Montag, 13. April 2009

Internetradio, Luhmanns Soziale Systeme, WILHELM TELL




Nach dem Regen halbierte Temperatur: 10-12°C, morgens sehr neblig

Dieser fette, stets vollgefressene Bursche betreibt das Töten nur noch zur Unterhaltung; er spielt mit den Mäusen, beißt sie dann tot und läßt sie liegen


- Es gehört zu den geschenkten Erfreulichkeiten der Menschenwelt, daß dauernd an allen Ecken und Enden gebastelt wird, und dann fällt einem das Internetradio in den Schoß, ohne Störgeräusche, tausende Sender: Ottos Barockmusiksender, Ottos Klassik, Klassikgitarrensender, AVRO Radio-Festival, Sender, auf denen kein Wort gesprochen, etc. : herrlich!

- Luhmann, Soziale Systeme, S. 429: "Als Personen sind hier nicht psychische Systeme gemeint, geschweige denn ganze Menschen." Die Gesellschaft besteht aus sozialisierten Menschen, die dann Personen sind. Die Gesellschaft bleibt sich gleich bzw. ändert sich nur langsam, obwohl die Menschen dauernd sterben und neue heranwachsen. Die Unterscheidung Mensch / Person leuchtet ein und tut es wieder nicht. Die gesellschaftlichen Erwartungen an die Person sind andere als an Menschen. Lu. nimmt dann ein literarisches Beispiel (Genets Harcamone) um soziale Erwartungen zu illustrieren: "im Gefängnis der blendende Held, im freien Leben nichtssagend und matt".
Das macht doch keinen Sinn. Soweit geht der Einfluß sozialer Erwartung nicht. "Blendender Held" soll wohl heißen: vital, extravertiert, dominant, eloquent; so ein Typ ist das in wechselnden Milieus, wobei natürlich eine größere Rolle als das Milieu die Rangordnung einer angetroffenen Gruppe spielen kann. Auch das spricht für einen Theorieentwurf, der das ganze Zentralnervensystem einbezieht. Sonst werden nur soziale Phänomene, Kommunikationen erfaßt, die eine große Distanz zu den Vitalsystemen besitzen, also zum Beispiel Kommunikationen eher abstrakter Art in Recht, Wirtschaft, Wissenschaft.
Merkwürdig finde ich übrigens, daß Luhmann das verquere Geschreibsel eines Genet im Modebetrieb Paris für bare Münze nimmt. Ein schriftgläubiger Zettelkastenbewohner. Aber immer scharfsinnig und anregend.

- 13. April 1784: Die Uraufführung von Friedrich Schillers Trauerspiel „Kabale und Liebe“; man könnte sagen, das sei wirklich nicht nötig gewesen, so jugendschlecht und gefühlstriefend wie es ist. Da lob' ich mir den WILHELM TELL !

- Afrikas alte Probleme: "Albino-Verfolgung in Afrika
Aberglaube an die Kräfte der „weißen Schwarzen“ ... In den meisten afrikanischen Gesellschaften sind Albinos Außenseiter. Sie haben es sehr schwer, eine Ausbildung und eine Arbeitsstellte zu bekommen, weil viele Afrikaner Albinismus für ansteckend halten. Zugleich gelten die „weißen Schwarzen“ vielerorts als unsterbliche Geister, oder man glaubt, sie seien von Dämonen besessen. Ihr Schicksal ist seit kurzer Zeit stärker in das Bewusstsein der Weltöffentlichkeit gerückt. Denn allein in Tansania sollen im vergangenen Jahr rund dreißig Albinos getötet oder verstümmelt worden sein. ..." FAZ
- - "Burundi. Albinos für Rituale ermordet.
Mehr als 30 Albinos wurden in den vergangenen Monaten in Burundi ermordet. Gezielt machen Banden im tansanischen Grenzgebiet Jagd auf Menschen mit dem Gendefekt. Denn ihrem Blut und ihren Körperteilen schreiben Medizinmänner magische Kräfte bei Ritualen zu. Die Killer verdienen mit dem Mord an einem Albino mehrere zehntausend Euro. ..." FAZ 2.12.08

- "Männlein und Weiblein lernen anders bei Sepien
Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt es bei der Gemeinen Sepie (Sepia officinalis) auch im Hinblick auf die Orientierung im Raum. Dass ... Männchen stets an den geometrischen Mustern" Jungtiere und Weibchen nicht. FAZ 8.4.

