Freitag, 20. Februar 2009

Keynes, Schulrenovierungen, Abitur nebenbei, GOETHE



- SAAB (GM) meldet nach 70 Jahren Konkurs an, nach 8 Jahren Verlust, VOLVO (Ford) hat auch Probleme, KARMANN schließt heute das Werk in Rheine, weil keine neuen Auftragsproduktionen mehr hereinkamen.- Es ist schmerzlich, wenn solche Traditionsfirmen verschwinden, aber kaum zu ändern. Seit in Asien und Osteuropa zu billigeren Löhnen immer bessere Autos gebaut werden, und immer mehr, gibt es Überkapazitäten; dazu kommt noch die unglaublich hohe Steuerbelastung rund um das Auto.

- "Nicht mit Keynes. John Maynard Keynes würde sich wundern: Das Konjunkturpaket der Regierung widerspricht seinen Lehren. Denn statt sich mit Akribie und Phantasie um gesamtwirtschaftliche Ausgabenströme zu kümmern, fördert die Politik Glühbirnenersatz und Beihilfen für Dachdichtungen. ..." Barbier, FAZ, 16.2.

- 6,3 Mrd. für Schulrenovierungen u.ä. - wird als "Bildungsinvestition" verkauft - wie oft mögen die Autoren der Karolingischen Bildungserneuerung Hrabanus Maurus, Alkuin, Walahfrid Strabo, Notker Balbulus, Hinkmar, Richer, Thietmar, Froumund, Wulfstan, Ademar, Florus, Smaragdus, Theodulf, Radbertus und Ratramnus ihre Schreibstuben im 9. Jahrhundert (ff.) gestrichen haben,
wie oft Hewlett und Packard, Jobs und Wozniak, Allen und Gates ihre Garagen?
- Abitur nebenbei - ein bildungspolitisches Verbrechen
LB FAZ 1.7.02
Zum Artikel "Bulmahn: Es gibt keine Sieger und Verlierer" (F.A.Z. vom 25. Juni): Franz Münteferings Behauptung, Deutschland spiele "insgesamt" in der "zweiten Klasse", muß entschieden zurückgewiesen werden. Sie widerspricht den Fakten. Finnland erzielte in der Disziplin Leseverständnis - von den erreichbaren 800 Punkten - 546 Punkte, Bayern kam auf 510 Punkte. Beide Länder hätten, würde das Punkteergebnis in Noten umgerechnet, die Note 3 (befriedigend). Der Abstand von 36 Punkten ist außerordentlich gering, wenn man bedenkt, daß sich Finnland mit einer Rahmenbedingung, die das bayerische Ergebnis stark nach unten gedrückt hat, nicht auseinandersetzen mußte: Ich meine den hohen Anteil an Migrantenkindern, die nur mangelhaft die Landessprache beherrschen, deren Eltern sich sprachlich und kulturell abgrenzen. Finnland hat nur ein Prozent Migrantenkinder. "Bereinigte" man das bayerische Ergebnis unter Einberechnung dieses Faktors, dann würde Bayern Finnland in der Lesekompetenz möglicherweise erreichen oder gar übertreffen.
Ich bin weit davon entfernt, Bayern zu idealisieren. Ich weiß genau, mit welch mäßigen Durchschnittskenntnissen in Deutsch die besten Schüler von der Grundschule ans Gymnasium kommen. Ich weiß, daß das bayerische Gymnasium einen ziemlichen Prozentsatz an Schülern zum Abitur durchschleppt, die für ein Universitätsstudium nicht geeignet sind und die das gymnasiale Niveau drücken. Wie übel müssen die Zustände erst in vielen nördlichen Bundesländern sein. Länder, die hohe Abiturientenquoten produzieren, versagen notwendigerweise bei der Förderung der Begabten. Wenn das Abitur so leicht gemacht wird, daß es von jedem zweiten bewältigt werden kann, dann sind die Begabten und Hochbegabten eklatant unterfordert. Sie werden dazu verführt zu jobben, zu konsumieren, das Leben zu genießen und das Abitur so nebenbei zu machen. Sie bekommen eine sehr gute Abiturnote und müssen fast nichts dafür tun. Eine solche Abiturprüfung ist ein bildungspolitisches Verbrechen.
Wolfgang Illauer, Neusäß-Westheim

- Wer kennt sich selbst? Wer weiß, was er vermag?
Hat nie der Mutige Verwegnes unternommen?
Und was du tust, sagt erst der andre Tag,
War es zum Schaden oder Frommen.


