Mittwoch, 17. Juli 2013

Kopfsalat





Am STEINWAY aus Argentinien


Heinrich Engelhard Steinweg alias Henry Steinway von Steinway & Sons verließ seine Heimat und ging nach Neu-Europa. Dort konnte ein tüchtiger Mensch etwas werden und wurde durch Geld geadelt, statt durch den Geburtsadel und den Zunftadel behindert und schikaniert zu werden. Goethe meinte ja schon in seinem späten Gedicht von 1827 “Den Vereinigten Staaten, daß Amerika es besser habe. Jedenfalls Steinweg hatte es in NYC besser als in Braunschweig. Und paßte sogar seinen Namen an. War der Mann denn dann noch authentisch? Wie stand es um seine Identität? Und seine Wurzeln? Abgeschnitten?

Um mit den Wurzeln anzufangen: die sind eine tolle Sache, wie überhaupt die ganze Pflanze, die in zwei sehr verschiedenen Welten lebt. In einer dunklen unten und einer hellen oben. Aber der Mensch lebt nur an der Luft, und auch unter Wasser schlägt er keine Wurzeln, obwohl er eine ganze Reihe von Genen mit dem Salat gemeinsam hat und der Salat von ganz weit her auch zu unseren Vorfahren zählt. Denn erst war das Gemüse da, dann erst die Fauna. Steinweg konnte also gut ohne Wurzeln leben und auch noch Klaviere bauen obendrein. Das Wurzelgeschwätz entbehrt des rationalen Bodens und stammt, wie könnte es anders sein, aus geistes”wissenschaftlichen” Sphären.
Und die Identität? Wußte der Mann denn noch, wer er war, wenn er aus dem New Yorker Fenster sah und keine Braunschweiger vorbeiliefen? Nun, er scheint keine Probleme gehabt zu haben. Das neue Leben war ihm lieber als der alte Braunschweiger Muff. Vielleicht setzte er sich sogar jedesmal, wer weiß, an den Steinway, wenn er an den Harz dachte, und intonierte “Kehrt die blöden Welfen raus”, unterlegt mit einer Haydn-Melodie. Ja, auch mit der Identität verhält es sich nicht anders: Philosophengeschwätz.
Aber authentisch muß der Mensch doch sein! Was ist mit der Authentizität??? Können wir denn einfach unseren Namen ändern und auf die Heimat pfeifen, ohne uns dauernd mit einem Kopfsalat zu verwechseln?
Ach, wie sag’ ich’s meinem Kinde? Es geht! Denn die “Authentizität” ist auch nur ein Gummiwort. Ich glaube, nicht einmal aus der PhilFak, sondern von dort, wohin einige der besonders Schwatzbegabten aus der Phil. Fakultät gehen: aus dem Moderatoren-Studio. Dort wurde freilich noch nie ein STEINWAY erfunden.    




Dienstag, 16. Juli 2013

Prima Einwanderer








Ein Harzer mit Hut in New York, hier ohne Klavier: Heinrich Steinweg aus Seesen, etwa 1860
(Bild: Wiki.)  



Ein Steinway-Flügel klingt schön und ist auch schön teuer mit wenigstens 30.000 Euro. Die Firma wurde 1853 in New York von dem Protestanten Heinrich Engelhard Steinweg gegründet. 

Der war ein Phänomen. 1797 als Köhlersohn im Harz geboren, starb seine Mutter 1810, sein Vater ein Jahr später völlig verarmt. Von Auszehrung ist in der “Deutschen Biographie” die Rede, die Steinwegsche Armut hatte also nichts mit der Luxusarmut heute zu tun. 
Als Armenkind wurde er von der Gemeinde erzogen. 1814 mußte er Soldat werden, was ihm jedoch nicht zusagte. Er baute aber schon spielerisch Instrumente für den Eigenbedarf und begann 1822 eine Tischlerlehre, die er nach einem Jahr mit einem Meisterstück abschloß. Er baute dann in Braunschweig Instrumente, fühlte sich aber durch Zunft und Zoll beengt. Nachdem er einen Sohn zur Erkundung nach New York geschickt hatte, wanderte die ganze Familie 1850 in die USA ein. Solche Einwanderer hat man gern. Bald folgte die Selbständigkeit und die Produktion der STEINWAYs, wie man sie heute weltweit hört und schätzt. 
Ein Sohn soll auch mit dem Gasmotor experimentiert haben, doch interessierte sich noch niemand dafür.

Montag, 15. Juli 2013

Wenn man Alexander frühzeitig aus dem Verkehr gezogen hätte, ach, hätten sich die Thebaner gefreut!






Abraham Bosse, Leviathan, Frontispiz von: Thomas Hobbes, Leviathan 1651. 
(Bild: Wiki.)