Sonntag, 12. April 2009

OSTERSPAZIERGANG, Das Gehirn und die Systeme


10-22°C, nachts Gewitter

OSTERSPAZIERGANG Vor dem Tor

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dort her sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur.
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlts im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurück zu sehen!
Aus dem hohlen finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden:
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluß in Breit und Länge
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und, bis zum Sinken überladen,
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!
Goethe, Faust I

- "Das Gehirn denkt, fühlt, sieht, hört, riecht: Nichts." Das meinte Exupery auch, oder doch so ähnlich: "Man sieht nur mit dem Herzen gut. Und Lu.: Seine 'Liebe als Passion' leitet Luhmann mit Bezug auf einen Aphorismus La Rochefoucaulds ein: "Es gibt Leute, die sich nie verliebt hätten, wenn sie nicht von der Liebe hätten sprechen hören." Was bei Rochefoucauld trockene Ironie ist, verwandelt sich beim Juristen als Soziologen Lu. in sinnhubernden Kode-Ernst. Also: die Sinnkonstruktionen denken, fühlen, sehen, riechen. Das riecht nach Nominalismus. Nach der Finsternis, die sich das Licht erschuf. Oder: die Ostereier liefert der Osterhase. Letzteres kann nun wirklich niemand bezweifeln.
Die Hühner sehen das aber nüchterner: wenn sie warngackern, reagieren alle Nichtbeutegreifer in der Umgebung, die fühlen sich offenbar adressiert, die Botschaft ist akustisch und semiologisch so artikuliert, daß sie auch von den Krähen (und Elstern) verstanden wird, die sich zusammentun und den Bussard angreifen (Aggressivität) und immer erfolgreich vertreiben. Botschaft, Mitteilen und Verstehen. Und kooperative Angriffshandlung.
Die Botschaft des allein männlichen Reviergesangs (das ist weder der Alarmruf und noch der leise Warnruf an die Nestlinge) richtet sich vor allem an die Fraßkonkurrenten und heißt: Hier bin ich, niemand sonst, haut ab. Säugetiere am Schreibtisch decodieren diese Abschreckungsmelodien gern als Derivate mütterlicher Wiegenlieder und deren evolutiven musikalischen Nachfolgungen. Hier blitzt die Ambiguität der Zeichen auf. Die Nebenfunktion des Reviergesangs, vielleicht ist er deswegen so schön melodiös, ist auch die Anlockung einer Reproduktionspartnerin mit den Botschaften: hier ist ein Revier und hier ist ein hörbar potenter Revierinhaber (da macht das