Aus: GOETHE, Ilmenau, am 3. September 1783

- Bonner Bodenforschung klimatisch gelagert
: ' ... Wenn es um den Boden unter unseren Füßen geht, werden ganz einfache Fragen schnell ziemlich kompliziert. Beispiel Bodenfeuchte: "Die kann man natürlich messen", sagt Professor Dr. Clemens Simmer; "das ist punktuell auch ziemlich einfach. Das Problem ist nur: Schon einen Meter weiter kann das Erdreich viel feuchter oder trockener sein." Wie nass der Boden ist, kann man auch mit Satelliten aus dem All feststellen. "Aber was messen die genau?", fragt sich der Sprecher des neuen Transregio-SFB. "Geben die Werte wirklich die mittlere Bodenfeuchte wieder, wie man bislang annimmt?"
Das ist nur eines der Rätsel, die die Projektpartner klären möchten. Die RWTH Aachen soll dazu zusammen mit dem Forschungszentrum Jülich neue Geräte entwickeln, mit dem sich verschiedene Bodenparameter vor Ort schnell und einfach bestimmen lassen. Die Universität zu Köln gleicht diese Messwerte dann mit Satellitendaten ab. Wie wichtig der Aspekt "Bodenfeuchte" beispielsweise für Wettervorhersagen ist, weiß jeder, der Küsten- und Kontinentalklima vergleicht: Wasser ist ein sehr guter Wärmespeicher - Grund für die milden Winter an den Küsten. Auch feuchte Böden halten daher Energie viel besser fest als trockene. Zudem versorgen sie die Atmosphäre mit Wasserdampf, der später als Regen niedergeht. ...
Ziel ist es, Energie-, Gas- und Wasseraustausch zwischen Boden und Atmosphäre besser zu verstehen. Am Ende sollen Computermodelle stehen, die beispielsweise die Grundlage für verlässlichere Wetter- und Klimaprognosen liefern. Zwei Millionen Euro jährlich fließen zunächst bis 2010 an die beteiligten Institute - gut investiertes Geld, wie Simmer glaubt: "Eine bessere Modellierung der Prozesse an der 'Atmosphären-Unterkante' - also insbesondere an der Grenzschicht zwischen Luft und Boden - ist für die Klimaforschung extrem wichtig." Sofern die erste Förderperiode erfolgreich verläuft, stehen zwei weitere Phasen zu je vier Jahren in Aussicht. ...' www.innovations-report.de/html/berichte/geowissenschaften/bericht-74371.html

Donnerstag, 19. Februar 2009

Wissenschaftliche Arbeit im 9. Jahrhundert


Da sind sie ja!
(Inzwischen schon wieder zugeschneit.)

- " William Schlesinger on IPCC: “something on the order of 20 percent have had some dealing with climate.”
17.02.2009 . This is a bit disturbing, though in retrospect, not surprising. One of our local IPCC wonks at Chico State University, Jeff Price, is a biologist, but lectures me about climate all the same. - Anthony Watts .
During the question and answer session of last week’s William Schlesinger/John Christy global warming debate, (alarmist) Schlesinger was asked how many members of United Nation’s Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) were actual climate scientists. It is well known that many, if not most, of its members are not scientists at all. Its president, for example, is an economist. ..." http://wattsupwiththat.com/ 17.2.

- Rudolf Schieffer, Wissenschaftliche Arbeit im 9. Jahrhundert.
Aus dem Inhalt des Vortrages:
In der langen Geschichte der abendländischen Wissenschaft genießt das 9. Jahrhundert nicht den besten Ruf. Das im Zuge der karolingischen Bildungserneuerung entstandene lateinische Schrifttum über Themen der Theologie, der Philosophie, der Naturkunde, des Kirchenrechts und der Grammatik erhob durchweg keinen Anspruch auf Originalität, sondern konzentrierte sich auf die Vermittlung, Zusammenfassung und didaktische Aufbereitung des überlieferten Wissens der christlichen Spätantike, mitunter auch des klassischen Altertums. Allerdings hat es die allgemeine Entwicklung des (kirchlichen) Bibliothekswesens mit sich gebracht, dass aus dem 9. Jahrhundert in erheblich höherem Umfang als jemals zuvor Handschriften bis heute erhalten sind, darunter nicht ganz wenige, die aus der engsten Umgebung der Verfasser damaliger Werke stammen. Sie erlauben erstmals in der Geschichte der lateinischen Fachprosa konkrete Einblicke in die Materialsammlung, die Organisation der Zitatenvorräte, die Gestaltung von Reinschriften („Veröffentlichung“) wie auch die Fortentwicklung bereits in Umlauf gesetzter Werke zu „Zweitauflagen“. Im Vortrag sollen diese Arbeitsschritte anhand neuerer Editionsprojekte veranschaulicht und analysiert werden.

