Donnerstag, 6. Dezember 2007

Chinageld, Ratzinger, Schellnhuber, Licht an

mi 9° R 1,4547
- "Stromnetze: Eon warnt vor Aktion „Licht aus“. Umweltschutz-Organisationen haben die Bevölkerung aufgerufen, am Samstagabend um 20 Uhr fünf Minuten lang das Licht auszuschalten. Den Stromkonzernen bereitet die Aktion Sorgen, denn große Schwankungen im Netz könnten zu einem Stromausfall führen."
- "Platituden
Hörbar indigniert reagierte Entwicklungshilfeministerin Wieczorek-Zeul auf die Frage des Moderators, warum China noch Entwicklungshilfe von Deutschland brauche. Wenn sogar der Deutschlandfunk zu solchen "Platituden" greife, "dann wird es schwierig", fauchte die Ministerin. In der Tat: Ganz leicht ist es nicht zu erklären, warum das Land mit den größten Devisenreserven der Welt von Deutschland noch 67 Millionen Euro bekommen muss, um energiesparende Techniken einzuführen. In Wirklichkeit braucht diese Förderung nämlich die heimische Solar- und Windindustrie, damit die Chinesen bereit sind, deren Anlagen abzunehmen. Exportförderung dieser Art - Zusammenarbeit genannt - gibt es zwar auch für andere Branchen, doch gerade in Sachen Klimaschutz werden die Schwellenländer China und Indien jetzt so bedrängt, dass die Erwartung wächst, es sei die Schuldigkeit der Industrieländer, sie mit erneuerbaren Energien zu versorgen. Verständlich, dass es die Ministerin zunehmend nervös macht, diese Haltung mit allzu großzügigen Mitteln gefördert zu haben." Dt.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.12.2007, Nr. 282, S. 10

- "Theologie der Inkarnation - der Leitgedanke Joseph Ratzingers" - "Et incarnatus est - mit diesem Wort bekennen wir uns zu dem tatsächlichen Hereintreten Gottes in die reale Geschichte." (Ratzinger/Benedikt, Jesus, Bd. 1, 2007, 14) // Alle Offenbarungsreligion hat den Aberglauben zum Grund.

- Man kann Aberglauben auch durch Computersimulationsoffenbarung beglaubigen, siehe den Klimapapst Schellnhuber und seinen Apostel Rahmstorf. Die Wissenschaftsgeschichte besteht aus Irrtümern, Aberglauben und korrigierten Irrtümern. War etwa bis 1900 das Hauptproblem, relativ einfache Funktionszusammenhänge zu erfassen, also zB zu begreifen, daß das Blut ein Transport- und Kommunikationsmedium ist, und daß der bis etwa 1830 praktizierte Aderlaß grober, totschlägerischer Unfug war, so scheint heute der Umgang mit Komplexität das Hauptproblem zu sein; im Prozeß der Komplexitätsreduktion stellen sich unterderhand alte Denkfiguren des Aberglaubens ein (Himmel stürzt ein, Sintflut etc.).

- "Im Christentum ist Aufklärung Religion geworden und nicht mehr ihr Gegenspieler. Weil es so ist, weil das Christentum sich als Sieg der Entmythologisierung, als Sieg der Erkenntnis und mit ihr der Wahrheit verstand ..." Ratzinger, Glaube - Wahrheit - Toleranz. Das Christentum und die Weltreligionen, Freiburg 2003, 137 // Es gibt nichts, was sich nicht mit der Sprache machen ließe.

- Nach dem Ratzinger-Vortrag kam ich zufällig an einem merkwürdigen, großen Innenstadt-Geschäft vorbei namens WARHAMMER, offenbar einer Kriegsspielfigur mit vielen Mitkriegern, die dort verkauft werden mit kriegerischen Kulissen; in den durch große Schaufenster einsehbaren Räumen stehen geräumige Tische, auf denen mit den Figuren gespielt werden kann. Das scheint die Weiterentwicklung des Zinnsoldatenspiels zu sein, aber für eine höhere Altersgruppe.