Nachtigallenhähnchen im Frühjahr sogar Nachtschicht); die Mitteilungsform ist der Gesang; und wenn dann eine Henne niedergeht, dann hat sie offenbar verstanden und ist zur strukturellen Kopplung bereit. Das Ganze macht aber bei Luhmann keinen sozialsystemischen Sinn, weil die Vögel nicht als Psychische Systeme anzusehen sind, die mit Bewußtsein operieren und eine Vorstellung nach der anderen erzeugen. Die Vögel haben nur ein Nervensystem, das aber keinen Sinn macht, jedenfalls keine Vorstellungen in einem Bewußtseinsstrom.
Diese Trennung von Nervensystem und Psych. Syst. hat zwar einen guten Grund, weil Luhmanns gesellschaftliche Systeme Sinn machen sollen, aber ich finde sie trotzdem problematisch.
Es ist die Hirnrinde, der Neokortex, der Vorstellungen aller Art erzeugt , und die Vögel haben keinen Neokortex, trotzdem können sie kommunizieren. Andererseits stehen hinter großen Neokortex-Vorstellungen oft nur unsinnhafte Verfaßtheiten des Nervensystems wie eine stark ausgeprägte Extraversion kombiniert mit psychotizistischer Tötungslust. Das kann dann einen Alexander bis nach Indien und einen Dschingis Khan bis nach Peking und nach Persien treiben. Die verschiedenen Systeme des Gehirns stehen in stark verflochtener Wechselwirkung miteinander, das Stammhirn mit dem Limbischen System und dem Neokortex, und alle zusammen mit dem endokrinologischen System. Spritzt man einer jungen weiblichen Ratte Oxitocin, dann beginnt sie mit dem Nestbau und sammelt die Nestlinge der Nachbarschaft ein und verbringt sie in ihr Nest. Macht keinen Sinn, würde wohl Lu. sagen und als soziale Handlung nicht anerkennen. Bei seinen Annahmen macht das Sinn, aber insgesamt genug?
Die gegenwärtige sog. Finanzkrise - die im wesentlichen aus einer US-Immobilienkrise besteht, die durch sozialstaatliche Niedrigzinspolitik induziert wurde, läßt sich subsystemisch sehr gut analysieren und begreifen. Es gibt aber einen weit verbreiteten starken Drang irgendwo im Neokortex, komplexe Wirkungsketten auf Kinderkanaltrivialität zu reduzieren - auch dieses bedeutende Phänomen ist ein konstitutionelles Problem, wenn man die Systeme so stark trennt und das Nervensystem ganz abtrennt. Und: Ohne ein entsprechend disponiertes und disponierendes Kleinhirn wären Alex und Dschingis gar nicht erst losgeritten, sondern brav in der Stube geblieben wie Pascal es empfahl: Alles Unglück dieser Welt komme nur daher, daß die Menschen nicht verstünden, ruhig auf ihrem Zimmer zu bleiben.