- Infinion, inzwischen ein Cent-Wert, wer hätte das gedacht? Chips, integrierte miniaturisierte Schaltungen, hielt jedermann vor acht Jahren für einen stabilen Wachstumswert; die Tochter Qimonda steckt inzwischen in der Insolvenz. Auch die einfach erscheinenden Prognosen sind für menschliche Hirne zu anspruchsvoll. Einfach deshalb, weil zu viele Faktoren im Spiel sind.

- Hätte ich auch nicht vermutet: In Indonesien ist der Meerespiegel in der Regel rd. 60 cm höher als gegenüber in Peru / Nordchile; hat mit der Wassertemperatur etc. zu tun (http://www.enso.info/images/titel-index.png) ( El Niño Southern Oscillation )

- Essay von Matthias Horx, Teil 2 : Die Hysterische Gesellschaft . " Wenn die Ernte ausblieb, Naturereignisse unseren Vorfahren Verderben brachten, entstanden nicht selten Überreaktionen, in denen mörderische Feindbilder und kompensatorische Gewalt eine große Rolle spielten. Die Untergangs-zeremonien der Maya-Priester, die ihren Opfern das Herz bei lebendigem Leibe herausrissen, stellten nichts anderes als den verzweifelten Versuch dar, die Naturkräfte zu beeinflussen. Die Halbinsel Yukatan war – damals wie heute – von Wetterextremen geprägt. Dürreperioden wechselten sich mit tropischen Stürmen ab, Erdbeben und Vulkanausbrüche erzeugten ein Klima der Unsicherheit. In der streng hierarchischen Magie-Welt der Mayas entstand eine „hysterische Erzählung“, ein eskalierendes Symbolsystem.Warnung war in ihr Gegenteil umgeschlagen: in Überritualisierung von Angst.
Um Wandel zu meistern, benötigt jede Gesellschaft eine realistische Vorstellung der Kräfte und Dynamiken, die sie verändern. Als die Finnen Anfang der 90er einen massiven Zusammenbruch ihrer Volkswirtschaft erlebten – 15 Prozent Verlust des Bruttosozialprodukts! – begann in der finnischen Gesellschaft eine ehrliche Diskussion. Schnell war klar, dass der Niedergang der alten industriellen Wirtschaftskerne – Bergbau und Holzwirtschaft vor allem für die sowjetischen Märkte – von Dauer sein würde. Man einigte sich auf ein Zukunftsprojekt, bei dem Wirtschaft, Politik und Bürger eng kooperierten. Heute haben 95 Prozent (!) der 20-jährigen Finnen Hochschulberechtigung. Finnland hat all sein Streben auf die Ressourcen Bildung und Technologie gerichtet – und gehört zu den vitalsten Volkswirtschaften der Welt. Gewiss: Kleine Länder haben es leichter, Wandlungsprozesse zu gestalten. Der soziale Konsens in Skandinavien ist ein anderer als im Riesenflächenstaat Deutschland. Die finnische Gesellschaft verfügt zudem in besonderem Ausmaß über eine Ressource, die für jeden Wandel existenziell ist: Vertrauen. Genau diese kostbare Ressource zerstört der Alarmismus und der daraus wuchernde Populismus des Politischen, dessen unseliges Wirken wir heute im Lafontaineschen Hetzjargon erleben müssen.
KRISOTAINMENT ist der richtige Begriff für jene endemische Neigung, im Zyklus von zwei Monaten eine neue generalisierte Weltkatastrophe durchs mediale Dorf zu treiben. Wertezerfall. Neue Armut. Generationenkrieg. Artensterben, Fettleibigkeit. Weltislamismus, Rinderwahn. Feinstaub, Klimakatastrophe. Bankencrash, Managerabzocke. Von diesen Angst-Brandings nährt sich eine riesige Warn- und Mahn-Industrie, gegen deren Sog offenbar auch Klügere nicht gefeit sind – Sandra Maischberger etwa, die kluge Interviews zu führen vermochte, stellt ebenso wie Anne Will, ihr Sofa für populistisches Trash-Bashing zur Verfügung, in dem jede Angst politisch und mental funktionalisiert wird. Der Autor Christian Schüle notiert zu diesem Fear Business: „Als Geschäft und Industrie zielt Entertainment auf dreierlei: Geld, Langeweile und Erschütterbarkeit des sozialen Friedens, vornehmlich durch Simulation von Angst!“
