Und ewig herrschet der Irrtum, wenn Kritik und Experiment fehlen. Beispiel Aristoteles. Seine Irrtümer gehen auf keine Kuhhaut, wurden aber zweitausend Jahre (+-) als gültig verehrt. Dadurch wurde die Entwicklung der Wissenschaft lange blockiert. Wieviel wäre gewonnen gewesen, wenn es diesen Aristoteles nie gegeben hätte.
Samstag, 2. Januar 2021
Konnte Aristoteles zählen?
Dienstag, 29. Dezember 2020
Das gefiel Adorno gar nicht
Er hält im Unterschied zu Luhmann die Erkenntnistheorie für grundlegend, in seinem Positivismusstreit-Referat von 1972 plädiert er in der Hauptsache für die Deduktion und verwirft die Induktion. Doch stellt er alle Theorien unter Vorbehalt. “Ich möchte es als eine Folge der sokratischen Entdeckung charakterisieren, daß wir nichts wissen, das heißt, unsere Theorien niemals rational rechtfertigen können. … Denn obwohl wir unsere Theorien nicht rational rechtfertigen und nicht einmal als wahrscheinlich erweisen können, so können wir sie rational kritisieren. Und wir können bessere von schlechteren unterscheiden.” (Positivismusstreit, 1972, S. 122)
Das ist ja auch schon mal was.
Montag, 28. Dezember 2020
Luhmann und die Empirie
Luhmann interessiert sich einfach nicht für konkrete Empirie, Experimente liegen außerhalb seiner Beachtung. So, wie der theoretische Physiker sich wenig für die Experimentalphysik interessiert, die die “Klempner” betreiben. Popper, der Physik studiert hat und dessen Bezugsrahmen vor allem die Physik seiner Zeit darstellt, will auf das “Selektionssieb der Falsifikation” (Manfred Eigen) auf keinen Fall verzichten, weder im Konkreten, noch bei den Theorien. Die Theorien sollen sterben anstelle der Menschen, das ist seine zentrale Botschaft angesichts des kriegerischen Denkmülls, den die Geistes- und Sozialwissenschaften hervorgebracht haben, wobei er speziell an Platon, Marx und Hegel gedacht hat. (Vgl. “Die offene Gesellschaft”) Läßt sich Popper aufgrund seiner Zeiterfahrungen als engagierter Beobachter bezeichnen, so bleibt Luh. einfach ein praktisch uninteressierter Beobachter mit skeptischer Erkenntnishaltung, er hätte wohl nie eine Schrift wie Poppers “Elend des Historizismus”geschrieben.
“Nicht die Technik wird isomorph zur Natur konstruiert, sondern die Natur in dem jeweils relevanten Kombinationsraum isomorph zu dem, was man technisch ausprobieren kann.” (WdG 263) Das paßt ganz gut zu Röntgens “Klempnereien”. Aber brauchte Röntgen für seine Strahlen eine Theorie? Kaum. Auch für die eventuelle Falsifikation wäre keine nötig gewesen. Das Gleiche trifft, denke ich, auf die soziologischen Experimente von Zimbardo, Pilgram, William F. Whyte etc. zu.
Poppers “Wir wissen nicht, sondern wir raten” (Logik der Forschung) könnte sich immerhin berühren mit Luhmanns “Wissenschaft … muß daher auch den Anspruch, andere über die Welt belehren zu können, zurücknehmen.” (WdG, S. 714)
Fazit: Luhmann hat keine Experimente durchgeführt, er hat auch keine entworfen, Luh. schätzt deren Erkenntniswert nicht sehr hoch ein, alles ist konstruiert, und das gilt für Wissenschaft und Wissenschaftsbetrieb insgesamt; nannte Luh. das nicht seinerzeit “Abklärung der Aufklärung”?
Sonntag, 27. Dezember 2020
Ein Experiment, das bisher nicht reproduziert werden konnte
Thales.
Gib nach dem löblichen Verlangen
Von vorn die Schöpfung anzufangen!
Zu raschem Wirken sey bereit!
Da regst du dich nach ewigen Normen,
Durch tausend abertausend Formen,
Und bis zum Menschen hast du Zeit.
Faust II, Vv. 8324f.
In der Laboratoriumsszene vor der Klassischen Walpurgisnacht hat Faustens alter Famulus Wagner den Homunculus erzeugt, sozusagen eine künstliche Intelligenz ohne leibliche Existenz, nach der er jedoch trachtet. Aber da muß er den langen Darwin-Evolutionsweg gehen “Durch tausend abertausend Formen”. Da ist Goethe lange vor Darwin etwas Originelles eingefallen.
Samstag, 26. Dezember 2020
Am farbigen Abglanz haben wir das Leben
Proteus
...
Das Erdetreiben, wie's auch sei,
Ist immer doch nur Plackerei;
Dem Leben frommt die Welle besser;
Dich trägt ins ewige Gewässer
Proteus-Delphin
Schon ist's getan!
Da soll es dir zum schönsten glücken:
Ich nehme dich auf meinen Rücken,
Vermähle dich dem Ozean.
“Dem Leben frommt die Welle besser”, das Leben kommt aus dem Wasser, meint Goethe, doch bei seiner Farbenlehre ist es die Trübung des Lichts, die die Farben hervorbringt, und in dieser Trübung sieht er auch das Menschenleben bestimmt. An die wellenförmige Ausbreitung des Lichts denkt Goethe dabei nicht, das tun Robert Hooke und Huygens; Newton vermutet Lichtteilchen, Korpuskeln. Goethe bestimmt die Farben aus der Dialektik von Licht und Dunkel, was ihn zum erbitterten Feind der Newton’schen Farberklärung macht. Newton beschäftigte sich intensiv mit der Natur des Lichtes, als er wegen der Großen Pest 1665 aus Cambridge zu seinem Heimatdorf zurückkehrt. Diese Pest war zwar nicht so schlimm wie die Ausbrüche im 14. Jahrhundert, aber in London fielen ihr 25% zum Opfer. Newtons Spektrum erwies sich als richtig, allerdings auch die Lichtwellentheorie. Je nach Beobachtungsperspektive ist das Licht beides: Welle und Teilchen. Goethe aber irrte sich, was Licht und Farben anbetrifft. Er sah es zu metaphorisch:
“Am farbigen Abglanz haben wir das Leben.”
(Faust II, Vv. 4727, 8314ff.)