Samstag, 11. April 2009

Weniger Geburten, mehr Sterbefälle. HÖREN, SEHEN, NICHTS VERSTEHEN




- " Weniger Geburten, mehr Sterbefälle.
Und Deutschland schrumpft doch

Doch kein Aufwärtstrend: Die Geburtenzahl ist rückläufig
FAZ 07. April 2009 Immer weniger Kinder werden in Deutschland geboren, die Geburtenzahl ist rückläufig. Wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte, kamen 2008 nach vorläufigen Ergebnissen rund 675.000 Neugeborene lebend zur Welt. Das waren 1,1 Prozent weniger als im Jahr 2007. Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte noch im Februar einen Anstieg der Geburten verkündet.

Die bis dahin bekannte Statistik bis September 2008 hatte einen Aufwärtstrend an Geburten angedeutet, der sich durch die Zahlen des letzten Quartals des Jahres 2008 jedoch nicht bestätigt hatte. Von der Leyen sprach am Dienstag von einem „ungewöhnlichen Einbruch der Geburtenzahlen im letzten Quartal 2008“, den niemand habe vorhersehen können. Der vorläufige Anstieg der Statistik von 2007 bis September 2008 und der anschließende Rückgang zeigten, dass der Mut zu Kindern noch „ein zartes Pflänzchen“ sei, sagte die Ministerin. ... In der Bevölkerungsstatistik erhöhte sich die Zahl der Sterbefälle des vergangenen Jahres um 20.000 gegenüber 2007 (plus 2,4 Prozent) auf 844.000. Damit wurden 2008 rund 169.000 weniger Kinder geboren als Menschen verstarben. 2007 lag die rechnerische Lücke zwischen Neugeborenen und Verstorbenen bei 141.000. Wie die Statistiker weiter mitteilten, heirateten im vergangenen Jahr 375.000 Paare. Im Jahr 2007 waren es 368.000. Damit ist die Zahl der Eheschließungen im Vergleichszeitraum um 1,8 Prozent gestiegen. Hinsichtlich des endgültigen Jahresergebnisses von 2008 sind laut Bundesamt noch geringfügige Veränderungen der Statistik möglich, da im vorläufigen Ergebnis noch nicht alle Meldungen verarbeitet sind." FAZ
Robert Hamacher: Grober Unfug bereits im Februar 2009!
Meine vorherigen Kommentare zu diesem Thema vervielfältige ich nicht noch mal. Aber anzumerken bleibt: Bereits für die ersten 9 Monate des Jahres 2008 eine leichte Bevölkerungszunahme zu behaupten, war grober Unfug. Denn seit Beginn des Jahres 2008 wurde die statistische Erhebung verändert; es wurde der Kreis der erfassten Mütter um einige Jahrgänge der angemeldeten Wohnortpräsenz erweitert. Auf diese Erweiterung waren die minimalen Zuwächse zurückzuführen; doch dann schlug die Wirtschaftskrise als Psychokeule zu. Leider geht der FAZ-Artikel auf diese Veränderung nicht ein; macht die FAZ sowieso nicht gern. :)) Nur als Anmerkung: Die recht nette Statistikkurve zur Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Deutschland krankt natürlich daran, dass kein einheitlicher Meßstandard benutzt worden ist - als ob die Arbeitslosigkeit 1949, 1961, 1978, 1997, 2001 auf dieselbe Weise berechnet worden sei wie 2009. Manche Zeitungen müssen ihre Leser für ziemlich dämlich halten - oder befinden sich manchmal die Macher in diesem Zustand? :))
norbert doerre: Eine völlig verfehlte und gegen Arbeitnehmer gerichtete Sozialpolitik.
Nach der offiziellen Meinung unsrere Politiker und unserer Familienministerin insbesondere ist die Ursache für den Rückgang der Geburtenrate nur durch die Einkommensschwäche der jungen potentiellen Eltern bedingt. Wahrlich ist es nicht die Einkommensschwäche, sondern die Höhe der Steuern und Abgaben. Die in Deutschland lebende Gruppe der mittellosen 'Weltbürger' wird sehr bald die steuerzahlenden deutschen Kleinfamilien im Zuge der andauernden Wirtschaftskrise in der Geburtenrate übertreffen. Dann sind ein zunehmend karges Leben und Kinderreichtum miteinander fest verkoppelt, während die immer weiter schrumpfende Menge der Steuerzahler dafür die Alimente zahlen muß. Kinder von Steuerzahlern müssen darüber hinaus vom Säuglingsalter an in Fremdbetreuung gegeben werden, damit die Staatsverwaltung auch in Zukunft noch genügend Steuerumsatz macht, um weiter Staatsschulden aufzunehmen. So entsteht auf der Seite der Nichtarbeitenden das Potential einer armen, aber potentiell intakten Familienstruktur, auf der Seite der Mehrwertschaffenden jedoch die sozialistische Kälte von Anstaltskindern. Die weiter schrumpfende Zahl der Steuerzahler muß in Zukunft nicht nur sich selbst aufgeben, sondern eine Kleinfamilie auf dem Papier leben. "

- HÖREN, SEHEN, NICHTS VERSTEHEN: „ würde ich sagen, daß diese Verhaltensmöglichkeiten sich einer hardware verdanken, der sozial die 'Welt' aufgespielt wird bis hin - so würde ich vermuten - zur Veränderung der somatischen Basis durch die Aufspieleffekte.“