Aber, aber, höre ich die Kritiker sagen, kann Übertreibung nicht nützlich sein? Wenn die steigenden Wasserspiegel der Klimakatastrophe statt sechs Meter am Ende doch nur ein paar Zentimeter betragen werden – wir haben gewarnt! Gelobt sei der Club of Rome, dessen Prognosen zwar alle falsch waren, aber es diente ja der guten Sache! Es fällt uns gar nicht auf, welches Menschenbild hinter einer solchen Argumentation steckt. Es handelt sich um eine neudeutsche Variante der Schwarzen Pädagogik, in der sich der 68er-Fundamentalismus mit der reaktionär-konservativen Zivilisationskritik verbündet. Bisweilen denkt man, diese Krisen würden nur erfunden, damit Zeigefingern und Besserwissen, mit dem Generationen von deutschen Oberlehrern ihre Schutzbefohlenen gedemütigt haben, ungehemmt weitergehen können.
Hunderte von Generationen vor uns lebten kurze, harte Leben in Hunger, Unterdrückung, im Krieg. Sie mögen dadurch Hoffnung geschöpft haben, dass eines Tages Menschen leben würden, die lange Lebensspannen in Freiheit verbringen könnten. Wir sind gemeint, und wir sollten dankbar dafür sein, dass wir es sind! Diese Zeilen schrieb der amerikanische Publizist Gregg Easterbrook in „The Progress Paradox“. Dankbarkeit, welch altmodisches, kostbares Wort! Kann sich irgendjemand vorstellen, dass unsere Umwelt heute sauberer, die Ehen glücklicher, die Menschen auf vielfältige Weise selbstbewusster sind? Dass in der globalisierten Welt Milliarden von Menschen endlich eine Chance auf einen zunächst bescheidenen Wohlstand haben?
Wer seine Segnungen nicht anerkennen kann, der versündigt sich – vor allem an denjenigen, denen es wirklich schlechtgeht. Das ist der eigentliche Skandal – und der perfide Egoismus – des Welterrettertums unserer Zeit.
Nein, dies ist kein Plädoyer für die heile Welt. „Die Welt ist nicht gut. Aber sie kann besser werden“, formulierte Erich Kästner. Was ich einklage ist, dass wir unseren Diskurs an die reale Komplexität der Welt anpassen. Was ich verlange ist ein gewisser Mindeststandard im Dialog mit der Realität. Eine Haltung im Umgang mit Gefahren, die ich „erwachsen“ nennen möchte. Nüchternheit, Augenmaß, ein konstruktiver Wille zur Lösung.
Den Fernseher abstellen. Den Unsinn nicht mehr glauben. Die Neugier entdecken – auf die Welt in ihrer Vielfalt und Widersprüchlichkeit. Wer dieses Experiment wagt, sollte sich auf ein robustes Ausstiegsmandat gefasst machen. Wer öffentlich bezweifelt, dass uns die große Flutwelle verschlingt/der Islam die Welt erobert/der Kapitalismus an allem schuld ist/die Verteuerung von Öl und Weizen das Ende des Wohlstands bedeutet, erntet den vollen Zorn der Verwalter des Schreckens und ihrer fanatischen Adepten. " Focus 28/2008

Mittwoch, 18. Februar 2009

Sind wir jetzt alle Keynesianer? -4° bis +1°C

-4° bis +1°C, keine neuen Schneefälle, aber in Österreich und der Schweiz bis zu 70 cm Neuschnee, Lawinentote, na ja, was will man bei Klimaerwärmung anderes erwarten?


Sind wir jetzt alle Keynesianer?