Polkappen, DIABETES MELLITUS, Öl in China u. Brasilien

Mi 10° b
Ein nicht veröffentlichter Leserbrief an die FAZ:
Leserbrief zu "Es kommen härtere Tage " , Kaube FAZ 09.10.07
Revolutionäres Molekül
Es ist erschreckend, wie wenig Herr Kaube in seinem Kommentar "Es kommen härtere Tage" (9.10.) differenziert. Pars pro toto: "Schmelzende Polkappen"; dazu hätte er in der FAZ lesen können:
"Während die Eisdecke in der Antarktis eher steigt, sinkt sie in den Nordpolarmeeren seit 30 Jahren ständig." ( 07.04.07 "Mit Zeppelin Eisdichte am Nordpol messen")
Dazu sollte er wissen, daß das Arktiseis schwimmt, beim Abschmelzen also kein zusätzliches Wasser ins Meer läuft, und daß die Arktis im Vergleic zur Antarktis kleiner ist. Der Kern der Antarktis ist die Landmasse des Kontinents Antarktika, das Zentrum der Arktis ist das gefrorene Nordpolarmeer.
Der Teufel sitzt nicht nur im Detail, sondern auch in der linearen Logik, hier u.a. in Ansprache des DIABETES MELLITUS-Staates, von Kaube 'Wohlfahrtsstaat' genannt. Wie bereits vielfach in Mäuse-Experimenten gefunden und in der FAZ dokumentiert, bewirkt eine niederkalorische Ernährung mit mehr Bewegung auch beim Menschen positive Gesundheitseffekte: "... Kuba. Während der Wirtschaftskrise von 1989 bis 2000 nahmen sie statt durchschnittlich 2899 Kalorien pro Tag nur noch 1863 zu sich. ... Die Zahl der Todesfälle durch Diabetes, koronare Herzerkrankungen und Schlaganfall ging zurück ..." Focus 40/2007 (vgl. auch die an der Uni Münster durchgeführte Querschnittsstudie SEARCH Health, die Lebensstil und kognitive Leistungen thematisiert).
Man darf also um mehr Differenzierung bitten und um weniger Alarmismus, und vor allem muß man empfehlen, die natur- und ingenieurwissenschaftlichen Beiträge in der FAZ zu lesen. Die sind einfach besser als Prognosen von Computerspielern; aufgrund von Computersimulationen sagte der Club of Rom in den siebziger Jahren das völlige Versiegen des Erdöls für das Jahr 2000 voraus (vgl. FAZ 5.5.07: Der größte chinesische Ölkonzern Petro China hat das möglicherweise größte Erdölvorkommen in Ostasien seit rund 50 Jahren entdeckt ...")
Und zur Beruhigung sei angemerkt: Die Hurrikan-Jahreszeiten 2006 und 2007 verliefen unauffällig. Trotz der wöchentlichen Inbetriebnahme eines Kohlekraftwerks in China.
# Und inzwischen fand auch Brasilien ein riesiges Ölfeld. Norwegen vermutet sehr große Erdgasvorkommen im Norden.

Dienstag, 4. Dezember 2007

Russland, CDU

Mi 6° b
- 63%: Russland: "Wer nicht Putin wählt, wird entlassen. Am Tag nach der Wahl geben sich die russischen Medien reserviert und nüchtern. Russland hat gewählt und das Ergebnis war zu erwarten, auch wenn Putins Maximalplan von 71 Prozent Zustimmung nicht erreicht wurde. Von Kerstin Holm FAZ 4.12.07 // Da wird der lupenreine Gasprom-Kumpel Schröder beeindruckt sein.
- Der Chef von „Echo Moskau“ über sein Land: „Gegen Mord bin ich machtlos“. Als Putin Präsident wurde, gab es in Russland sechs Fernsehsender - vier staatliche und zwei private. Heute gibt es sechs Staatssender. Alexej Wenediktow, Chef des Radiosenders Echo Moskau, über Putin und die Pressefreiheit. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 02.12.2007, Nr. 48 / Seite 31
- Glückwünsche aus Paris Von Michaela Wiegel
PARIS, 4. Dezember. Herzlichste Gratulationen hat Nicolas Sarkozy dem russischen Präsidenten Putin am Telefonhörer übermittelt - und damit einen Gegenklang zur einmütigen Kritik am russischen Wahlverlauf ertönen lassen.
F.A.Z., 05.12.2007, Nr. 283 / Seite 504. Dezember 2007, 17:35

- Wahl-CDU-Parteitag in Hannover:
Zwei Schritte nach links, einer in die Mitte. Was für eine alberne Angelegenheit.

Montag, 3. Dezember 2007

Constantin Frantz, Renan, Langewiesche

mi 6° regn. WTI 87,93 7880 1,4646

- "Staat, Nation und Föderation in der europäischen Geschichte", schöner Vortrag von Dieter Langewiesche; Machtsteigerung durch Zentralisierung, Staat und Nationalismus als "Machtsteigerungsmaschine" waren die Stichworte. Ernest Renand zitierte er als Vertreter des föderalistischen Gedankens. Gut so. Es fehlte vielleicht bei L. der Hinweis, daß es sich bei dem Begriff "Nation" um eine geisteswissenschaftliche Konstruktion handelt aus dem kollektivistischen Vorstellungsbereich. Und warum erwähnte der deutsche Historiker L. auch nicht den deutschen Föderalisten Frantz?