Liebe Herren F. und W.,
durch solche sozialen Aufspieleffekte verändert sich in der Tat etwas somatisch (ohne daß man gleich von Transubstantiation sprechen müßte): Synapsen werden nach Quantität des Gebrauchs aufgebaut, verstärkt, zurückgebaut und abgebaut (Verdrängung löscht kostengünstig ohne Psychoanalyse). Allerdings ist die Adressabilität, die Erreichbarkeit recht unterschiedlich. Extrovertierte und Introvertierte lernen unterschiedlich, und die soziale Erreichbarkeit von Menschen wie Thomas Wolf (s. frühere Mitteilung) ist gering.
Hier hat die Theorie Sozialer Systeme vielleicht ein Osterhäschenauge.
Die soziale Erreichbarkeit verschiedener Menschen ist sehr unterschiedlich. Während einige introvertierte Seelchen bei einem Stromschlag von 220V/8A umfallen, finden das robuste Psychotizisten geradezu unterhaltsam (unter robusten Psychotizisten sind bisher keine Soziologen bekannt) (Vgl. auch das Kap. SICHERHEIT UND ERREGUNG bei Norb. Bischof, Das Rätsel Ödipus).
Für die Schule und die verschiedene Erreichbarkeit der Schüler hat Luhmann einiges Allgemeine zutreffend gesagt. Aber den fließenden Übergang zwischen genetisch fundiertem sozialen Verhalten und frei kreierter sozialer Sinnkür scheint er nicht gesehen zu haben. Die Sinnschöpfungskompetenz jenseits des homo sapiens irrationalis ist nicht entfaltet, aber doch ansatzweise angeboren vorhanden: Die Warnrufe der Amsel alarmieren nicht nur andere Amseln, darüberhinaus auch die ganze andere Vogelwelt, und noch weiterhin auch den homo s. i. (der dann vielleicht bei anhaltendem Warngeschrei ennerviert nachsieht, ob der Bussard oder die Katze die Ursache ist).

Alarmfrequenzen und Artikulationsabstände reichen also über Artengrenzen hinweg, werden über angeborene, sozial kalibrierte Programme gesendet, empfangen und verstanden. Da die Evolution konservativ ist, kann das nicht überraschen, erstaunt aber doch. Wenn die Amsel warnt, und Rotkehlchen, Meise und Krähe hören und verstehen – Füchse schlafen da meist noch – handelt es sich da nicht um Kommunikation, generiert und verstanden aus angeborenen Programmen, sogar über Artsystemgrenzen hinweg?
Hören die Amseln oder ihre Hirne? Wenn die alten Meisen warnen, dann sind die jungen, krakeelenden Nestlinge sofort ruhig, ohne daß sie vorher eine einschlägige, subsystemäre Grundschule besucht hätten. Ihr der Hörrinde der Säugetiere entsprechendes Hirnmodul – das Gehirn besteht aus einer Reihe Modulen, Subsystemen (mit Parallelverarbeitung!) – interpretiert die entsprechenden Warnlaute angeborenerweise.
Da wurde nichts aufgespielt. Ohnehin hinkt der Computervergleich sehr stark: Diese weichen hirnlichen Proteinkonfigurationen sind Hard- und Software zugleich (nur alleine laufen und Ostereier suchen können sie nicht). Aber ansprechen kann man sie, wenn man ihre verschiedenen Schnittstellen adressiert (nicht zu plump! Das Hirn ist bei Geisteswissenschaftlern meist ein Sensibelchen!) Und es erzeugt dann auch, bei sensibler Ansprache, schöne Einfälle, Ideen mit Geschmack, Heureka-Vorlagen.

Freitag, 10. April 2009

Karwoche, Karaimen


10-22° und sonnig - 1. Zecke

Karwoche (Eduard Mörike)

O Woche, Zeugin heiliger Beschwerde!
Du stimmst so ernst zu dieser Frühlingswonne,
Du breitest im verjüngten Strahl der Sonne
Des Kreuzes Schatten auf die lichte Erde,

Und senkest schweigend deine Flöre nieder;
Der Frühling darf indessen immer keimen,
Das Veilchen duftet unter Blütenbäumen
Und alle Vöglein singen Jubellieder.

O schweigt, ihr Vöglein auf den grünen Auen!
Es hallen rings die dumpfen Glockenklänge,
Die Engel singen leise Grabgesänge;
O still, ihr Vöglein hoch im Himmelblauen!