Von Philip Plickert
FAZ 15. Februar 2009 We are all Keynesians now! Dieser Satz wird oft Richard Nixon zugeschrieben, was aber nicht korrekt ist. Tatsächlich hatte der amerikanische Präsident 1971 einen Haushalt präsentiert, der mehr Staatsausgaben und ein erhebliches Defizit vorsah. Das sollte die Konjunktur stimulieren. Dazu verkündete Nixon: "I am now a Keynesian." Die Öffentlichkeit war überrascht, dass der eigentlich als strikter Marktwirtschaftler geltende Republikaner nun für eine expansive Fiskalpolitik - also "mehr Staat" - plädierte.
Anfang der siebziger Jahre waren die Lehren des britischen Ökonomen John Maynard Keynes tatsächlich Richtschnur der "nachfrageorientierten" Konjunkturpolitik fast aller westlichen Industrieländer. Dann aber kam die Ölpreiskrise - ein angebotsseitiger Schock, der die Wirtschaft in eine tiefe Rezession stürzte. Dagegen versagten die keynesianischen Rezepte. Alle Ausgabenprogramme entzündeten nur Strohfeuer, die Inflation sprang auf bedenkliche Raten, die öffentlichen Schuldenberge wuchsen rasant. Nach dieser Erfahrung galt Keynes als überholt.
Der Zeitgeist dreht
In der aktuellen Weltwirtschaftskrise dreht der Zeitgeist. Vom "keynesianischen Moment" spricht Paul Krugman, der 2008 mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Ökonom. Als sich im Januar die Mitglieder der "American Economic Association" in San Francisco versammelten, war überall der Ruf zu hören: "Die Staatsausgaben müssen kräftig steigen." Selbst Martin Feldstein stimmte in den Chor ein - "obwohl es mir nicht leichtfällt", wie der betont konservative Ökonom zugab, der unter Ronald Reagan der Vorsitzende des Council of Economic Advisors (CEA) war und für einen schlanken Staat warb.

Wenn die Rezession als Folge einer kollabierenden Nachfrage gesehen wird, muss der Staat das Loch mit öffentlichen Aufträgen stopfen. Das soeben verabschiedete amerikanische Konjunkturpaket beläuft sich auf fast 800 Milliarden Dollar. Gut ein Drittel davon ist für Steuersenkungen reserviert, zwei Drittel aber sind für zusätzliche Staatsausgaben vorgesehen, beispielsweise für den Bau von Straßen und Brücken oder für die Renovierung von Schulen und Amtsgebäuden.

Einen gewaltigen Impuls, der den stockenden Wirtschaftsmotor wieder in Gang setzen werde, verspricht Präsident Barack Obama. Er will damit 3 bis 4 Millionen Arbeitsplätze "schaffen oder sichern". Dafür nimmt er in Kauf, dass der Staatshaushalt gewaltig ins Defizit fällt. Die Neuverschuldung wird dieses Jahr auf etwa 1,5 Billionen Dollar steigen, das ist mehr als 11 Prozent des amerikanischen Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Konjunkturprogramme in Japan haben nichts geholfen

Sind wirklich alle Ökonomen wieder Keynesianer? Keineswegs. Viele sehen mit großer Sorge, was Obama plant. "Wenn ,Brücken nach nirgendwo' finanziert werden, dann mag sich das zwar in der Wachstumsstatistik positiv niederschlagen, der Wohlstand der Amerikaner wird dadurch aber kaum gemehrt", sagt Greg Mankiw, früherer CEA-Vorsitzender und Autor eines bekannten Lehrbuchs für Makroökonomie. Auch der Princeton-Ökonom Alan Blinder gibt zu bedenken, wenn der Ausgabenrahmen der Bundesregierung plötzlich um mehr als zwei Drittel ansteige, dann seien "einige Verschwendung, Betrug und Missbrauch" unvermeidlich.

In ganzseitigen Zeitungsanzeigen haben zweihundert Wirtschaftsprofessoren, darunter die drei Nobelpreisträger James Buchanan, Vernon Smith und Edward Prescott, vehement gegen höhere Staatsausgaben protestiert. "Mehr Staatsausgaben haben nicht Japans ,verlorenes Jahrzehnt' in den 1990ern verhindert", warnen sie. Die japanische Regierung legte damals fast ein Dutzend Konjunkturprogramme auf, nach 1995 betrugen die Haushaltsdefizite zwischen 5 und 8 Prozent des BIP. Es hat aber alles nicht geholfen, die Wirtschaft zu beleben.

Der Knackpunkt der keynesianischen Ökonomie ist der erhoffte Multiplikator-Effekt: Für jeden Dollar, den der Staat zusätzlich ausgibt, soll die Wirtschaftsleistung um deutlich mehr als einen Dollar steigen, weil diejenigen Unternehmen und Arbeitnehmer, die das Geld erhalten, ihrerseits wieder einkaufen gehen und damit neue Geschäfte anregen. Doch wie hoch ist die Hebelwirkung tatsächlich? Obamas wichtigste Wirtschaftsberaterin, die CEA-Vorsitzende Christina Romer, rechnet mit einem Multiplikator von 1,5. Krugman spricht von einer "Standard-Schätzung".

