hielt Sartre die revolutionäre Gewaltanwendung für erforderlich, wie er in dem Maoistenblatt “La cause du peuple” darlegte. Er schrieb nicht nur in dieser roten Gazette, er verteilte sie auch, als sie nach einem maoistischen Bombenanschlag auf ein Grubenunternehmen verboten wurde. Während des Vietnamkriegs agitierte er für den Vietcong bzw. Hanoi, bis die kommunistische Diktatur des Nordens Südvietnam überrannte und alle Gegner des Sozialismus verfolgte und tötete.
Fotos aus Dahrendorf, Versuchungen der Unfreiheit, 2006, S. 131













Freitag, 9. Februar 2018

Immer gilt: mehr Indianer, größerer Häuptling







Gibt es Fortschritt in den Wissenschaften?
Das läßt sich nur differenziert beantworten. In der Rechtswissenschaft fiele schon die Definition von Fortschritt schwer. Sind naturrechtliche Auffassungen fortschrittlicher als positivistische oder historistische? Schwer zu sagen.
In den meisten Geisteswissenschaften gibt es keinen Fortschritt mehr, dort gibt es “turns”.
Ähnlich in den Sozialwissenschaften und der Historiographie.
Fallen Stephen Hawkings Phantasien überhaupt noch unter physikalische Wissenschaft?
Einfacher ist es bei ‘Klempnern’ der Physik, den Experimentalphysikern, Prototyp Otto Hahn. Die Entfaltung und Nutzung der Kernkraft läßt sich messen und gestalten. Das gilt. Theoretische Physiker können sich schwer verrechnen, wie Kelvin beim Alter der Erde. Falschrechnungen und unvollständige Rechnungen quietschen nicht.

Überall, wo konkret gemessen werden kann, läßt sich Versagen oder Erfolg feststellen. Der Prüfmarathon bei neuen Medikamenten kann großen Fortschritt erbringen. Auch die genetische Identifizierung und Technik.
Poppers Vorstellung eine Falsifizierbarkeit, die er aus der Experimentalphysik gewann, ist sicher nicht falsch, aber ein Idealfall. Konkret läuft es oft so ab wie bei Ignaz Semmelweis und dem Kindbettfieber. Der Innovator wird ignoriert.
Der Physiker Thomas S. Kuhn hat für sein Fach in der Monographie „Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen“ von 1969 herausgefunden, daß es einen wissenschaftlichen Normalbetrieb, eine Normalwissenschaft gibt in einer entsprechenden Gemeinschaft, in der alle dem gleichen Paradigma folgen, bis Anomalien und neue wissenschaftliche Entdeckungen auftauchen, die eine Krise verursachen und eventuell zu Revolutionen führen. Die dann einen Fortschritt darstellen können.

Bei den Klimatologen des IPCC-Netzwerks häufen sich derzeit die Anomalien.









Montag, 11. Juli 2011

"Diese beiden Lumpen!"




Karl Popper - kritischer Rationalist

(Bild LSE / Wiki.)


“ Grossherzige Remigranten.
Über jüdische Philosophen in der frühen Bundesrepublik. Eine persönliche Erinnerung. Von Jürgen Habermas

Ich kann keinen Beitrag zur Exilforschung leisten, sondern nur aus der unsicheren Perspektive des Zeitzeugen einige Erinnerungen sortieren. Jüdische Emigranten sind nach der Rückkehr in die Heimat, die sie verstossen hatte, für eine jüngere Generation zu unersetzlichen Lehrern geworden. …” 2. Juli 2011, Neue Zürcher Zeitung

In einem Radiogespräch wurde Golo Mann nach Horkheimer und Adorno befragt, die seine Berufung an die Universität Frankfurt, zuletzt auch mit Hinweis auf Golo Manns Homosexualität, massiv hintertrieben hatten:
' Diese beiden Lumpen!" Es brach aus ihm heraus. Er wisse, was er sage, ergänzte Golo Mann seine Beleidigung, die er 1989 in einem Fernsehinterview gegen die damals schon verstorbenen Begründer der Frankfurter Schule, Theodor W. Adorno und Max Horkheimer, vorbrachte. ' FAZ 28. März 2009

Habermas hat vor allem zwei Remigranten im Auge, die beiden nämlich, deren abstrusen Neomarxismus er übernommen und gepflegt hat: Horkheimer und Adorno.
Diese beiden kehrten unter anderem zurück, um ihren Einfluß auszuüben und andersdenkende Gelehrte auszugrenzen, wie eben Golo Mann in Frankfurt.
Die Frankfurter Schule der Adorno und Horkheimer hat immensen geistigen Schaden in Deutschland gestiftet, der bis heute anhält.
Auch der Remigrant Popper gehört im weitesten Sinne zu ihren Opfern, da seine nüchterne Philosophie von den Neomarxisten als “Positivismus” diffamiert und in den Seminaren bis aufs Messer bekämpft wurde.
“Grossherzige Remigranten”? Machtgeile, illiberale Ideologen waren sie! Von Habermas hätte man doch gerne erfahren, welche Rolle er bei den ekelhaften Intrigen seiner Chefs gegen Golo Mann gespielt hat.

PS: Emigrant Thomas Mann war auf seinen Emigrantennachbarn in Kalifornien nach dem DOKTOR FAUSTUS nicht mehr gut zu sprechen. Seine Frau Katja sprach von Adorno als dem Herrn, der sich einbildete, den DOKTOR FAUSTUS geschrieben zu haben, weil Th. Mann seinen musikologischen Rat eingeholt hatte.

PPS: “1957 beginnt der erste Akt der "Frankfurter Affäre" um Golo Mann, die in Teilen, mit vielen Widersprüchen behaftet, immer wieder in den vergangenen Jahren öffentlich zum Thema wurde. Der Historiker Otto Vossler setzte sich für ein Extraordinariat für Golo Mann ein, ließ aber von seinem Vorhaben bald ab. Er habe gemerkt, schrieb er Mann, "dass Sie hier Kollegen haben, mit denen zusammenzuleben ich Ihnen wirklich nicht zumuten möchte. Ich habe keineswegs insistiert und glaubte damit in Ihrem Sinne zu handeln." 1960 geht es weiter. Der hessische Kultusminister Ernst Schütte, ein begeisterter Leser der "Deutschen Geschichte" Manns, hätte ihn gern nach Frankfurt berufen. …”
FAZ 28.3.09