Ach dort, von Trauermelodieen trunken,
Und süß betäubt von schweren Weihrauchdüften,
Sucht sie den Bräutigam in Todesgrüften,
Und Lieb' und Frühling, alles ist versunken!
------- WD
Das ist vorbei, die Trauer hält sich nun in Grenzen
Der Gottesdienst hat seinen Sinn verloren
Die Religion, einst innig noch beschworen
Macht Platz dem Ausflug in Mercedes-Benzen.
--------- H.K.
So glaubt der Fachmann, doch den Laien wundert's nicht,
( Weiß er doch, was den Menschen drückt,
Und sucht, was ihn der Hoffnungslosigkeit entrückt )
Daß Religionen stets nur ändern ihr Gesicht.

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- Auf der Suche nach den Karaimen - Eine litauische Reise von Karl-Markus Gauß. Er geht den Sagen einer wie immer jüdischen Gemeinschaft nach - warum immer. Interessant ist, daß sich die Religionen gleichen, daß immer wieder die gleichen Denkfiguren vorkommen, daß aber der Differenzierungstrieb, die Grenzziehung zu den anderen Glaubensgemeinschaften abertausend spitzfindige Unterschiede erfindet und sie mit der Zeit heiligt.
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- Das Gegenteil der Karaimen: ZDF-History, n-tv-history : was sagt das über den Vergeistigungsgrad von Abiturienten aus? Offenbar meinen die Sender, daß sie auf diese Weise jüngere Menschen eher ansprechen können.

- "Studie: Rotes Fleisch fördert frühen Tod .
gel. WASHINGTON, 24. März. Nach einer amerikanischen Studie scheint bei Personen, die viel Rind- und Schweinefleisch essen, das Risiko zu bestehen, ..." FAZ // Also denn: Rotbarsch und Rotwein.

Donnerstag, 9. April 2009

Reduktionismus, der greift / Genom, Zufall, Denkblasen




Besser ist der: Montaigne

Hübsche Häuschen gebaut: Guggenheim-Museum von Frank Lloyd Wright (gest. 9. April 1959)

Luhmann-Dialog AGGRESSION 4: Reduktionismus, der greift / Genom, Zufall, Denkblasen
PF:
'Was wir mit "Umwelt" meinen, der Anteil der nicht durch die Gene bedingten Varianz hat möglicherweise gar nichts mit der Umwelt zu tun. Wenn die nichtgenetische Varianz das Ergebnis zufälliger Ereignisse bei der Entwicklung des Gehirns sein sollte, wäre damit ein weiterer Teil unserer Persönlichkeit und unserer Intelligenz biologisch (wenn auch nicht genetisch) bedingt und damit selbst den besten Absichten der Eltern und der Gesellschaft entzogen. '

Ich glaube, wir kommen hier nicht zu einer Verständigung. Für mich sind neuronale Systeme, Körper etc. Umwelt von Sinnsystemen. Sozialisation ist für mich die soziale Interpretation von Hirnereignissen. Dabei komme ich nicht auf die Idee, daß die Infrastruktur psychischer Sinnsysteme keinen Einfluß hätte, so als ob es gleich wäre, was man da geerbt hat, aber: Sinnsysteme verdanken die Möglichkeit ihrer Sinnhaftigkeit der Sozialität. Ohne sie könnte niemand ein Verbrecher, Held oder sonst irgendetwas sein. Das Gehirn ist, wie ich gesagt habe, ziemlich 'doof'.