Der Schuldenberg steigt und steigt

Andere sind sehr viel pessimistischer. Robert Barro von der Universität Harvard hat jüngst für Furore gesorgt, als er behauptete, der Multiplikator liege tatsächlich unter 1. Das hieße, jeder vom Staat ins System gepumpte Dollar schaffe weniger als einen Dollar Wirtschaftsleistung. Zu diesem Ergebnis kommt Barro nach der Untersuchung von historischen Episoden mit sehr hohem "deficit spending" für Rüstungsausgaben. "Die übliche keynesianische Sicht ist, dass die fiskalische Expansion im Zweiten Weltkrieg den Stimulus geschaffen habe, der uns aus der Großen Depression gebracht hat", schreibt Barro im "Wall Street Journal". Doch während die amerikanischen Rüstungsausgaben 1943/1944 (nach heutigem Wert) 540 Milliarden Dollar erreichten, erhöhte sich das reale BIP nur um 430 Milliarden Dollar. Daraus folgt ein Multiplikator von 0,8. Zu ähnlichen Werten kommt er für die Zeit des Korea-Kriegs oder des Vietnam-Kriegs.

Mit seinem Artikel hat Barro heftige Reaktionen ausgelöst. Krugman schimpfte auf seinem Blog, dass selbst "erstrangige Ökonomen wirklich saudumme Argumente" gegen den keynesianischen Stimulus der Obama-Regierung aufbrächten. Der Zweite Weltkrieg sei nicht vergleichbar mit der aktuellen Situation. Nicht alle sind da sicher. Der in Harvard lehrende Historiker Niall Ferguson etwa sagte dieser Zeitung: "Billionen-Dollar-Defizite über einige Jahre werden den Schuldenberg auf eine Höhe wachsen lassen, die man seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gesehen hat. Wir erleben momentan die finanziellen Symptome eines Weltkrieges - ohne den Krieg."

Den Satz "We are all Keynesians now" sagte übrigens Milton Friedman, der ärgste Anti-Keynesianer, im Jahr 1965. Er fügte hinzu: "Und in gewisser Weise ist keiner mehr ein Keynesianer." Die Verwirrung damals war groß - sie ist es auch heute.

Hysterische Gesellschaft

STRIZZ, Reiche, FAZ


- " Essay von Matthias Horx : Die Hysterische Gesellschaft
Warum unsere apokalyptische Weinerlichkeit alles andere als harmlos ist
Die Welt ist schlecht, und sie wird täglich immer schlechter. Man muss nur morgens die Zeitung aufschlagen oder das Radio andrehen, Kollegen fragen oder die Hundertschaften von „Experten“, die das wachsende Elend, die ständig steigenden Gefahren für Leib, Leben, Seele, Menschheit verwalten. Die düsteren Herren, die uns von jedem Bildschirm aus tief in die Augen sehen. Es wird übel enden! Nehmen wir die jüngste Angstparole des medialen Alarmismus: VERARMUNG. „Immer mehr Menschen sind arm!“ – „Immer mehr Kinder sind arm“ -„Die Mittelschicht bröckelt“ -„ANGRIFF AUF DEN WOHLSTAND!!!“ Mitten im Wohlstand machen wir uns vor lauter Wohlstandsangst in die Hose. Und alle klatschen frenetisch Beifall.
Die EU definiert Armut nach einer Prozentsatz-Regel: Wer unter 60 Prozent des statistisch mittleren Nettoeinkommens verdient, ist arm. Bei Singles sind dies 781 Euro verfügbares Nettoeinkommen. Wenn der generelle Wohlstand steigt, wie er es auch bei uns tut (die Globalisierung hilft dabei kräftig mit), entstehen automatisch immer mehr Arme, per definitionem. In der Tat spreizen sich Einkommen in der globalisierten Ökonomie etwas mehr auf. Erstens wird der ökonomische Wirkradius der Qualifizierten größer. Wer früher als Angestellter sein Gehalt nur nach nationalen Marktmaßstäben erhielt, ist nun bisweilen ein Global Player. Das erklärt die enormen Zuwächse bei den höheren Einkommen. Probleme mit ihrem sozialen Fortkommen und ihrem Status bekommen diejenigen, deren unqualifizierte Arbeit plötzlich auf dem Weltmarkt Konkurrenz erfährt. Die Wissens-ökonomie, in die unsere Wirtschaft langsam hineinmutiert, verlangt nach anderen kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten. Dies ist, vor allem, eine Frage des Bildungssystems – und seiner Veränderung.
Wir müssen DAS GANZE BILD begreifen, wenn wir tatsächlich etwas verändern wollen. Aber wollen wir das eigentlich? „Letztlich wollen wir nicht wissen, ob Erkenntnisse wahr sind, sondern wohin sie gehören.“ So schrieb der im letzten Jahr gestorbene Meister-Melancholiker und Soziologe Karl Otto Hondrich.
Als unsere Urvorfahren im Überlebenskampf der Urzeit von Primaten zu Menschen wurden, entwickelten sie ein vielfach nützliches Alarm-system. Im limbischen System entstand ein effektiver Flucht-Kampf-Mechanismus, mit dessen Hilfe wir in kurzer Zeit große körperliche und geistige Energien zu mobilisieren vermögen. Achtung, Säbelzahntiger! Später entwickelte die menschliche Kultur Sprache, Emotion, soziales Verhalten als Erweiterung dieses Vorwarnsystems. So konnten Höhlen befestigt, Waffen erfunden, Kleidung hergestellt werden. Die kognitive Fähigkeit des Menschen, „in die Zukunft zu schauen“, erzeugte schließlich Zivilisation, Technologie und den modernen Menschen. Unsere anthropologische Fähigkeit, Gefahren schon zu orten, wenn sie sich erst ankündigen, hatte allerdings einen Preis. Sie machte uns empfindlich für Übertreibungen – und für falsche Alarme. ..." Focus 28/08