Die Neue Zürcher erinnert heute an das Attentat auf Utöya vor zwei Jahren. Die Bilder des Attentats auf den Boston-Marathon stehen noch ganz frisch vor Augen. Jeden Tag passieren in vielen Ländern tagtäglich die schlimmsten Gewalttaten und geben Anlaß zum Rückblick auf die Geschichte. Die Jahrtausende sind geprägt durch ständige Gewalt aller Art auf allen Ebenen. Jede Schimpansengruppe liegt seit jeher im Krieg mit Nachbargruppen. Stets versuchten die Perser das antike Griechenland zu erobern, und auch ein friedfertiger Mensch wie Sokrates nahm als Soldat an den Perserzügen teil. Der von Aristoteles erzogene Alexander der Grobe zerstörte Theben und verkaufte die nichtgetöteten Thebaner in die Sklaverei, bevor er in beispiellosen Gewaltzügen bis Afghanistan vorstieß. Schon davor tauchte aber der Gedanke auf, daß Klugheit und Gewalt Gegenspieler sein können: 
"Wo es Klugheit gibt, da schafft die Gewalt nichts.” 
Das Zitat wird Herodot zugeschrieben, dem Vater der Geographie, Ethnologie und Geschichtsschreibung. Er wurde 484 in Halikarnassos geboren, einer dorischen Kolonie. Die Griechen gründeten mit den aggressivsten ihrer jungen Männer Kolonien und eroberten den gesamten östlichen Mittelmeerraum. Alle Koloniegründungen verfahren nach diesem Muster. Die Entsendegesellschaften haben dadurch, neben dem Machtzuwachs, auch den Vorteil, die schlimmsten Unruhestifter entfernt und damit ein Stück Friedlichkeit gewonnen zu haben. Auch Alexander wurde man auf diese Weise los. Doch traten immer neue und neue Gewalttäter in die alten Fußstapfen, denn die gewalttätigsten Männer hatten die meisten Nachkommen. Erst vor kurzem konnte sich Europa aus der traditionellen männlichen Gewaltfreundlichkeit befreien. Durch Gewalt. Die Staatsmacht, zunächst der kriegerischste und brutalste Monarch, monopolisierte die Gewalt in seinen Händen, wie dies die Graphik des Hobbes’schen LEVIATHANS zum Ausdruck bringt. 
Es gelang sogar in der allerletzten Zeit, aber nur in Europa und dem amerikanischen Neu-Europa, die furchtbare Macht der Zentralgewalt zu zähmen und die Individualrechte durch den Rechtsstaat zu sichern. Doch die genetisch fundierte männliche Gewalt bricht sich auch in Europa und den USA  wieder vermehrt eine Bahn durch Einzelne und Gruppen, durch individuelle Attentate der Attas, Breivigs und Tarnajews. Diese furchtbaren Gewalttäter vor ihren Verbrechen aufzuspüren und die potientiellen Opfer vor Tod und Verstümmelung zu schützen, wird nur auf dem Wege gelingen, wie die alltägliche Gewalt in Europa und Amerika schon einmal zurückgedrängt wurde: durch die Staatsgewalt. So sind die Männer, andere sind nicht da. Seit Herodot. Und da ein Teil der jungen Männer besonders unklug, aggressiv und leicht beeinflußbar ist, muß man sie möglichst früh erfassen. Der NSA macht das prima und kann auf verhinderte Attentate verweisen. Weiter so. Man hat immer nur die Wahl des kleineren Übels. Wenn man überhaupt die Wahl hat. Weniger Tote, weniger Verstümmelte, weniger abgerissene Arme und Beine sind die bessere Wahl. Wo es vorsorgende Klugheit gibt, so kann man Herodot verstehen, da fällt die Gewalt aus.     

Sonntag, 14. Juli 2013

Sich etwas zu versagen ist bei weitem die schlimmste Form des Sichgehenlassens (Castaneda)






Nicht mal ein Bild vorne drauf!



 Mit der Serie „Glee“ wurde er als Finn Hudson bekannt: Der 31-jährige Schauspieler Cory Monteith ist tot in einem Hotel in Kanada gefunden worden. Monteith machte seit April einen Drogenentzug.” (Focus 14.7.13)

“Die Behauptung, daß Cannabis-Mißbrauch automatisch zum Konsum härterer Drogen führt, läßt sich nicht beweisen. Dennoch haben die meisten z.Z. bekannten Opiatabhängigen in der Bundesrepublik ihre Drogenkarriere mit Cannabis begonnen. 
(Rainer Bösel, Physiologische Psychologie, 1981, S. 360)