- Joseph Ernest Renan (1823-1892), französischer Schriftsteller, Historiker, Archäologe, Religionswissenschaftler und Orientalist. Mitglied der Académie française.
Renan gab 1855 eine historisch-systematische Konkordanz der semitischen Sprachen heraus. Verschiedene Reisen vor allem in den Nahen Osten führten zur Entstehung seines Hauptwerkes ‚Das Leben Jesu’, dessen erster Band 1863 erschien. In diesem Buch versucht Renan, das Leben, die Gestalt und den Weg Jesu aus den antiken Verhältnissen seiner Zeit heraus zu erklären.
Für sein Werk wurde Renan zunächst scharf angegriffen und 1863 sogar vorübergehend als Professor entlassen, allerdings bereits ein Jahr später rehabilitiert und 1878 zum Mitglied der Académie Française gewählt.
Definition der Nation
Bekannt ist Renan auch für seine Rede vom 11. März 1882 in der Sorbonne: ‚Was ist eine Nation?’, in der er folgende, moderne Definition gibt:„Die Nation ist eine große Solidargemeinschaft, die durch das Gefühl für die Opfer gebildet wird, die erbracht wurden und die man noch zu erbringen bereit ist. Sie setzt eine Vergangenheit voraus und läßt sich dennoch in der Gegenwart durch ein greifbares Faktum zusammenfassen: die Zufriedenheit und den klar ausgedrückten Willen, das gemeinsame Leben fortzusetzen. Die Existenz einer Nation ist (man verzeihe mir diese Metapher) ein tägliches Plebiszit, wie die Existenz des Individuums eine ständige Bekräftigung des Lebens ist.“ (häufig verkürzt zu Die Nation ist ein tägliches Plebiszit). In dieser Rede nahm der schon 1882 die Idee der Europäischen Gemeinschaft vorweg: Die Nationen sind nichts Ewiges. Sie haben einmal angefangen, sie werden enden. Die europäische Konföderation wird sie wahrscheinlich ablösen.» (Wikipedia)

- Constantin Frantz (1817-1891) stammte aus einem protestantischen Pfarrhaus. Er studierte in Halle (Saale) und Berlin Mathematik und Naturwissenschaften und arbeitete dann im preußischen Staatsdienst, aus dem er 1862 ausschied, um sich nur noch dem Schreiben politischer Denkschriften zu widmen. In seinen Schriften kritisierte er den Nationalliberalismus, dem er kriegerische Tendenzen unterstellte, er war aber auch kein Konservativer im damaligen Sinn des Wortes. Sein Gegenentwurf zum nationalistisch motivierten deutschen Nationalstaat aus ehemals selbständigen deutschen Staaten, in dem er eine Gefahr für den Frieden in Europa sah, bestand in einer mitteleuropäischen Föderation unter deutscher Führung, unter Einschluß Polens und anderer osteuropäischer Länder. Sein oberstes Prinzip war die Freiwilligkeit und Gewaltlosigkeit, die Schaffung eines Nationalstaats mit militärischen Mitteln lehnte er ab. Constatin Frantz geistesgeschichtliche Bedeutung liegt in seinem Einfluss auf Richard Wagner und anderen dem Wilhelminismus kritisch gegenüber stehenden Persönlichkeiten seiner Zeit. Er baute den Föderalismus zu einer eigenen Weltanschauung neben Sozialismus und Liberalismus aus. (Wikipedia)

Sonntag, 2. Dezember 2007

Merz, Benn, Sterblichkeit

mi 8° R

- Merz sagt Teilnahme am Parteitag ab - ein Mann, der nicht für linksgewickelten Opportunismus steht. Kein Kleber.
- »Leicht gesagt: verkehrte Politik.
Wann verkehrt? Heute? Nach zehn Jahren?
Nach einem Jahrhundert?«
Gottfried Benn

- Enzyklika: eine wunderliche Sprache

- Asien will keine verbindlichen Klimaziele.
- Putin hat gegen Putin gewonnen.
- Fragen über Fragen: Universität Dortmund, Chemie-Gebäude Otto-Hahn-Str. 6 Etage 02, Gebäudeteil C1, Raum 101
03.12.2007 16.15 Programmierte Sterblichkeit, ein paradoxer Kunstgriff des Lebens
Prof. Dr. Bernhard Verbeek, Universität Dortmund
Im Universum herrscht das Gesetz der Entropie, demnach alles dem Zustand geringster Ordnung zustrebt. Vordergründig gesehen dürfte es deshalb das Phänomen Leben eigentlich gar nicht geben. Aber mit Hilfe eines komplizierten sinnreichen molekularen Gefüges nutzt das Leben den Strom wachsender Entropie, um gegen ihn anzulaufen. Warum nur ist bei höheren Organismen der Tod genetisch einprogrammiert? Eine Naturnotwendigkeit, etwa vergleichbar den Konsequenzen, die sich aus der Thermodynamik ergeben, ist er jedenfalls nicht. Einzeller, wie die potenziell unsterblichen Pantoffeltierchen sind ein lebender Beweis, dass es auch anders geht.
Welche Gründe hatte die Natur, den Tod als Selbstversenkungsmechanismus in die Zellen und ganzen Organismen auf der Ebene der DNA einzuprogrammieren? Neuere Erkenntnisse machen immer wahrscheinlicher, dass es der Preis ist, der entrichtet werden musste, um die genetischen Programme komplexer Lebewesen bis zum heutigen Tage durch die Erdgeschichte zu schleusen.