- Madonna mit 242 Mio. $ Umsätzen.

- " Akribisch . Arbeiter-Historiker: Zum Tode von Helmut Hirsch. Helmut Hirschs Vater besaß vor dem Zweiten Weltkrieg in Wuppertal das führende deutsche Damenputzgeschäft, zu dessen Kundinnen auch Else Lasker- ..." 27.1.09 // Als Ex-Metallarbeiter darf ich vielleicht anmerken: Damenputzgeschäft, Arbeiter-Historiker, das paßt. Ich lernte Helm. Hi. in der Heinrich-Heine-Initiative von Otto Schönfeldt und Manfred Windfuhr kennen, einem DKP-U-Boot, 1974 etwa. Die Initiative verlangte die Benennung der Uni D'dorf nach Heinrich Heine (weil Heine ein Linksradikaler war). Heute heißt die Uni D'dorf nach Heinrich Heine, ich kann es nur bedauern, weil Dichtung und Wissenschaft nichts miteinander zu tun haben, und auch, weil Heine in wissenschaftlicher Hinsicht ein dämlicher Maulheld war, der von wissenschaftlichem Arbeiten keinerlei Vorstellung besaß. Seine oft brillanten Gedichte kamen gut ohne aus. So wie Wissenschaft sehr gut ohne Lyrik auskommt.- Hirsch: akribisch? Nein, parteiisch. Der sozialistische DamenputzVater hatte ihm ein Bild August Bebels ins Kinderzimmer gehängt, dieser Nasenring zog ihn durchs Leben.