Das wird wohl bei diesem Schauspieler auch so gewesen sein. Er ist der erste nicht, Jimi Hendrix, Janis Joplin und viele andere sind ihm vorangegangen und ruhen seit Jahrzehnten in tiefem Frieden. In diesem Sinne haben sich die Heilsbotschaften der Drogenpropheten voll erfüllt. Man denke nur an den großen Erfolg, den auch die Castaneda-Don-Juan-Meskalin-Bücher hierzulande erzielten. Psychosen kamen anderswo her. Auch das wurde in Kalifornien erforscht: 
“Untersuchungen der Familien von Schizophrenen in Palo Alto, an der Yale University, am Pennsylvania Psychiatric Institute, am National Institute of Mental Health und anderswo haben alle gezeigt, daß der Diagnostizierte der Teil eines größeren Netzes von außerordentlich gestörten und störenden Kommunikationsstrukturen ist. Soweit ich weiß, wurde dabei nirgendwo ein Schizophrener gefunden, dessen gestörte Kommunikationsstruktur sich nicht als Reflexion und Reaktion auf die gestörte und störende Struktur seiner oder ihrer Ursprungsfamilie erwiesen hätte. Dieses Ergebnis stimmt mit unseren eigenen Untersuchungen überein.”
So der Groß-Psychiater Ronald D. Laing in “Phänomenologie der Erfahrung” (1967, es S. 103f.)

Die Qualität der Forscher kann man schon daran erkennen, daß sie nicht nach dem Einfluß der Socken-Farbe auf die Psychose-Auslösung fragten, sondern nach der Wirkung der Klein-Familie und ihrer Kommunikation.
Nun wissen wir aus dem Alltag und auch von Niklas Luhmann u.a., daß die Sache mit der Kommunikation etwas heikel ist und gelingende Kommunikationen eher unwahrscheinlich sind. Das war den Pop-Psychiatern glatt entgangen, förderte aber ihren Erfolg. Denn mit diesen Forschungsergebnissen unterm Arm konnte man jetzt nicht nur Cannabis als Heilpflanze und Meskalin als Kurmittel einsetzen, sondern auch schöne Kommunen im Laurel Canyon und in Berlin gründen. Die Manson-Großfamilie machte auch noch Musik dazu.
Das brutale “System” und seine "Pigs" störten aber die Idylle und setzte Charles Manson fest, nachdem die “Groß-Familie” ein paar Leute final kommunikationsbegradigt hatte, darunter die hochschwangere Polanski-Frau Sharon Tate.
Aber wer erinnert sich daran noch? Doch nicht die Leser von Laing und Carlos Castaneda.  

Samstag, 13. Juli 2013

Zieht euch den Stoff rein







“Die Familie, die zusammen raucht, bleibt zusammen. Pot ist eine magische Droge, weil es die Kluft zwischen den Generationen überbrücken kann.” 
Sagt Jerry Rubin als Experte auf S. 98



Was sagt denn das Lexikon der Neurowissenschaft (2000/2004) zu CANNABINOIDEN?
“Tetrahydrocannabinol (THC) … ist halluzinogen wirksam und stellt das psychotrope Prinzip des Haschischs dar. THC bindet im Körper an einen Cannabinoidrezeptor (CB1), der an vielen schmerzverarbeitenden Stellen im Gehirn, aber auch auf Immunzellen zu finden ist. Die Rezeptoren scheinen unter anderem die Funktion von Ionenkanälen und die Freisetzung von Neurotransmittern zu beeinflussen; die genauen Wirkprinzipien sind noch nicht geklärt. Körpereigene Substanzen, die an diesen Rezeptor binden (z.B. Anandamid), bilden ein sog. Cannabinoid-System, das vermutlich an der Bewegungskoordination, dem Kurzeitgedächtnis und an der Regulation des Immunsystems beteiligt ist. Über diesen Rezeptor scheint auch THC weitreichende, vor allem schwächende Auswirkungen auf das Immunsystem zu haben. (...) THC wirkt daneben schädigend auf das Gehirn und wird im menschlichen Körper relativ langsam abgebaut bzw. ausgeschieden. (...)”  

Ich habe einem älteren Hasch-Schüler, der damals die Schule schwänzte und dem der Schulverweis drohte, Nachhilfeunterricht gegeben und fand sein Gedächtnis gestört. Er verschwand nach ein paar Monaten aus der Stadt, niemand wußte wohin, ich habe auch nie wieder etwas von ihm gehört. Er war mit 16 noch in der Pubertät, in der das Gehirn “umgebaut” wird und viele Empfindlichkeiten vorhanden sind. Auch bei normalem Pubertätsverlauf ist immer mit größeren Störungen zu rechnen. Bekanntlich treten sie auch oft ein.





Auch ein Schatzkästlein für den rheinischen Hausfreund