Donnerstag, 5. Mai 2022

Lob des Polytheismus

„… was meinen die wohl, warum ich ein Skeptiker bin? I like fallacy. Hier stehe ich und kann auch immer noch anders: Ich erzähle – als eine Art Scheherazade, die freilich anerzählen muss jetzt gegen die eigene Tödlichkeit – ich erzähle, also bin ich noch; und so – just so – erzähle ich denn: Geschichten und spekulative Kurzgeschichten und andere Philosophiegeschichten und Philosophie als Geschichten und weitere Geschichten und wo es den Mythos betrifft – Geschichten über Geschichten; und wenn ich nicht gestorben bin, dann lebe ich noch heute.“


Marquard, Odo. Lob des Polytheismus. Über Monomythie und Polymythie, in: Zukunft braucht Herkunft. Philosophische Essays, S.67). Reclam Verlag. Kindle-Version. 


Das mag nun vielen etwas zu locker und launig sein - aber als Saldo der bisherigen Geschichte und Geschichten gibt das eine zu bedenkende Kontrastfolie ab.


Mittwoch, 4. Mai 2022

Prinzipien

 In „Zukunft braucht Herkunft“ verabschiedet Odo Marquard eingangs das prinzipielle Denken. „Abschied vom Prinzipiellen“ hat er den ersten, autobiographisch unterfütterten Essay genannt. Damit verabschiedet er sich auch von eine Philosophie, die Prinzipien erkennen und aufstellen will, wie die Seminargötter Platon und Aristoteles. Das entwerte die philosophische Bemühung nicht, sondern knüpfe an die skeptische Tradition an, für die Namen wie Pyrrhon, Montaigne, Charron, Bayle, Hume, Schulze-Aenesidem, Plessner, Burckhardt und Löwith stehen. Marquards zusammenfassendes Argument: 

„Wir müssen unsere Kontingenz ertragen: Gerade die Skepsis – und auch das in dieser Einleitung Ausgeführte – ist keine absolute Mitteilung, weil jede Philosophie in ein Leben verwickelt bleibt, das stets zu schwierig und zu kurz ist, um absolute Klarheit über sich selber zu erreichen.“


Marquard, Odo. Zukunft braucht Herkunft. Philosophische Essays: (S.27). Reclam Verlag. Kindle-Version. 

Montag, 2. Mai 2022

Grundsätzliches zu Odo Marquard / von Philosoph Dr. Christian Weilmeier

"übt einen großen Einfluss auf den Zeitgeist in der Bundesrepublik Deutschland aus"? Das ist mir in den letzten 50 Jahren völlig verborgen geblieben. An der Uni ist er nur den Philosophen bekannt. "gerne in den Medien zitiert wird"? Da werden vor allem die linksgewickelten Plapperer wie Habermas zitiert. Auch die kleine Zahl der Aufrufe hier - 3647 - deutet auf seine geringe Verbreitung hin. Der erste Kommentar erfolgt erst nach sieben Jahren! Das schmale Echo ist zu bedauern, denn der Skeptiker Odo Marquard enthält sich der großen utopischen Entwürfe, die so viele Tote verursacht haben.

Samstag, 30. April 2022

Odo Marquards Empfehlung

 Die Bürgerlichkeit mit Gewaltenteilung, Marktwirtschaft und Vermeidung extremer Positionen schafft den Wohlstand, der von Fanatikern und Abenteurern als langweilig empfunden wird. Meint Marquard. “Darum – meine ich – spricht alles für die Bürgerlichkeit; und darum – meine ich – spricht alles gegen die Verweigerung der Bürgerlichkeit.”


Marquard, Odo. Zukunft braucht Herkunft. Philosophische Essays: Apologie der Bürgerlichkeit, S. 249, Reclam Taschenbuch (S.262). Reclam Verlag. Kindle-Version. 


Wo die Maßstäbe verloren gehen durch Ideologien und Verblendung droht am Ende Chaos und Gewalt.


Mittwoch, 27. April 2022

Plattdeutsch oder Englisch?

In den westlichen Ländern grassiert der Schutz-Virus. Alles und jedes soll geschützt werden, vom Klima bis zum Plattdeutsch. Das zeigt viel Verwirrung, denn weder das eine noch das andere läßt sich schützen. Das Klima ist ein chaotisches System und kann deshalb gar nicht geschützt werden, und die Sprachen sind es in gewisser Weise auch. Beides spielt in Europa eine kostspielige Rolle, der Klima”schutz” ist geradezu ruinös. Die Übersetzungen in die vielen europäischen Sprachen sind wesentlich billiger. Aber der europäische Gedanke - das Wachsen einer gemeinsamen europäischen Kultur - hängt natürlich auch an den Verständigungsmöglichkeiten. In den USA setzte sich das Englische durch die starke Dominanz der englischsprachigen Siedler durch. In Europa breitet sich das Englische durch die Eliten in den Medien und der Technik aus. Das ist oft ärgerlich, aber im Interesse einer verbindenden Sprache in Europa lohnt sich ein puristischer Widerstand nicht. Englisch als Zweitsprache in den europäischen Ländern - ähnlich wie bereits in den Niederlanden - ist zu begrüßen, einfach, weil es der Verständigung dient. In der Vergangenheit hat das Latein diese Funktion erfüllt, aber nur für die Eliten. Das ist heute etwas besser. Allerdings lassen sich die Nationalsprachen durchaus weiter pflegen, es braucht nur den Willen dazu.