Dienstag, 15. Januar 2013

"Equal goes it loose" - quadratisch, praktisch, gut: Einfachenglisch








Richtiges Deutsch? Wer braucht denn das?








"Trotz dem Flughafen-Debakel bleibt Wowereit gelassen", schrieb die Zürcher am Wochenende. Das kann niemanden mehr erschüttern, Wowereit ohnehin nicht, und der Dativ statt des Genitivs auch nicht; denn schon vor Jahren konstatierte ein Kritiker: 
Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod. 
Der Kritiker war aber kein Sprachwissenschaftler, sondern der witzige Journalist Sick, der von einigen Linguisten für seine Sprachanstöße angefeindet wurde.
Auch der begründende Nebensatz mit dem besonders wertvollen Bindewort "weil" fand bei den Sprachwissenschaftlern keinen Schutz. Ausgehend von den üblichen Plapperkreisen wurde die sinnverdeutlichende Nebensatzkonstruktion aufgelöst in zwei beziehungslose Hauptsätze, Beispiel: Die Bundeswehr geht nicht nach Mali, weil, Westerwelle hat Angst. So wird auch in Rundfunk und Fernsehen formuliert.
Sprachpflege ist nicht mehr angesagt, weil, jeder soll reden, wie er will.
Aber sagen darf natürlich nicht jeder, was er will. Da fühlt sich eine selbsternannte Mischpoke aus Gouvernanten und Aufpassern in der Pflicht. Daß ein zusammengewürfelter Haufen von Linguisten in Darmstadt einen Zensurstammtisch gegründet hat, der "Unworte" ernennt, kann nur als dreiste Anmaßung angesehen werden, denn mit Linguistik hat das nichts zu tun. Diese Dumpfbacken wollen zensieren und anderen den Mund verbieten. Ziemlich ekelhaft.
Nachtrag zum Gouvernantenstammtisch der Nina Janich: Der klassische Philologe Gerrit Kloss meldete sich zu Wort mit dem Vorwurf des schlampigen Lesens. (Lesen kann schiefgehen, FAZ 23.1.13)


Wieviel Sprachpflege sein soll, darüber entscheiden die ‘Sprachführer’ in den Massenmedien. Die meisten sind daran wenig interessiert. Um deutsche Wörter zu vermeiden, werden sogar ‘denglische’ wie HANDY von deutschen Wortmachern erfunden. Das ist so lächerlich wie der gesamte geistige Zustand der Nation, der zwischen Tugendboldigkeit und Traditionsverstörung angesiedelt ist.

Englisch hat sich durch einen erfolgreichen und durchsetzungsstarken englischen Imperialismus und durch eine vitale amerikanische Popkultur als Weltsprache durchgesetzt. Allerdings hat auch die Primitivgrammatik des Englischen dazu beigetragen. Welches grammatikalische Geschlecht eine Phantasieblüte wie “Gott” besitzt, darüber läßt sich im Englischen nicht streiten, denn es gibt nur das THE. Knifflige Fallendungen und schwer zu lernende Verbformen kennt die sprachliche Promenadenmischung Englisch nicht. Mithin ein Glücksfall für die weltweite Kommunikation.

Ob andere Sprachen dem Grammatikabbau folgen sollten, darüber entscheiden die nationalen Sprachgemeinschaften durch ihre massenmedialen Vorsprecher.
Da aber eine Einfachgrammatiksprache mit dem Englischen schon verbreitet zur Verfügung steht, können sich die anderen Nationalsprachen den Luxus grammatisch vielfältiger Sprache leisten. Wenn sie wollen.

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