WD:
Das bringt die unterschiedlichen Perspektiven knapp, deutlich und gut zum Ausdruck. Die Dialektik von Neuron und Sinn gleicht ein wenig der von Henne und Ei im Streit um die Ursprünglichkeit. Das Gehirn ist vielleicht nicht gerade ziemlich 'doof', bewältigt es doch eine systemische Komplexität, die die der primitiven Sinnsysteme der Gesellschaft bei weitem übersteigt, und es kann ganz gut Theorien erzeugen und unterscheiden. Die ihm inhärenten Verhaltens- und Denkfiguren sind sogar erst die Plattform für kulturelle, variantenreiche Sinnkreationen. Letztere sind Moden und lassen sich mit der Theorie Sozialer Systeme gut erfassen und beschreiben. Wobei Verirrungen groteskester Art, Denkblasen schaurigster Größe vorkommen. Aber die Gesellschaft auf Kommunikationen allein zu gründen, macht sie für alle grundlegenden soziobiologischen Phänomene blind. Wie Luhmann in 'Liebe als Passion' scharfsinnig den erotischen Kode analysiert, das beeindruckt, aber für die Triebkraft Sexualität, ohne die es gar keinen erotischen Kode gäbe, hat er keinen Blick .
Was hätte eine neurowissenschaftliche Sozialisation aus Luhmann gemacht! Hätte er sein wichtigstes Buch geschrieben, 'Die Gesellschaft der Biowissenschaften'? Und hätte Ute Seibt geheiratet?
So blieb er leider zeitlebens biologisch uninformiert und konnte nie ein Gespür dafür entwickeln, wie der Alte Hominide Adam auch in sehr abstrakten, komplexen Vergesellungen stets wie ein Maxwellscher Dämon präsent ist.- Auch in diesem Forum flackern übrigens immer wieder Blockwart-Aggressivitäten auf, die in merkwürdigem Gegensatz zur wohltemperierten Stimmung der Th. Soz. Syst. stehen.
Blockwart-Aggressivitäten sind natürlich abzulehnen, ebenso alle anderen primitiven Aggressivitäten, ob verbal oder gewaltsam. Aber wie ist es mit der spielerischen Aggressivität der Polemiklust, wie mit den Gewaltspielen des Boxens, mit Aggressivitätsformen, die der Lust und Unterhaltung dienen? Ich finde es nicht schön, wenn sich Boxer in die Backen hauen, aber es bereitet ihnen Lust, ebenso dem Publikum. Dagegen ist die Verteidigungsaggression kein Spaß, sondern überlebensnotwendig, sei sie psychisch oder physisch gelagert. Aggressivität als eine Handlungsmöglichkeit findet sich überall in der Fauna und sogar bei den Karnivoren, den Fleischfressenden Pflanzen, sie ist einfach als Verhaltensmöglichkeit im Genom vorhanden.
Tja. So sei es denn. Man braucht halt mehr als nur eine Theorie. Mir ist im Rahmen dieses kleinen Dialogs übrigens auch klar geworden, warum manche Theologen Luhmann schätzen.

- Systemtheorie nachgetreten: "Sinnsysteme verdanken die Möglichkeit ihrer Sinnhaftigkeit der Sozialität. Ohne sie könnte niemand ein Verbrecher, Held oder sonst irgendetwas sein." (PF) Die ganze Irrealität der hauptamtlichen Systemtheorie-Vertreter, aber für andere Theorieapostel gilt Ähnliches, kommt in solchen Sätzen zum Ausdruck. Es gibt ein Handeln vor dem rechtlichen oder einem anderen Kode. Auch wenn ein Mörder nicht Verbrecher genannt wird, so bleibt er doch ein Mörder.

- Jungs: "...Mütter und Väter von Jungs, Lehrerinnen und Lehrer wissen, wovon die Rede ist, dass am allerwenigsten ein Kampf der Geschlechter weiterführt, den der Feminismus zum unbestrittenen Vorteil der Mädchen gewonnen hat. Woran so lange nichts Falsches ist, solange der Streit um Chancengleichheit diese auch wirklich hervorbringt. Darüber aber sind wir hinaus. Nur zehn Prozent der Lehrer an Grundschulen sind Männer, auch an den weiterführenden Schulen sucht man sie längst mit der Lupe, Schulbücher handeln von starken Mädchen und von Jungens, die kochen und stricken, in Deutscharbeiten geht es um Backrezepte, und im Sportunterricht wird gejazzdanct. Es gibt den „Girls Day“, aber keinen „Boys Day“ und vor allem - es gibt die Jobs nicht mehr, die Jungen anstreben. Dafür gibt es schlechtere Noten bei gleichen Leistungen, denn das Verhalten wird immer mitbenotet. Das hält kein Junge aus. ..." Männliche Problemkinder, Wir müssen die Jungs wieder lieben lernen, FAZ / SWR-Film, 8.4.