Dienstag, 17. Februar 2009

Wilders schlägt Wellen, Kalisch in Bedrängnis



Wilders schlägt Wellen
Von Dirk Schümer
Selbst sein Diplomatenpass nützte Geert Wilders nichts
FAZ 16. Februar 2009 Als der niederländische Politiker Geert Wilders letzte Woche nach England reisen wollte, ahnte man, dass daraus kein Vergnügungstrip werden könnte. Der Rechtspopulist war ins britische Oberhaus eingeladen worden, um dort sein Filmchen „Fitna“ vorzuführen. „Fitna“ montiert Szenen islamisch motivierter Gewalttaten mit Koranzitaten und legt seit anderthalb Jahren Zeugnis ab von Wilders' politischem Kampf gegen den Fundamentalismus des Islams.
Eine Debatte darüber, ja schon die Präsenz des umstrittenen Mannes war der britischen Obrigkeit gar nicht recht. Die Einreisebehörde verlautbarte vorab, Menschen, die „Extremismus, Hass und gewalttätige Botschaften exponieren, sind in unserer Gemeinschaft nicht erwünscht“. Und man ließ Taten folgen: Als Wilders - verfolgt von einer Horde filmender Journalisten - in Heathrow das Flugzeug verlassen wollte, wurde er herausgewinkt und mit dem nächsten Flug wieder nach Amsterdam-Schiphol verfrachtet.
Die Briten wehren ihn ab wie die Tollwut
Seither debattiert man auf beiden Seiten des Ärmelkanals, wieso dem holländischen Politiker Feindschaft entgegenschlug - und ob die Briten einen juristisch unbescholtenen EU-Bürger so unsanft behandeln dürfen. Wilders äußerte grimmig: „Ich beuge mich nicht vor dem Islam.“ Und zahlreiche, keineswegs nur rechte Medienstimmen in seiner Heimat pflichten ihm bei: Hier sei vorauseilend einem Kritiker des Islams der Mund gestopft worden, während Großbritannien im eigenen Land mit Gewalttätigkeit von Hooligans bis Mullahs wahrlich genug Ärger habe. „Inselmentalität“ attestierte die „Volkskrant“. Die Briten versuchten, Wilders mit denselben Methoden abzuwehren wie sonst die Tollwut.
Nun stand der Film „Fitna“, wenn man ihn nicht von interessierter Seite blockiert hat, geraume Zeit im Internet. Unbekannt kann das Werk eigentlich auch für britische Muslime nicht mehr sein. Es ging eher darum, ein hartes Exempel zu statuieren. Hatte doch der muslimische Lord Nazir Ahmed im Fernsehen bekundet: „Ich habe ein Recht, meine Religion auszuüben ohne Angst vor Einschüchterung und Provokation durch Mister Wilders.“
„Fitna“: Millionen Zuschauer, korrekte Verrisse
Reaktionen auf Wilders Film: „Gemein und angsteinflößend“
Mit Angst und der Einschüchterung kennt sich Wilders, der zu den meistbedrohten Europäern zählt und lange in einer Kaserne wohnen musste, bestens aus. Sein Film zeigt Hass-Attacken und entsetzliche Gewalttaten, die allesamt mit dem Koran begründet werden.
Wilders' Folgerung, die islamische Intoleranz habe die Fundamente unseres freiheitlichen Zusammenlebens bereits untergraben, wird durch sein Einreiseverbot nun bestätigt. Da half es nichts, dass die Londoner „Times“ in bester liberaler Tradition titelte: „Let him in!“ In den Niederlanden wird nun im Parlament gefordert, Außenminister Verhaegen möge den britischen Gesandten einbestellen. Während Internetforen und Zeitungen lautstark über die Intoleranz der Briten klagen, gewichten juristische Experten die Rechtmäßigkeit des Einreiseverbots. Wilders ist nicht vorbestraft, seine Meinungen nicht strafbar. Wilders ist offenbar entschlossen, seine England-Fahrt vor dem Luxemburger Europagericht einzuklagen.
Ein radikaler englischer Mullah ist nicht weit
Inmitten der Empörung wirft der Publizist Michael Zeeman seinen Landsleuten Heuchelei vor. Als nämlich „Fitna“ vor anderthalb Jahren ins Internet gestellt wurde, war die Diplomatie der Holländer weltweit auf Appeasement vorbereitet. Kein Regierungsmitglied wollte mit dem kontroversen Film etwas zu tun haben, der Ministerpräsident entschuldigte sich vorauseilend für den Inhalt bei allen Muslimen. Und wie, führt Zeeman weiter aus, verfahre man mit der Zurückweisung prominenter europäischer Rechter, wenn diese in den Niederlanden ihr Gedankengut verbreiten wollten? Jörg Haider war in Amsterdam ebenso unerwünscht wie der geniale Romancier Willem-Frederik Hermans, dessen antilinke Invektiven ihn für literarische Ehrungen diskreditierten. „Dürfte Geert Wilders“, fragt Zeeman provokant, „Jean-Marie Le Pen auf einen Dia-Abend in unser Parlament einladen?“
Im Fall Wilders wird also die Definition von Liberalismus und Meinungsfreiheit pragmatisch bis opportunistisch ausgelegt: Freiheit des Andersdenkenden wird erst dann zum Wert, wenn einzig die anderen für sie einstehen müssen. Insofern dürfte die Einladung eines radikalen muslimischen Mullahs aus England in die Niederlande nur noch eine Frage der Zeit sein.

- "Islamwissenschaften. Der Idomeneo-Reflex.
Fast neunzig Prozent der deutschen Muslime sind nicht organisiert. Trotzdem gewinnen gerade extreme Islamvereine an Macht. An der Uni Münster trifft diese Politik vor allem die islamischen Studenten, wie der Streit um die Lehrbefugnis des einzigen deutschen Islamtheologen Muhammed Sven Kalisch zeigt. ..." FAZ, Mönch, 26.11.2008